Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck

The empress. Two broad lengths for the image and a narrow length for the text.
The painting is made up from three vertical lengths

This is page five of Wilhelm Mantels' book, Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck, from 1866. The book is in landscape format with three columns per page, but here the three columns are presented below each other.

Mantels goes through the old church ledgers to see when the painting has been renovated. It turns out that in 1701 the church had purchased 122 6/4 yards of canvas. The painting was ca. 91 feet, and since it was made up from three vertical lengths (picture to the left) if follows that enough canvas had been purchased to replace the entire painting. Thus Mantels was able to show that the painting hadn't just been renovated and equipped with a new text, but that it had been replaced by a copy.

Anton Wortmann received 322 Mark for producing this copy, half of which he paid himself.

These three figures were added when the painting was replaced in 1701.
Milde, three figures

After yet another renovation in 1783, Ludewig Suhl published the first reproduction of the painting along with the old Low German text.

In 1799, the duke disappeared because the door to Mengstrasse was widened.

In 1852 the painting was renovated for the last time by Mantels' good friend, Carl Julius Milde, who proceeded to make a copy, which is reproduced at the back of this book.

Mantels argues that the new painting must be a close copy of the old. He points out that Death is portrayed as a skinny mummy instead of a skeleton and that the costumes are very old-fashioned. As a comparison one can inspect the "botch", which Wortmann had added by himself in 1701 (picture to the right).


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herum" in der kleinen Orgelkapelle angegeben und übrigens mit den obigen, aus Hövelen abgeschriebenen Worten geschildert.

Der nächste Beschreiber ist Jacob von Melle, seit 1684 Prediger an Marien. Dieser gedenkt der erwähnten "Reparationen", und sagt über die in seine Zeit fallende vom J. 1701, ohne sie merklich von den früheren zu unterscheiden, "die Bilder sehen jetzo annoch eben so aus, wie sie vordem gestalt gewesen", oder, wie es in der gedruckten Nachricht, 1713, lautet: "man habe zwar die vorigen sonderbahren Trachten der Bilder beybehalten", aber die darunter stehenden Verse durch hochdeutsche ersetzt.

Der Zusammenhang dieser Nachrichten bestätigt also, dass das Gemälde in seinem Lokal, so wie in der ganzen Vertheilung über dasselbe, vom 16. bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts keine Aenderung erlitten hat. Nach von Melle könnte es sogar scheinen, als sei auch die Restauration von 1701 eine blosse Auffrischung des alten Bildes gewesen, und nur die niedersächsischen Verse damals mit den gegenwärtigen hochdeutschen vertauscht worden.

Das jetzige Bild ist jedoch auf Leinwand gemalt, das alte könnte man sich selbstverständlich nur als ein Tafelgemälde denken, auch ohne die Notiz von 1588, aus welcher die damalige Beschaffenheit eines Holzbildes bereits nachgewiesen ward. Ueberdies liefern die Kirchenbücher den Beweis, dass die Uebertragung von Holz auf Leinwand, also die völlige Erneuerung des Todtentanzes, 1701 Statt fand.

In dem Wochenbuche dieses Jahres, in der 3. Woche nach Ostern, steht: Sonnabend hat Herr Jacob Hübens, unser Mitvorsteher der Kirchen wegen, zu dem neuen Todten Tantz in der Kinder Capelle, welchen der Maler zu verfertigen unter Händen hat, gekauft 122 6/4 Ell. Rohleinen à 4 1/4 Schilling — 32 Mark 6 Schilling

Leinträger Trinkgeld 4 Schilling, zu messen 2 Schilling . . . . . . — 6 Schilling.

Die Länge des Todtentanzes beträgt jetzt ungefähr 91 Fuss, dazu gerechnet das 1799 ausgefallene Stück des Bildes quer vor der Ausgangsthür (wovon nachher), macht höchstens 100 Fuss. Die Höhe ist 6 Fuss 8 Zoll. Es reicht also die Zahl der eingekauften Ellen völlig aus für das Ganze. Die Leinwand läuft in zwei 3 Fuss breiten Streifen und einem schmäleren, der grösstentheils die Unterschrift enthält, ringsum. Eine nur oberflächliche Anschauung bestätigt, dass sie nicht älter ist, als 1701.

Zwei Jahre darauf findet sich des Malers Bezahlung, 1703, 9. Woche nach Neujahr:

Anthoni Wortmann, des Malers, Rechnung beleufft sich 322 Mark 14 Schilling, selbe ihm gezahlt mit . . . . . 161 Mark — Schilling14)


14) Vgl. d. J. 1588, ob. S. 4. — Ueberhaupt wird nach den Wochenbüchern von den Rechnungen der Handwerker regelmässig bedungen und abgezogen.


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Dieser neue Todtentanz, von dessen Lobe nunmehr alle auswärtigen Touristen voll sind, ward 1753 nach dem Baumeisterbuche abgewaschen, gereinigt und gesäubert. 1783 aber war eine Ausbesserung wieder nöthig, hauptsächlich wegen der zu grossen Zugänglichkeit der Kapelle. Dieselbe diente, wie vorhin erwähnt, als Durchgang, war also unverschlossen und stand meistens offen. Dem letztem Umstande zu begegnen, beschliessen die Vorsteher 1724, laut ihrem Protokoll, dass vor der sog. Plauder-Kapelle, gleich wie vor den andern Kirchthüren, eine doppelte Thür angebaut werde, um vor dem Zugwind besser geschützt zu sein. 1783 jedoch beschränkte man überhaupt den Zugang. Denn das Vorsteher-Protokoll besagt: Es ist zu bedauern, dass in unserer Kirche der in vielen Gegenden so berühmte und genandte Todten-Tantz von losen Buben so behandelt worden, das er eine Ausbesserung und nachgesehen zu werden verdiene. Die Herren Vorsteher haben also beschlossen, dass der Mahler (Meister Petersen) diese Capelle ausbessern, wan es nötig, vorsichtig abwaschen und die Gemälde mit das weisse von Ey überziehen solle; wan aber alles in guten Stande gesetzet wäre, die Thüren, welche dazu gehören, von den Küster geschlossen gehalten und nur am Sonnabend und Sontag geöfnet werden solten.15)

Gleichzeitig mit dieser Restauration von 1783 gab der Subrector Ludw. Suhl, bald darauf zum Prediger an Petri erwählt, die erste Abbildung des Todtentanzes heraus, welcher die Reste des niedersächsischen Textes beigefügt wurden.

Dem neuen Jahrhundert war eine letzte Veränderung, und zugleich Verstümmelung des Todtentanzes vorbehalten. Die erwähnte nördliche Eingangsthür in die Kapelle von der Mengstrasse her muss sehr niedrig gewesen sein, denn sie führte unter dem Todtentanz durch. Als nun diese und die an derselben Seite nach der Alfstrasse hin belegene Thür 1799 vergrössert wurden, hat man nicht nur die heutigen für den gothischen Stil durchaus missverstandenen höheren Thüren an die Stellen der alten gesetzt, sondern auch dem erweiterten Eingange zu Liebe das Stück aus der Leinwand des Todtentanzes herausgeschnitten, auf dem sich der Herzog und der Tod befand, welcher jenen vom folgenden Abt schied. Da die Thür breiter ist, als der von diesen zwei Figuren eingenommene Platz, so ist die Leinwand in die einspringenden Thürecken und wahrscheinlich auch nach dem Anfang hin weiter um den ersten Pfosten gezogen, natürlich nicht zum Vortheil der Anschaulichkeit des Ganzen. Wohin das ausgeschnittene Stück gekommen sei, habe ich nirgends in Erfahrung bringen können: dass es gesondert bewahrt werde, wie in allen Beschreibungen gesagt wird, erweist sich, mindestens für die letzten Jahrzehnte, als unrichtig. Wir kennen die Figur des Herzogs nur aus der Suhl'schen Abbildung, welche Hauttmann bei seinem


15) (Funk.) Merkwürdigkeiten der Marienkirche, führt einen Melchior Thun an, der den Todtentanz restaurirt haben soll. Mir ist ein solcher nicht vorgekommen, überhaupt nicht bekannt, woher dieser Name genommen worden.


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1830 herausgegebenen Steindruck des Todtentanzes für das fehlende Stück benutzt haben wird. Zu einer getreueren Wiedergabe des Originals, wie sie die gegenwärtige Darstellung beabsichtigte, reichten jene Abbilder nicht hin. Der Herzog und der zu ihm gehörige Tod sind daher hier fortgelassen.

Bei dieser Verkürzung des Todtentanzes wird eine abermalige Reinigung vorgenommen sein, auch gedenkt einer solchen Cantor Schnobel in seinem Handexemplar der von Melle'schen Gründlichen Nachricht.

1852 ist der Todtentanz vom Maler Milde gründlich gereinigt und gefirnisst worden.

Das jetzt noch vorhandene Gemälde ist also eine 1701 angefertigte Copie des früheren ursprünglichen. Wir müssen bedauern, dass man damals nicht allen Ernstes darauf bedacht gewesen ist, das alte Holzbild zu erhalten. Denn es leidet keinen Zweifel, dass mit der heute in solchen Restaurationen üblichen Sorgfalt und Geschicklichkeit dies völlig gelungen wäre. Mag immerhin das Bild in einem verfallenen und verderbten Zustande gewesen sein, so ganz unkenntlich war es nicht; sonst hätte der copirende Malermeister es nicht so genau nachahmen können. In diesem getreuen Abbilde besitzen wir denn einen Ersatz für den sonst unwiederbringlichen Verlust, und sind dem schlichten Handwerker Anton Wortmann in der That zum Dank verpflichtet. Auch die hanseatische Sparsamkeit der Herren Kirchenvorsteher hat hat dieses Mal erspriesslich bewiesen, denn ein Künstler damaliger Zeit würde das altfränkische Bild gerade so umgemodelt haben, wie es der Versifex mit den Unterschriften gethan. Dass aber nichts geändert ward, dass diese absichtlich ungelenken, in sich geistreichen Stellungen des Todes, der nach der altern Darstellungsweise noch mit muskulösem Oberkörper, nicht als völliges Gerippe, sich zeigt, dass die ganze Gruppirung der Tanzenden, Landschaft, Tracht, kurz Alles Copie ist, wird sich dem unbefangenen Beobachter von selbst aufdrängen. Wer daran zweifeln wollte, für den hat der Maler sein eigenes Machwerk, die drei kleinen Figuren zur Seite des Wucherers im Costüm seiner Zeit, wie zur Vergleichung, daneben gestellt.

Durch den engen Anschluss der Copie an das Original sind wir aber auch in den Stand gesetzt, auf das Alter des Letzteren zurückzuschliessen und, was vorhin für seine Anfertigung bald nach 1463 gesagt ist, aus Haltung und Costüm des Bildes gerechtfertigt zu finden. Namentlich das Costüm weist entschieden auf das 15. Jahrhundert als Entstehungszeit. Das lässt sich weniger mit der Tracht des Papstes, Kaisers, Cardinals u. A. beweisen, denn die höhern geistlichen Personen haben ihr herkömmliches Costüm, den weltlichen Fürsten bleibt auch noch im 16. Jahrhundert für derartige Darstellungen eine stehende, fest überlieferte Tracht, so dem Kaiser der Typus Karls des Grossen. Auch der Anzug der niedern Stände, z. B. des Bauern, gewährt kein ausreichendes Zeugniss, weil deren Tracht oft willkürlich ausgewählt ist, und von ihnen frühere Moden der vornehmen Stände in mancher Gegend lange Zeit beibehalten wurden. Aber schon von dem Herzog, wie

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