Lübeck's Dance of Death

Lithograph after Milde
Carl Julius Milde, Milde #1

Here is the "new" text from St. Mary's Church in Lübeck written in 1701 by Nathanael Schlott,

This version of the text has been taken from the book Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck, written by Wilhelm Mantels, 1866. The text stands underneath the handsome lithographs that were made after watercolours by Carl Julius Milde.

A comparison with the old photos of the painting shows this transcription to be reliable. The duke does not appear because he was removed in 1799.

Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck

Death

Der Tod.
Heran, ihr Sterblichen! daß Glaß ist auß, heran,
Vom Höchsten in der Welt biß zu dem Bauersmann!
Das Wegern ist ümbsonst, ümbsonst ist alles Klagen,
Ihr müßet einen Tantz nach meiner Pfeiffe wagen.

Death to the pope

Der Tod.
Komm, alter Vater, komm, es muß geschieden seyn,
Kreuch auß dem Vatican in diesen Sarg hinein;
Hier trägt dein Scheitel nicht das Gold von dreyen Cronen,
Der Hut ist viel zu hoch, du must jetzt enger wohnen.

The pope

Der Pabst.
Wie? scheut der Tod den Blitz von meinem Banne nicht?
Hilfft kein geweihtes Naß und kein geweihtes Licht?
So bleibt mir doch die Macht zu lösen und zu binden.
Wie solt ich sterbend nicht den Himmelsschlüßel finden?

Death to the emperor

Der Tod.
Auf, großer Keyser, auf! gesegne Reich und Welt,
Und wisse, daß ich dir den letzten Tantz bestellt.
Mein alter Bund gilt mehr, alß Apfel, Schwerdt und Bullen,
Wer mir Gesetze schreibt, mahlt eitel blinde Nullen.

The emperor

Der Keyser.
Was hör ich? trägt der Tod für Göttern keine Scheu?
Sind Keyser=Cronen nicht für seiner Sichel frey?
Wohlan, so muß ich mich, ach hartes Wort! bequemen
Und von der dürren Hand den Reiches=Abschied nehmen.

Death to the empress

Der Tod.
Reicht ungewegert her der Hände zartes Paar,
Und wandert fort mit mir zu jener großen Schaar.
Doch spart die Thränenfluth des bittern Scheidens wegen,
Man wird euch den Gemahl bald an die Seite legen.

The empress

Die Keyserin.
Ist Zeit und Stunde da, so geb ich mich darein,
Und will auch sterbend dir, mein Keyser, ähnlich seyn.
Du kontest dich der Welt nicht stets alß Sonne zeigen,
So muß sich auch der Mond zum Untergange neigen.

Death to the cardinal

Der Tod.
Gieb gute Nacht der Welt, bestürtzter Cardinal!
Dein Ende ruffet dich zur ungezählten Zahl.
Ich weiß nicht, was du dort wirst für ein Theil erlangen,
Das weiß ich, Sohn. du hast viel Gutes hier empfangen.

The cardinal

Der Cardinal.
Rom schenckte mir den Hut, der Hut trug Ehr und Geld,
So baut ich sorgenfrey das Paradieß der Welt.
Inzwischen war mein Wunsch, auf Petri Stuhl zu rücken,
Und muß davor erblaßt das Haupt zur Erden bücken.

Death to the king

Der Tod.
Denck an den wahren Spruch, den Syrach abgefaßt:
Der heute König heist, liegt morgen gantz erblaßt
Alßdann so kan man dich nicht mehr großmächtig schreiben,
Weil deine Macht zu schwach, die Würmer zu vertreiben.

The king

Der König.
Steckt denn des Todes Faust auch Königen ihr Ziel?
So gleicht das Regiment dem Schach= und Königsspiel.
Mein Scepter strekte sich von Süden biß zum Norden,
Nun bin ich durch den Tod besetzt und schachmat worden.

Death to the bishop

Der Tod.
Du lehnest dich ümbsonst auff deinen Hirtenstab,
Zerbricht das schwache Rohr, so taumelstu ins Grab.
Alz den mag Menschenhand auff deinen Leichstein schreiben:
Ein Hirte kann nicht stets bey seiner Heerde bleiben.

The bishop

Der Bischoff.
Unsträfflich könt ich zwar, doch nicht unsterblich sein,
Drümb bricht der Tod mit Macht zu meinen Fenstern ein.
Nun wache, wer da will, ich rüste mich zum Schlaffe,
Und sage nichts, alß dis: Gehabt euch wohl, ihr Schaaffe.

Death to the abbot

Der Tod.
Hör, Abt! die Glocke schlägt, die dich zu Bette ruft,
Nun tanze fort mit mir zu der bestimten Gruft.
Inzwischen laß die Furcht der Einsamkeit verschwinden,
Dort wirst du ein Convent von tausend Brüdern finden.

The abbot

Der Abbt.
Zu steigen war mein Wunsch, biß daß ich Ehrensatt.
Ach aber, ach! wie bald kehrt sich mein Hoffnungsblatt!
Indem ich Nacht und Tag nach stoltzen Titeln schnappe,
Erhascht ein schneller Tod mich bey der schwartzen Kappe.

Death to the knight

Der Tod.
Wirff ab den schweren Rock, womit der Leib bedeckt,
Und den polierten Stahl, der in der Scheide steckt!
Kein Eisen schützet dich für meinen scharffen Pfeilen,
Du must mit mir zum Tantz in leichter Rüstung eilen.

The knight

Der Ritter.
Ihr Helden, schauet mich in diesen Waffen an!
So focht ich alß ein Löw, so stund ich alß ein Mann,
Biß daß mein Gegenpart gestrecket lag zur Erden,
Nun will der letzte Feind an mir zum Ritter werden.

Death to the Carthusian

Der Tod.
Fort, Bruder, folge mir zur allgemeinen Ruh,
Und schleuß die Augen so, wie dein Gebet=Buch zu.
Kanstu nun dort, alß hier, in weiß gekleidet stehen,
So wirstu an den Tod, alß wie zum Tantze, gehen

The Carthusian

Der Carthäuser Mönch.
Mein strenger Orden schreibt mir tausend Regeln für,
Jetzt greifft der Tod mich an und ruffet: Folge mir!
Wolan, ich bin bereit, mein Closter zu verlaßen.
Wenn ich die Regul nur der Sterbekunst kan faßen.

Death to the mayor

Der Tod.
Ihr Bürger, zürnet nicht, wen durch Versehungs=Schluß
Der Bürger=Meister selbst mit an den Reyhen muß.
Dem, der zu eurem Heyl so offt das Recht gesprochen,
Wird doch durch meine Faust zuletz der Stab gebrochen.

The mayor

Der Bürger-Meister.
Ich hab vors Vatterland mein Leben abgenützt,
Den Ruhstand dieser Stadt und Bürger=Recht beschützt,
Ich fürchte nicht den Todt, den wen ich hier erkalte,
So weiß ich, daß ich dort daß Bürger=Recht behalte.

Death to the canon

Der Tod.
Ihr habet an dem Dom doch nicht ein bleibend Hauß,
Und müst auff einen Winck mit Seel und Leib herauß.
So werdet ihr zwar hir, dort aber nicht vertrieben,
Wenn euch der Himmel bleibt alß Eigenthum verschrieben.

The canon

Der Thum Herr.
Den Jonam warff ein Fisch, doch lebend, an den Strand,
Mich wirfft des Todes Stoß in jenes Vaterland.
Ihr Menschen, bauet doch die Häuser nicht so feste,
Dort seid ihr erst daheim, hir aber frembde Gäste.

Death to the nobleman

Der Tod.
Was hilfft es deiner Faust, die manches Stück erjagt,
Wenn man dis wahre Wort nach deinem Hintritt sagt:
Dem Jäger ist es so, wie seinem Wild, ergangen,
Denn jenes ward durch ihn, er durch den Tod gefangen.

The nobleman

Der Edelmann.
Ich war auff nichts so sehr, als auff die Jagd verpicht,
Die Sonne fand mich zwar, doch in den Federn nicht,
Kein Wild entwischte mir in dick belaubten Püschen:
Jetzt kan ich leyder selbst dem Tode nicht entwischen.

Death to the physician

Der Tod.
Beschaue dich nur selbst, und nicht dein Krancken=Glaß,
Du bist dem Cörper nach so dauerhafft, alß das,
Ein Stoß zerbricht das Glaß, der Mensch zerfällt im Sterben,
Was findet man hernach von beyden? Nichts, alß Scherben.

The physician

Der Artzt.
Verläßt mich meine Kunst, alß dann gesteh ich frey,
Daß zwischen Glaß und Mensch kein Unterscheid nicht sey.
Ihr Brüder sucht ümbsonst in Gärten, Thälern, Gründen,
Umb für die letzte Noth ein Recipe zu finden.

Death to the usurer

Der Tod.
Ich fordre deinen Rest alß meinen Zinß von dir,
Zahl ab, und laß die Last des schweren Beutels hier,
Ein Geitzhals hat noch nie den Geldsack mitgenommen.
Warümb? Weil kein Cameel dürchs Nadel=Öhr kan kommen.

The usurer

Der Wucherer.
Wahr ist's, ich liebte nichts, alß Wucher und Gewinn,
Und mercke, daß ich arm beym Reichthum worden bin,
Mein Capital ist fort, die Zinsen sind zerstoben.
Ach! hätt' ich einen Schatz im Himmel auffgehoben!

Death to the curate

Der Tod.
Ihr Armen, seid getrost! Tantzt gleich der Man mit mir,
So bleibt sein Beutel doch zu eurem Vortheil hier.
Nun suchet, wo ihr könt, den Antheil von Praebenden.
Ich eile, seinen Leib den Würmern außzuspenden.

The curate

Der Capellan.
Ich diente dem Altar, und dieser diente mir,
Er gab mir Unterhalt, und ich war seine Zier,
Den Beutel trug ich zwar, doch nicht auff Judas Weise,
Drüm bin ich auch so leicht zur letzten Todesreise

Death to the civil servant

Der Tod.
Du zeigest nach Gebrauch ein saures Amptsgesicht
Jedoch was acht ich das? Ich bin kein Bauer nicht.
Muß dieser schon dein Ampt gantz tieffgebücket ehren,
So ruff ich: Amptmann, fort! du solt den Reihen mehren

The civil servant

Der Amptman.
Den Bauren schafft ich Recht, den Obern war ich treu,
So blieb mein Wandel rein und mein Gewißen frey.
Nun merck ich, daß der Tod die Tugend wenig schätzet,
Er ruffet: Fort mit dir! man hat dich abgesetzet.

Death to the parish clerk

Der Tod.
Der Schlüssel, den man dir zu Kirch und Altar gab,
Schleußt meinen Schluß nicht auff, bereite nur dein Grab,
Nichts hilfft das Uhrwerck dir, in meinem Zeit=Register
Da heist es: fort! du seyst der Kayser oder Küster.

The parish clerk

Der Küster.
Da mann am Gottes=Hauß zum Hüter mich erwehlt,
Hab ich die Zeit und Stund am Uhrwerck abgezehlt,
An diesem will mir nuhn der Todt den Abscheid weisen,
Drüm muß ich zu dem Dienst der ewigen Hütten reisen.

Death to the merchant

Der Tod.
Denck an den Banqverot, den Adam längst gemacht,
Der setzet dich in Schuld und hat mich hergebracht
Zahl auß und liefer mir den Antheil meiner Waare,
So viel ich faßen kan auff einer Leichenbaare.

The merchant

Der Kauffman.
Der letzte Mahner kömmpt mich trotzig angerennt.
Doch bin ich nicht falit, hier ist mein Testament:
Den Geist vermach ich Gott, das Gut den rechten Erben,
Dem Satan meine Schuld, den Leib dem Tod im Sterben.

Death to the hermit

Der Tod.
Was kerkerstu dich selbst in enge Cleusen ein?
Bistu ein Mensch, und magst doch nicht bey Menschen sein?
Laß, alter Wunder Kopff, den Schwarm der Grillen fliegen,
Du must, gestorben, doch bey deines Gleichen liegen.

The hermit

Der Cläusner.
Ich war ein Mensch und doch den Menschen nicht geneigt,
Weil manches Menschen Hertz des Teuffels Bildniß zeigt.
Nun komm, erwünschter Tod, du machest mir kein Grauen,
Viel lieber will ich dich, alß Menschen Unart, schauen.

Death to the peasant

Der Tod.
Her, Landsmann, an den Tantz, von Müh und Arbeit heiß!
So schwitzestu zuletzt den kalten Todes Schweiß,
Laß andre seyn bemüht mit Pflügen, Dreschen, Graben,
Dein saurer Lebens Tag soll Feyerabend haben.

The peasant

Der Bauer.
Ich trug mit Ungemach des Tages Last und Noth
Und aß, von Schweiß bedeckt, mein schwer verdientes Brodt,
Doch nun mein Führer mich zur Ruhe denckt zu bringen,
Sagt, kan ich nicht vergnügt das Consvmmatum singen?

Death to the young man

Der Tod.
Ihr Nymphen, die ihr hier den frischen Jüngling schaut,
Wünscht ihr durch ihn vielleicht zu heißen Jungfer Braut?
Ümbsonst! die Rechnung wird euch mit einander trigen,
Ich werd ihn in der That, ihr in Gedancken kriegen.

The young man

Der Junggesell.
So soll ich an den Tantz? wer hätte das gedacht?
Ich, der ich manches Schloß, doch in der Lufft, gemacht?
Nun wird mein Hoffnungsbau frühzeitig eingerißen,
Ich wolte bald die Braut, und muß die Mutter küßen.

Death to the young woman

Der Tod.
Ich halte, wie die Welt, von Complimenten, nicht;
Muß heist mein hartes Wort, das Stahl und Eisen bricht
Und warümb wollt ihr mir den letzten Gang versagen?
Die Jungfern pflegen sonst kein Täntzgen abzuschlagen.

The young woman

Die Jungfrau.
Ich folge, weil ich muß, und tantze, wie ich kan.
Ihr Schwestern, wehlet euch bey Zeiten einen Man,
So reichet ihr die Faust dem Bräutigam im Leben,
Die ich dem Tode muß, doch halb gezwungen, geben.

Death to the child

Der Tod.
Nim, zarter Säugling, an den frühen Sensen Schlag,
Und schlaff hernach vergnügt biß an den jüngsten Tag.
Wohl dem, der zeitig fällt in meine dürren Hände!
So krönt den Anfang schon ein hochbeglücktes Ende.

The child

Anno
1701
im May.

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Milde
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