Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck

This is page eleven of Wilhelm Mantels' book, Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck, from 1866. The book is in landscape format with three columns per page, but here the three columns are presented below each other.

The last pages in Mantels' book are dedicated to the text from Dodendantz from 1520. This book was largely unknown in Germany because the only existing copy had been sold to the Bodleian Library in Oxford in 1849. Mantels has the text from Lübke, who had published a book about Berlin's dance of death five years earlier in 1861, while Lübke in turn had used a transcription made by privy councilor Johann Daniel Ferdinand Sotzmann.

Some small errors that Mantels has inherited from Lübke: The cardinal: "Werd ich" (should have been in one word, "Werdich"), Death to the bishop: "ghehödet" (should have been "ghevödet"), the empress' first word: "Och" (should have been "Ich", even though it doesn't make sense), and king: "an dage" (should have been "in dage").


11 A

Dem wy nenerleyewys konen entwyken,
Olde, junge, ja de arme myt den ryken.2)
De hilghe schrift ropt myt allem flyd,
Dat hir jo is eyne korte tyd,
Ok hebbe wy des grote vorfarenheyt,
Wo yd alle dage fuste3) gheyt.
Hir umme latet juw dyt vor ogen staen,
Wente in korter tyd möthe gy dar an,
De doet sendet juw nenen breff,
He kumpt slyken recht so eyn deff.4)

      De doet.
In dessen dantz essche ick juw alle,5)
Wo vele juwer ock is in deme talle,
Komet an, gy möthen doch mede,
Altes nicht helpen juw de wedderrede.
Nicht spare ick wer adel efte jöget,
Neen gelth, stath, wyszheyt efte döget.
Weset altomale by tyden bereyt,
Komet alle heer in mynen kreyt.
Ick wyl juw up de erden strecken
Unde ernstlick eynen foeth lenger recken,
He sy olth, junck, arm efte ryke,6)
Ick neme se mede al ghelyke.
Des mynschen levent is in der jöget
Vorfullet myt sunden unde veler undöget,
Sus spare ick ok nicht jöget,7) wo yd gha,
Unde, dantze sus vore8) Folget alle na.

    De Doet sprickt vort an
    alsus to deme pawese.

      De doet.
Her pawes, dy mene ick, wes hastigen rede,
Du holdest up erden de hoghesten stede,
Eyn vicari Cristi, de hogheste prelate,
Dantze du voran nach dyneme state.
Hefstu dit hilge ampt wol vorstaen,
So magstu nu frolik vor den Heren gaen.

    De pawes.
God vorbarme dy over my, miserere mei,
Maria helpe my und ok de gracia Dei.
Al byn ick to grotem stathe uth vorkaren,9)
So byn ick doch ghewest vele vorwaren10)


2) 1463 Vorrede. Vgl. Anm. 6.
3) Lübke: suste. - Fuste (Massmann), oft, immerfort. Vgl. Anm. 61.
4) 1463 Str. 24. 25. Vgl. Anm. 69.
5) 1463 Vorrede.
6) Anm. 2.
7) 1463 Str. 4. 25. Berl. Todt.: Bauer.
8) Lübke: vare.
9) Anm. 14.
10) So bin ich doch darauf aus gewesen, zu betrachten u. s. w. (So auch 1496.)


11 B

Der kristen wolfart betrachten myt flyth.
Here, wes des andechtig,11) yd is nu recht tyd.

    De dot tome cardinal.
Her cardinal, tret her an mynen dantz,12)
Ick mene dy ernstlyk, heel unde gantz.
Dyn apostelyke staet unde werdicheyt
Wert nu gantz unde heel nedder gheleyt,
Jo hogher stath di God heft ghegeven,
Jo grotter rekenschop: dyt merke even.

    De cardinal.
Deus meus, God, wes myner jo nu dechtig.13)
Al byn ick in stathe hoch unde mechtich
Gheholden, de stede der hilgen apostel,
Werd ich geachtet ja ach so kostel,
De doet wyl my dyt gantz vorderven.
God gnade my, wente nu moth ick sterven.

    De dot tome bisschop.
Her bisschop, du werst nu geföget to der erde.
Eyn bisschop is eyn gheystlik herde.
Hefstu de schape Cristi gheholden in acht,
Nicht vorstroyet, men ghehödet unde wacht,
Dar suss alle prelaten synt to vorplicht:
Bystu so, dantze vort, fruchte nicht.

    De bisschop.
Pax Domini unde syne grote barmherticheyt
Mothe my jo nu syn bereyt.
Wo eyn recht bisschop schal leven,
Dat heft Paulus tho Thimotheo schreven.
Dat bedencke ick nu in myneme lesten.
O Got, ghetruwe her, der föge ydt tome besten.

    De doet to dem keyser.
Her keyser, du werest tho einem heren
Utherkoren,14) de cristenheyt to regeren
Myt dem swerde der rechtferdicheyt,
De hilge kerke to holden in eyndrechticheyt,
De vyende der cristen myt flythe to haten:
Isset so gescheen, dat mach dy nu baten.

    De keyser.
Alle myn staet unde werdicheyt
Wert nu tho hantes nedder gheleyt.
Dat maket de alder gresslikeste doet,15)
Syn both is starck, syne macht is groth.
Wo hog ik sy, ick kant nicht keren.
Gnade my, God, eyn here aller heren.


11) Gedenke daran. Anm. 13.
12) 1463 Str. 3.
13) Anm. 11.
14) Anm. 9.
15) 1463 Str. 10.: unvormodeste: Berl T.: gruwelike. Vgl. Anm. 27. 48. 59. 74.


11 C

    De dot tor keyserynnen.
Ja, keyserynne, dat is dat olde leet,
Se spreken alle: Ick byn noch nicht bereyt,
Beyde16) yo noch eyne lange tyd.
Neyn, de forstinnen unde frouwen, de nu syd,
Dantzen gerne vele nyer trede.17)
Holth an, dantze vort up eyn ander stede.18)

    De keyserynne.
Och, wo rechte wunderlyk is my to synne.
Al byn ick eyne ryke eddele keyserynne,
Nicht en kan ik höger in stathe rysen,19)
Ok kan syk neyne groter forstynne bewysen
In alle desser heelen cristenheyt,
To sterven bin ik noch nenerleyewysz bereyt.

    De doet tome konninck.
Her konninck, hochgheboren, eddel und ryk,
Dantze myt, du werst nu myn ghelyk.
Dyt behoret dyneme stathe, merke my,
Rechtferdich to wesen, barmhertich dar by:
Isset so van dy unde den dynen ghescheen,
So wert dy God gnedichlyken anseen.

    De konnynck.
De doet kumpt to my sunder frage.
Ach, mochte ick yd setten myt öm an dage,20)
Hundert yar unde meer scholde yd staen,
Eer he my eyn yaword scholde aff gaen.
Al mynes rykes raet, rydders unde manss
Neen gheyt vor21) my in dessen dantz.

    De doet tome hertogen.
Hochgheboren hertoge van eddelem slechte
Sus hebben di heten dine ridders unde knechte
Men ik wil dy anders to spreken:
Holth an, ik wil dyn herte tobreken.
De denne is rede, heft God ghesecht,
Wan he ön esschet, selich is de knecht.

    De hertoch.
Dyt hadde ik ernstlich vaken22) ghewroken,
De my susz hadde toghesproken.


16) Warte. Lübke: Geyde.
17) Wenn die Stelle so richtig, sagt der Tod: Im Gegentheil, da die jetzigen Fürstinnen gern neue Tritte tanzen, u. s. w. Der Berliner Text ist hier lückenhaft, liesse sich aber vielleicht so ergänzen, was zum Obigen passen würde: Gy muthen tho des dodes danze (yo) mede, Synt gy gerne draghen al dy nyen wede (Tanzkleider). Gevet ende unde duth my her de hant, Gy muthen snel met my yn (ein) ander la(nt).
18) Anm. 26. 29 31.
19) steigen, engl. to rise. Vgl. 1463 Str. 17.
20) Tagsatzung. Anm. 25.
21) für, anstatt.
22) oft, sonst wohl.

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