Death from Erfurt, The text

Kruspe: The painter
Kruspe, Painter

Here is the text that Julius Schröer published in 1902. Schröer presumably had the text from Ludwig Schellenberg's book: "Denksprüche und Beschreibung der Gemäldegallerie des sogenannten Todtentanzes im evangelischen Waisenhause zu Erfurt".

I have fixed a few upside-down u's and other obvious typos: "Sn" → "So", "ieh" → "ich", "einc" → "eine", "doeh" → "doch", "dureh" → "durch" and "Daes" → "Dass".

The text is brought in the order established by Schröer, and which this section otherwise uses.

Death to all humans
Death to all humans

Death to all humans

    Der Tod zu den Menschen:
Herbei, ihr Sterblichen! schaut dies Gerippe an!
Bedenkt, wie bald ich euch zum Tanze rufen kann.
Ihr müsset Alle fort, Niemand ist ausgenommen,
Wenn meine Pfeife schallt, muss Fürst und Bauer kommen !

The thoughtful man

    Der bedächtige Mensch:
Was ist doch wohl der Mensch in dieser Eitelkeit!
Wie bald ist er erblasst, wie kurz ist seine Zeit!
Der ist nur weise, klug und auch beglückt zu nennen,
Wer dieses Todtenbild bei Zeiten lernet kennen.

Death to the actress
Death to the actress

Death to the actress

    Der Tod zur Commödiantin :
Ganz artig hast du oft die Sterbende gespielet,
Allein, was Sterben heisst, dabei niemals gefühlet.
Komm, spiel die Rolle wohl, du musst nun wirklich lernen
Vom Schauplatz dieser Zeit, dich sterbend zu entfernen.

The actress

    Die Commödiantin:
Hat meine Action nicht manches Herz bewegt?
Hat nicht mein Sterbespiel viel Wehmuth sonst erregt?
Jedoch das Spiel ist aus! den Schauplatz zu entzieren,
Will mich der harte Tod nunmehr zum Tanze führen.

Death to the dancer
Death to the dancer

Death to the dancer

    Der Tod zur Tänzerin:
Ala façon! hast du schon manchen Tanz gethan,
Ja, deine Fertigkeit trifft man fast nirgends an,
Jedoch du wirst nunmehr mit deinen zarten Füssen
Den alten Todtentanz bestürzet lernen müssen.

The dancer

    Die Tänzerin:
Mein Tanzen, welches sonst den Grossen dieser Welt
Das Herz bezaubern kann, den Blick gefangen hält,
Gefällt dem Tode nicht, ich muss mich nun bequemen
Aufs Neue Leaçons von diesem anzunehmen.

Death to the singer
Death to the singer

Death to the singer

    Der Tod zur Sängerin:
Dein reizender Gesang, dein wohlgesetztes Lied,
So jedes Ohr ergötzt, ja selbst die Herzen zieht,
Hat bei mir keine Kraft, denn ich bin taub; behende!
Stimm ein Lamento an, dir ist das Lied vom Ende.

The singer

    Die Sängerin:
Mein Stimmchen, welches selbst die Nachtigall besieget
Und durch die Melodie ein traurig Herz vergnüget,
Soll nun pausiren wohl? Ich werde wieder singen,
Und einst mit jenem Chor ein Halleluja bringen.

Death to the Gypsy woman
Death to the Gypsy woman

Death to the Gypsy woman

    Der Tod zur Zigeunerin:
Komm mit, Egypterin, dein Lebensschluss ist da,
Du weisst ja selber nicht, dass dir der Tod so nah,
Und willst doch andern viel von Glück und Leben sagen.
Komm, schau in meine Hand, mir pflegt nichts fehlzuschlagen.

The Gypsy woman

    Die Zigeunerin:
Viel Tausenden hab ich schon etwas prophezeit,
Allein nur bei mir fehlt die Geschicklichkeit.
Crystall und Kunst betrügt, sie lassen mich jetzt stecken,
Ich muss, eh ich's gedacht, mich in die Erde strecken.

Death to the cook
Death to the cook

Death to the cook

    Der Tod zum Koch:
Genug, mein Bruder Koch, die schöne Kunst ist aus.
Nun mein Gesell, der Wurm, beschickt den Tisch zum Schmaus
Und nichts dann übrig bleibt vom Feste heim zu tragen,
Wo dies Banket beginnt und solche Gäste nagen.

The cook

    Der Koch:
Schaut auf den Braten hin, seht die Pasteten an
Und was zum Appetit ich Niedlich's machen kann,
Dies Alles hilft mir nichts, ich muss nunmehr das Essen
Und alle meine Kunst beim Todtentanz vergessen.

Death to the astronomer
Death to the astronomer

Death to the astronomer

    Der Tod zum Astronomen:
Hör' Freund, komm her mit mir zu jener langen Nacht,
Der Sternen Stand und Lauf hast du genug betracht't,
Beschau' ohn' Glas jetzt diesen engen Kasten,
Gieb deine Grillen auf, hier sollst du künftig rasten.

The astronomer

    Der Astronom:
Verrückt der Tod so dreist mein weitgestecktes Ziel!
Wie trügt mich meine Kunst? Komm ich schon mit ins Spiel?
Recht klug ist, der nicht blos nach Sternen pflegt zu sehen,
Vielmehr sich auch bemüht im Licht einher zu gehen.

Death to the typefounder
Death to the typefounder

Death to the typefounder

    Der Tod zum Schriftgiesser:
So manche schöne Schrift hat deine Hand gegossen,
Antiqua, Cicero, Corpus, Cursiv, Fraktur,
Dein Leben ist dabei wie das Metall zerflossen,
Ich zeige dir für jetzt die ausgelauf'ne Uhr,
Komm, folge mir, dein Leib muss nunmehr in der Erden,
Die Aller Mutter ist, Petit-Cursiv selbst werden.

The typefounder

    Der Schriftgiesser:
Der Tod scheut keine Kunst, in meiner Jahre Mitte,
Löscht er auch mir bereits die Lebensflamme aus!
Der schwache Körper zwar zu meines Geistes Hütte
Zerfällt in dunkler Gruft nunmehr in Staub und Graus;
Jedoch mein Geist besteht, weil schon mit güldnen Lettern
Im Lebensbuche steht mein Nam auf ew'gen Blättern.

The quack
The quack

The quack

    Der Storcher:
Hier seht ihr meine Herren des Kaisers eigne Hand,
Hier schaut die Panacée, die Keinem noch bekannt,
Hier ist mein Elixir, wovon die Lahmen sehen,
Die treffliche Essenz, dass Blinde wieder gehen!

Death to the quack

    Der Tod zum Storcher:
Und ich Hanswurst, der Tod, setz Zähne aus und ein,
Schneid Brüche, stech den Staar, und heile Hals und Bein
In einem Augenblick und sonder alles Trügen.
Mein Herr! Ihr werdet euch in mein Quartier verfügen.

Death to the judge
Death to the judge

Death to the judge

    Der Tod zum Richter:
Du hast in deinem Amt manch Urtheil ausgestellet,
Und nun wird über dich ein solches auch gefället.
Ich lade dich jetzt ein zur Publikation.
Und das ist's Resultat: Du musst noch heut davon.

The judge

    Der Richter:
Ich spreche zwar das Recht, doch bind' ich mich nicht d'ran,
Jetzt schaue ich vielmehr die Huld des Heilands an.
Willst du, gestrenger Tod, mich auf den Richtplatz führen,
So muss ich von dem Recht zur Gnade appelliren.

Death to the printer
Death to the printer

Death to the printer

    Der Tod zum Buchdrucker:
Du hast gesetzt, gedruckt, manch' rührend Todtenlied,
Jedoch, wie stehts um dich? hast du dich auch bemüht
Auf eine kluge Art dich in den Stand zu setzen,
Dass mein geschwinder Ruf zum Tanz dich kann ergötzen?

The printer

    Der Buchdrucker:
Ich habe oft gesetzt: "Man muss einst aus der Welt",
Drum hab' ich klüglich auch fein bald mein Haus bestellt.
Ich setze flugs zuletzt: "Wer glaubt, der kann nicht sterben,
Der Tod bringt ihn dahin, wo er soll Alles erben."

Death to the cooper
Death to the cooper

Death to the cooper

    Der Tod zum Böttcher:
Wie sieht's mein Böttcher nun mit deiner Arbeit aus?
Leg' deine Fässer hin, du musst ins Todtenhaus.
Mit Triebeln hast du sonst die Reife angeschlagen,
Weil du zum Tode reif, wirst du zur Gruft getragen.

The cooper

    Der Böttcher:
Die Fässer frisst der Wurm, mich aber frisst die Zeit,
Und Alle müssen fort aus dieser Sterblichkeit!
Im Binden liess ich mich hier unermüdet finden,
Nunmehr will ich mich im Tod mit Gott verbinden.

Death to the miller
Death to the miller

Death to the miller

    Der Tod zum Müller:
Das Kammrad hast du so ziemlich recht gemacht;
Allein beim Mahlen oft dich gar zu gut bedacht.
Komm mit mir in mein Reich, vergiss nunmehr das Metzen,
Ich will dich vom Geräusch hin in die Stille setzen.

The miller

    Der Müller:
Ich ging dem Werke nach recht emsig Tag und Nacht,
Doch bei dem Mahlen hab' ich oft an meinen Tod gedacht,
So hab' ich wissentlich den Mühlgast nicht betrogen,
Drum bleibt der Himmel mir beim Sterben auch gewogen.

Death to the potter
Death to the potter

Death to the potter

    Der Tod zum Töpfer:
Armsel'ger! Dieser Topf ist augenblicks entzwei,
Nun wisse, dass dein Leib demselben ähnlich sei.
Und dass der ganze Mensch besteh aus Thon und Erden,
Wozu du alsobald wirst wieder müssen werden.

The potter

    Der Töpfer:
Die Arbeit meines Thons ist zwar so kostbar nicht,
Doch wo des Frevlers Hand mir was darob zerbricht,
Wird meine schmutzige Faust ihm schon die Scherben zeigen.
O weh! hier stört mich der, vor dem mein Mund muss schweigen.

Death to the wax trader
Death to the wax trader

Death to the wax trader

    Der Tod zum Wachshändler:
Mei, schau! Du brauchst dies Wachs, nur hurtig eingekauft!
Ob kein Profitchen gleich dabei mit unterläuft,
Leg deine Strazze weg, lass Andern deine Sachen,
Du musst beim Todtentanz gleich mit Parade machen.

The wax trader

    Der Wachshändler:
Ich kaufte Wachs, so mir die Juden zugebracht,
Doch an mein Leichenlicht hatt' ich noch nicht gedacht.
Der ungetaufte Tod bringt jetzt zum Leid und Schmerzen
Mir auch zu bald das Wachs zu meinen Leichen-Kerzen.

Death to the wedding inviter
Death to the wedding inviter

Death to the wedding inviter

    Der Tod zum Hochzeitbitter:
Zur Trauung und zum Mahl hast du oft invitirt;
Allein noch niemals mich als Gast herbeigeführt
Zu einem Hochzeitsschmaus. Ich will dich nicht vergessen,
Komm alsobald mit mir zum Tanze, nicht zum Essen!

The wedding inviter

    Der Hochzeitbitter:
So oft ein schönes Paar den Ehebund gemacht
Hab' ich mit Höflichkeit die Gäste beigebracht.
Der blind' und taube Tod hält nichts von Komplimenten,
Er will mich ungescheut zum Todtentanze senden!

Death to the children
Death to the children

Death to the children

    Der Tod zum Kinde:
Nimm, zarter Säugling, an den frühen Sensenschlag
Und schlaf hernach vergnügt bis an den jüngsten Tag!
Wohl dem, der zeitig fällt in meine dürren Hände,
So krönt der Anfang schon ein hochbeglücktes Ende.

The children

    Das Kind:
Nicht wundre dich, o Mensch, dass auch der Erden Last
Ein kaum gebornes Kind in seinen Umkreis fasst.
Der augenlose Tod kennt weder Stand noch Jahre,
Es ist ein einz'ger Schritt von der Wiege zu der Bahre.

The grave digger
The grave digger

The grave digger

    Der Todtengräber:
Ich Todtengräber dieser Stadt,
Denk hier bei meinen tausend Leichen,
Ich füttere den Tod recht satt;
Vielleicht kann ich durchschleichen !

Death to the grave digger

    Der Tod zum Todtengräber:
Mein Freund, du irrst, sieh! was nur lebt,
Muss meine Beute sein.
Wer andern eine Grube gräbt,
Fällt endlich selbst hinein.

Death to the mountain man
Death to the mountain man

Death to the mountain man

    Der Tod zum Bergmann:
Auf, Bergmann! fahr mit mir in diesen dunklen Schacht,
Ich habe deinem Leib die Schicht hier zugedacht.
Lass Erz und Schiefer stehn, bereite dich zum Scheiden,
Damit dein Geist erlang' die Ausbeut' ew'ger Freuden !

The mountain man

    Der Bergmann:
Mit viel Gefahr und Müh grub ich nach Erz, so blinkt,
In manchen Klüften hat der Tod mir oft gewinkt,
Nun bringt er meinen Geist auf jene gold'ne Gassen,
Wie sollt' ich nicht um Gott das schnöde Gold verlassen!

Death to the mayor
Death to the mayor

Death to the mayor

    Der Tod zum Bürgermeister:
Ihr Bürger zürnet nicht, wenn durch des Höchsten Schluss
Der Bürgermeister selbst mit an den Reigen muss,
Der zum gemeinen Nutz so oft das Recht gesprochen,
Sieht über sich den Stab durch meine Faust gebrochen.

The mayor

    Der Bürgermeister:
Ich hab' vor's Vaterland mein Leben abgenützet,
Den Ruh'stand dieser Stadt und Bürgerrecht beschützet,
Ich fürchte nicht den Tod, denn wenn ich hier erkalte,
So weiss ich, dass ich dort das Bürgerrecht erhalte.

Death to the musician
Death to the musician

Death to the musician

    Der Tod zum Musikus:
Mein einzeln Flötchen macht den Tänzer schlechte Lust,
Weil dir nun manches Lied, manch Instrument bewusst,
Die Assemblee ist gross, es wird mir sonst zu sauer,
So komm, hier tanzt der Fürst und dort der arme Bauer.

The musician

    Der Musikus:
Ich fürchte nur, mir kömmt das Zittern in die Hand,
Doch weil mein Ton und Lied im Tempel auch bekannt,
So wünsch ich, wenn ich muss von diesem Rund der Erden
In jener Himmelsburg ein Kapellist zu werden.

Death to the queen
Death to the queen

Death to the queen

    Der Tod zur Königin
Reicht ungeweigert her der Hände zartes Paar
Und wandert fort mit mir zu jener grossen Schaar,
Doch spart die Thränenfluth des bittern Scheidens wegen,
Man wird euch den Gemahl bald an die Seite legen.

The queen

    Die Königin:
Ist Zeit und Stunde da, so geb ich mich darein
Und will auch sterbend dir, mein König, ähnlich sein,
Kannst du dem Reiche dich nicht stets als Sonne zeigen,
So muss sich auch der Mond zum Untergange neigen.

Death to the empress
Death to the empress

Death to the empress

    Der Tod zur Kaiserin:
Komm, schönste Kaiserin, vermehre auch mein Reich,
Bist du an Schönheit schon den Engeln selber gleich,
So wisse, dass ich mich noch nie verliebet habe,
Und dass die Schönheit auch vergehe in dem Grabe.

The empress

    Die Kaiserin:
Kann dich, des Menschen Feind, die Schönheit nicht bezwingen,
Erweicht den harten Schluss kein kläglich Händeringen,
So frag' ich nichts darnach, fällt Leibes Schönheit hin,
G'nug, dass ich an der Seel' am allerschönsten bin.

Death to the emperor
Death to the emperor

Death to the emperor

    Der Tod zum Kaiser:
Monarch! den Jedermann unüberwindlich nennt,
Vor dem sich alles beugt, der keinen Herren kennt,
Dir soll jetzt meine Macht mit leichter Mühe weisen,
Dass du nicht kannst mit Recht unüberwindlich heissen.

The emperor

    Der Kaiser:
O Tod, der Alles frisst, entseelt und niederschlägt,
Der die Grossmächtigsten mit einem Streich erlegt,
Ich trete doch den Kampf mit dir recht muthig an,
Dieweil ich über dich durch Christum siegen kann.

Death to the pope
Death to the pope

Death to the pope

    Der Tod zum Papste:
Komm, Vater Papst, mit mir, verlasse Stuhl und Welt,
Ich habe dir die Gruft zur Residenz gestellt,
Man hat dir bis hieher die Füsse küssen müssen,
Die Reihe trifft nun dich, du sollst die Erde küssen.

The pope

    Der Papst:
Was hör ich! trägt der Tod auch für mich keinen Scheu?
Ist nicht mein Vatikan für seinen Anlauf frei?
Ich muss! drum lass ich dich, o Gold von dreien Kronen,
Und gehe nun dahin, wo ich soll enger wohnen.

Death to the field watch
Death to the field watch

Death to the field watch

    Der Tod zum Flurschützen:
Ein ehrbar Hegemahl hat über Flur und Feld
Dich Hans ! zur Sicherheit zwar nach Gebühr bestellt;
Jedoch ihr Stab und Spruch kann wider mich nichts nützen:
Ich nehme dich mit fort, den allerbesten Schützen.

The field watch

    Der Flurschütze:
Ich hab in meinem Amt, was möglich ist, gethan,
Man traf in meiner Flur fast alles richtig an;
Allein für meine Müh sind dieses die Gebühren
Dass mich der blasse Tod nun will zum Tanze führen.

Death to the civil servant
Death to the civil servant

Death to the civil servant

    Der Tod zum Amtmann:
Du zeigest nach Gebrauch ein saures Amtsgesichte;
Allein was acht ich das, vor mir gilt kein Gerichte,
Muss Mancher sonst dein Amt mit tiefer Scheu verehren,
So ruf' ich, Amtmann fort! du musst den Reigen mehren!

The civil servant

    Der Amtmann:
Den Bauern schafft ich Recht, den Obern war ich treu,
So blieb mein Wandel rein, und mein Gewissen frei.
Nun merk' ich, dass der Tod die Tugend wenig schätzet,
Er rufet: fort mit dir! man hat dich abgesetzet.

Death to the old man
Death to the old man

Death to the old man

    Der Tod zum alten Manne
Komm, alter Vater, komm! es muss geschieden sein!
Auf! leg die Krücke weg, kriech in den Sarg hinein!
Die Kräfte haben ab, die Jahre zugenommen,
Du sollst durch mich nunmehr zu deiner Ruhe kommen.

The old man

    Der alte Mann:
Ich folge willig dir. Die Kräfte sind verzehret,
Des Alters Ungemach hat sich bisher vermehret,
Ich habe längst erlernt die Kunst mit Lust zu sterben,
Wohl mir, da ich nunmehr kann Salems Ruhe erben.

Death to the painter
Death to the painter

Death to the painter

    Der Tod zum Maler:
Ich habe dich noch nie, mein lieber Mann, bezahlet,
Dass du mich allzuschön und künstlich hast gemalet,
Jetzt halt ich einen Tanz, den musst du helfen zieren,
Das sind für deine Müh die Zahlung und Gebühren.

The painter

    Der Maler:
Sein eigen Conterfait trifft selten einer recht,
Ich malte auch daher den Tod verdorrt und schlecht,
Und habe nie bedacht, dass dies mein Bildniss wäre,
Als da ich dieser Welt den Rücken nun zukehre.

Death to the lawyer
Death to the lawyer

Death to the lawyer

    Der Tod zum Advokaten:
Mein Criminal-Prozess geht gar aus anderm Ton',
Mein Inquisit muss gleich auf einem Wink davon,
Sobald das Urtheil da. Das musst du noch studiren,
Indessen werd' ich dich den Gang zum Himmel führen.

The lawyer

    Der Advokat:
Legal, mein Freund, bevor man letzte Sprüche hält,
Wird ein Defensor mir, wie Rechtens, zugesellt.
Konnt' ich doch Manchen sonst von deiner Faust befreien.
Mir will man gleiches Recht nicht lassen angedeihen!

Death to the merchant
Death to the merchant

Death to the merchant

    Der Tod zum Kaufmann:
Viel Waaren hast du zwar von Ferne hergebracht,
Jedoch bei dem Einkauf nicht an meine Schuld gedacht,
Zahl' aus und liefre mir, den Antheil meiner Waare,
So viel ich fassen kann auf einer Leichenbahre.

The merchant

    Der Kaufmann:
Der Tod kommt vor dem Markt, den zahl ich seinen Rest,
Wohl! dass der Himmel mir den Wechsel ziehen lässt.
Nun bin ich reich genug, die Ruhe find' ich oben,
Wo ich längst meinen Schatz ganz sicher aufgehoben.

Death to the banker
Death to the banker

Death to the banker

    Der Tod zum Banquier:
Denk' an den Bankerot, den Adam längst gemacht,
Der setzet dich in Schuld, und hat mich hergebracht.
Ich fordre meinen Theil an der erworbnen Beute,
Nur meine Firma gilt, du wechselst sie noch heute.

The banker

    Der Banquier:
Der letzte Mahner kommt, mich trotzig angerennt,
Doch bin ich nicht fallit, hier ist mein Testament:
Den Geist vermach ich Gott, das Gut den rechten Erben,
Dem Grabe meine Schuld, den Leib dem Tod im Sterben.

Death to the colonel
Death to the colonel

Death to the colonel

    Der Tod zum Husaren-Obersten Menzel:
Vor deinem Siegerblick hielt kein Verwegner Stand,
Dein Säbel hat mir auch schon manchen zugesandt;
Jedoch da ich nunmehr bin auch zum Helden worden,
So ist's um dich geschehn, komm, mehr den Todten-Orden.

The colonel

    Der Husaren-Oberst:
Kein Pulver und kein Blei benimmt mir sonst den Muth,
Wo es am schärfsten geht, da wallet mir mein Blut.
Allein, da dieser kommt, der selbst die Helden strecket,
So fall ich, da sein Sch(l)uss mich hin zur Erde strecket.

Death to the soldier
Death to the soldier

Death to the soldier

        Der Tod zum Soldaten:
Marsch, Kammrad, auf zur Schlacht! die Ordnung ist gestellt,
Die Stücke stehn gepflanzt, frisch! schlag dich durch die Welt!
Erobre diese Gruft, bestürme Wall und Schanzen:
Wir müssen heute noch Viktoria schreien und tanzen.

The soldier

        Der Soldat:
Ist meine tapfre Faust vor deinem Grimm nicht frei?
Mein kühner Heldenmuth? mein Eisen und mein Blei?
Doch nein! der ich gewohnt zu kämpfen und zu siegen,
Muss jetzt von einem Hauch des Todes unterliegen.

Death to the general
Death to the general

Death to the general

    Der Tod zum General oder Ritter:
Wirf ab den Schild und Helm, womit der Leib bedeckt
Und den polirten Stahl, der in der Scheide steckt,
Kein Eisen schützet dich vor meinen scharfen Pfeilen;
Du musst mit mir zum Tanz in leichter Rüstung eilen.

The general

    Der General:
Ihr Helden schauet mich in dieser Rüstung an,
Ich focht als wie ein Löw', ich stand als wie ein Mann,
Bis meine Gegenpart gestrecket lag zur Erden,
Nun will der letzte Feind an mir zum Ritter werden.

Death to the innkeeper
Death to the innkeeper

Death to the innkeeper

    Der Tod zum Gastwirth:
Du bist hier selbst ein Gast und hast kein eigen Haus,
Du musst auf meinen Wink vielmehr sogleich heraus.
Wohl dir, wenn du zwar hier, doch dort nicht wirst vertrieben
Und dir der Himmel bleibt zum Eigenthum verschrieben !

The innkeeper

    Der Gastwirth:
Das Leben in der Welt ist nur ein Pilgrims-Stand,
In Salems güldner Stadt ist unser Vaterland,
Drum baut, ihr Sterblichen, die Häuser nicht so feste,
Dort seid ihr erst daheim, hier aber fremde Gäste.

Death to the apothecary
Death to the apothecary

Death to the apothecary

    Der Tod zum Apotheker:
Die Apotheke ist von Büchsen ziemlich voll
Und du zeigst ein Recept, das mich vertreiben soll.
Lass seh'n! was hat's vor Kraft? es ist gar bald zerrissen!
Verlass die Offizin, wirst mit mir wandern müssen.

The apothecary

    Der Apotheker:
Ich habe meine Kunst oft glücklich angebracht,
Und manches Mutterkind gar bald gesund gemacht;
Jedoch mein Beispiel lehrt, dass wegen unsrer Sünden
Kein Pulver und kein Kraut sei für den Tod zu finden.

Death to the physician
Death to the physician

Death to the physician

    Der Tod zum Arzte:
Beschaue dich nur selbst und nicht dein Kranken-Glas,
Du bist dem Körper nach so dauerhaft wie das,
Ein Stoss zerbricht das Glas, der Mensch zerfällt im Sterben,
Was findet man hernach von beiden? Nichts als Scherben.

The physician

    Der Arzt:
Verlässt mich meine Kunst, alsdann gesteh ich frei,
Dass auch des Menschen Kunst wie Glas zerbrechlich sei.
Ihr Brüder sucht umsonst in Gärten, Thälern, Gründen,
Um vor die letzte Noth ein Mittel aufzufinden!

Death to the count and countess
Death to the count and countess

Death to the count and countess

    Der Tod zum Grafen und Gräfin:
Ich habe, Graf, mit Euch, und Gräfin, nun zu thun!
Ihr möget, wie bisher, in zarten Armen ruh'n.
Nur eh ich Euch zur Lust und meinem Tanze lade,
Bestellet das Conzert und dann die Serenade!

The count and countess

    Der Graf und die Gräfin:
Gemach! man tanzt und springt, der Spass gehört für Euch!
Nein bei dergleichen Lust sind wir einander gleich,
Wir, die wir auf der Welt uns prächtig konnten paaren,
Sind beide invidirt zum Todten-Tanz zu fahren.

Death to the young woman
Death to the young woman

Death to the young woman

    Der Tod zur Jungfrau:
Du siehst recht reizend aus, drum ehe man dich traut,
So hol' ich unverliebt dich jetzt zu meiner Braut.
Ich habe einen Korb noch nie davon getragen,
Du kannst und wirst mir nicht den letzten Tanz versagen.

The young woman

    Die Jungfrau:
Ich lasse meinen Putz, weil ich's nicht ändern kann,
Und nehm' das Todtenkleid zur letzten Zierde an.
Ihr Schwestern reicht die Hand dem Bräutigam im Leben,
Die ich dem Tode muss, doch nur gezwungen, geben.

Death to the young man
Death to the young man

Death to the young man

    Der Tod zum Junggesellen:
Fort, Jüngling, folge mir zur allgemeinen Ruh',
O sträub' dich nicht so sehr, schliess nur die Augen zu,
Lass alle bange Furcht der Einsamkeit verschwinden,
Dort sollst du eine Schaar von deinesgleichen finden.

The young man

    Der Jüngling:
So soll ich auch schon fort! wer hätte das gedacht?
Ich, der so manches Schloss, doch in die Luft gemacht,
Nun wird mein Hoffnungsbau frühzeitig eingerissen:
Ich wollte bald die Braut und muss die Erde küssen.

Death to the priest
Death to the priest

Death to the priest

    Der Tod zum Pfarrer:
Bemüh' dich heute nicht in's Gotteshaus zu gehen,
Die Seele soll nunmehr vor ihrem Richter stehen,
Der Leib muss an den Tanz und augenblicks erkalten,
Du magst auch, was du willst, von solchen Freuden halten!

The priest

    Der Pfarrer:
Im Leben war ich fromm, im Lehren war ich rein
Und konnte so mit recht ein Seelenhirte sein.
Nun find' ich Weide dort im schönen Himmels-Segen,
Des Hirten Stab wird Gott in andre Hände legen.

Death to the canon
Death to the canon

Death to the canon

    Der Tod zum Domherrn:
Du hast bisher das Kanonikat geliebt
Und in Canonibus dich wacker eingeübt,
Die Horä sind nun aus, die Todesstunde schläget,
Da man dich aus dem Chor zum dunkeln Grabe träget.

The canon

    Der Domherr:
Mir ist vorher bekannt der allgemeine Schluss:
Der Bischof stirbt sowohl, als der Kanonikus,
Kann ich nun gleich nicht mehr im Chor die Horas singen,
So wünsch' ich doch im Chor des Himmels einzudringen.

Death to the cardinal
Death to the cardinal

Death to the cardinal

    Der Tod zum Cardinal:
Gieb gute Nacht der Welt, erhabner Cardinal,
Dein Ende rufet dich zur ungeweihten Zahl,
Wenn mancher arme Lay hinfort wird bei dir sitzen,
So wird dir weder Rang noch Hoheit etwas nützen.

The cardinal

    Der Cardinal:
Muss mein geheiligt Haupt, der Papst, die Strasse gehen,
Wie soll ich dessen mich zu weigern unterstehen?
Stand mir das Cabinet gekrönter Häupter offen:
So hab' ich auch im Tod ein Cabinet zu hoffen.

Death to the hunter
Death to the hunter

Death to the hunter

    Der Tod zum Jäger:
Du hast das schnelle Wild durch deinen Witz erjaget;
Was ist's? wenn nun mein Mund dir unerschrocken saget:
Dem Jäger ist es so, wie seinem Wild ergangen;
Denn jenes ward durch ihn, er durch den Tod gefangen.

The hunter

    Der Jäger:
Ich war auf Strick und Netz, auf Schuss und Blitz erpicht,
Ich scheute Sturm und Schnee, Gefahr und Klippen nicht,
Kein Wild entwischte mir in dickbelaubten Büschen;
Und kann doch leider selbst dem Tode nicht entwischen.

Death to the student
Death to the student

Death to the student

    Der Tod zum Studenten:
Schau, Bruder Studio, mich den Professor an,
Den weder "Pereat!" noch "Vivat!" rühren kann.
Fort, leg die Pfeife hin, setz die Bouteille nieder,
Wirf Karten, Knaster weg, und Doris Lobelieder,
Den Degen brauchst du nicht, lass auch die Stiefeln stehen,
Und Andere ohne dich anjetzt zu Dorfe gehen,
Von deiner Brüderschaft musst du dich nun entfernen,
Und gleich das harte Wort, das "Mori" von mir lernen.

The student

    Der Student:
Ich lebte "bursikos", und nach Studentenbrauch,
Bedachte nicht, dass auch mein Leben nur ein Rauch,
Ich lernte manche Kunst und viele Nebensachen,
Die mich nicht konnten fromm, viel minder selig machen.
Ihr Brüder, lebet wohl! ich muss von hinnen gehen,
Und bei dem Todtentanz mit an den Reigen stehen!
Lernt euch von Eitelkeit und Thorheit bald entfernen,
So kommt ihr hochgelehrt dereinst zur Burg der Sternen.

    Der Tod zum Waisenhaus-Vorsteher:
Mein Freund, du musst nun fort, und tanzen mit in's Grab!
Verlass das Waisenhaus und leg die Rechnung ab,
Wie du gepfleget hast der Armen auf der Erden,
Wird deiner wiederum fortan gepfleget werden.

The principal of the orphanage

    Der Waisenhaus-Vorsteher:
Nimm hier die Rechnung hin, soll's ja nicht anders sein,
So schreib' in's Lebensbuch mir nur die Quittung ein.
Ich bleibe keinen Rest, als den, am letzten Ende
Ein Jeder gläubig legt in Gottes Vaterhände.

Death to the elector
Death to the elector

Death to the elector

    Der Tod zum Kurfürsten:
Gieb, Inful, Stab und Stuhl, gieb Kurhut, Schwert und Amt,
Dem, der an Würden folgt, dem, der dir angestammt!
Das letzte Sonnenlicht hat heute dir geschienen,
Leg' deinen Purpur ab und deine Hermelinen.

The elector

    Der Kurfürst:
Weil ich in Fried regiert, soll auch der Geist mit Freuden
Nach jener Himmelsburg in Glaub und Frieden scheiden.
Ich fall und stehe noch, ich sterb und bin am Leben,
Weil für den Fürstenhut mir Gott will Kronen geben.

Death to the king
Death to the king

Death to the king

    Der Tod zum Könige:
Dein Thron, dein festes Schloss und deiner Herren Pracht,
Schützt, grosser König, dich jetzt nicht vor meiner Macht;
Dein Scepter splittert hier, ich achte keine Ahnen,
Geselle dich nur gleich zu meinen Unterthanen.

The king

    Der König:
Muss auch der König fort? ach ja, weil ich von Staub:
So wird mein Leib auch hier des strengen Todes Raub;
Jedoch mein Geist, der geht in prächtigem Geschmeide,
Zum Himmels-Könige in seines Herren Freude.

Adam and Eve
Adam and Eve

Adam and Eve

    Der Tod kein Tanz!
Des Todes Tyrannei beherrscht die ganze Welt,
Nachdem der schlaue Feind das erste Paar gefällt.
Es ist der alte Bund: von einem Tag zum andern
Sieht man die grosse Schaar durch's Thal des Todes wandern.
Das Sterben aber geht, wie kann es anders sein!
Den Meisten zentnerschwer und mehr als sauer ein.
Was kann Entsetzlichers und Grässlichers auf Erden
Wohl als der Sünden Sold, der Tod, gefunden werden!
Kommt, die ihr noch nicht wisst, was dieser Würger kann,
Und schaut der Sünde Tod doch etwas ernstlich an,
Betrachtet mit Bedacht die ängstlichen Geberden !
Schaut! wie das Antlitz bleich, die Augen dunkel werden!
Seht doch der Lippen Göscht, hört, wie die Kehle schluckt!
Schaut, wie der Sterbende mit Händ und Füssen zuckt!
Wie in der lichten Noth die welken Glieder zittern!
Eh' dieser Wütherich das Herze kann zersplittern,
Eh' der Tyrann noch den völl'gen Sieg erhält!
Sagt! wie euch dieser Tanz, ihr Sterblichen, gefällt!
Was steht ihr starr und stumm, was ringet ihr die Hände!
Ein unbekehrter Mensch nimmt nur ein traurig Ende.

Christ conquering Death
Christ conquering Death

Christ conquering Death

    Christus, Salvator mundi:
Blickt, Sterbliche, getrost den Lebensfürsten an!
Wie willig, wie vergnügt, wie selig stirbet man,
Wenn in der letzten Noth, in Jesu offne Wunden
Man gläubig einen Port und sichern Platz gefunden!
Seht dieser Sieger lebt! er nimmt die Bitterkeit
Von unserm Tode weg, er giebt Gelassenheit;
Er wirkt, dass unser Geist mit Lust, mit grossen Freuden,
Mit grösster Willigkeit sich sterbend lässt entkleiden.
Weil nun des Todes Pfeil nicht schadet, nicht erschreckt,
Weil unser Aschenrest einst Jesus Kraft erweckt.
Die edeln Seelen macht der Durchbruch durch den Kerker
Um so viel munterer, ach ja, um so viel stärker,
Denn ihnen ist der Tod ein seliger Gewinn,
Sie eilen im Triumph zum Berge Zions hin!
Es kann der Gläubigen beglückte Ruh nicht stören,
Dass in der Gruft der Leib muss in den Ursprung kehren.
Sie wissen, dass wenn einst ihr Fürst mit Pracht erscheinet,
Er den verwelkten Leib mit ihrem Geist vereinet
In höchst vollkommnen Glanz und Schönheit wieder sehen
Ein Frommer muss zum Tod, als wie zum Tanze gehen.

Death to the old woman
Death to the old woman

Death to the old woman

    Der Tod zur alten Frau:
Komm, altes Mütterlein, mit auf die Todtenfahrt,
Ich habe meinen Ruf an dich bis jetzt gespart,
Du darfst nun länger nicht auf meine Ankunft harren,
Dein altes, kaltes Blut soll augenblicks erstarren.

The old woman

    Die alte Frau:
Gottlob und Dank, dass auch der grauen Jahre Zahl
Nun zu dem Ende läuft. Da aus dem Jammerthal
Mich dieser Bote ruft. Ich kann mich freudig fassen
Und da ich längst bereit, mit Lust die Welt verlassen.

Death to the orphanage inspectors

    Der Tod zur Waisenhaus-Inspektion:
Auch ihr sorgt für dies Haus, wie männiglich bekannt:
Ja, eure Wachsamkeit, Fleiss, Liebe und Verstand,
Rühmt jeder Menschenfreund; doch dies kann nicht verhindern,
Dass ich der letzte Feind, euch auch als Adams Kindern,
Nicht sollte nahe sein! Vernehmt den festen Schluss,
Den bei der Conferenz ich euch vermelden muss:
Ihr müsset insgesammt mit mir von hinnen gehen;
Doch euer Nachruhm wird auf lange Zeit bestehen!

The orphanage inspectors

    Die Inspektoren:
Das Sterben gehet sonst den Menschen bitter ein,
Doch wollen wir dabei nicht widerspenstig sein,
Des Himmels Schluss muss mehr als unser Votum gelten,
Wer kann den mächtigen Befehl des Höchsten schelten?
Wir kommen durch den Tod zu jener Herrlichkeit,
Die dem, der Glauben hat, in Salem ist bereit't.
Man schreibe dieses nur auf unsere Todten-Bahren:
Wer wohl gelebet hat, der kann nicht übel fahren.

Death to the orphanage inspectors
Death to the orphanage inspectors

Death to the orphanage inspectors

    Der Tod zur Inspektion:
Schon lange folgtet ihr dem kalten Tode nach,
Zu heilen, wo ich schlug, zu stützen, wo ich brach,
Kaum schlich mein Zug dahin, mit Bahre, Kreuz und Träger,
Da traten tröstend ein die treuen Waisenpfleger;
Manch abgehärmtes Kind, was ich mir schon erkohr,
Ward wieder aufgenährt und blühte frisch empor.
Ich hab' euch gute Frist und schönen Raum gegeben;
Nun gilt's, ihr starken Herren! jetzt fordr' ich euer Leben!

The orphanage inspectors

    Die Inspektion:
Wer treu das Werk geführt, das Gott ihm anvertraut,
Dem nie vor deinem Frost, und nie vor Sterben graut,
Vielleicht tritt unserm Bild einst Mancher noch entgegen,
Und spricht die Namen aus mit Liebe, Dank und Segen;
       Vielleicht, man führt die Braut, bekränzt, vom Traualtar
       Und zeigt im Waisensaale, durch wen sie glücklich war.
Drum wird der Vater dort ein Räumchen für uns haben,
Und Andre sich ersehn, zu reichen gute Gaben!

Death to the orphanage inspectors
Death to the orphanage inspectors

Death to the orphanage inspectors

    Der Tod zur Inspection des Waisenhauses:
Ihr Herren! nehmt die Schrift von meiner dürren Hand,
Ich bin kein Menschenkind, doch hier nicht unbekannt,
Ich suche keinen Rock, verlang auch nichts zu essen,
Der Tod und seine Schaar muss Kost und Kleid vergessen.
Ihr habt mich recipirt, so oft man mich gemalet.
Ich hab' mich nie bedankt, viel weniger was bezahlet;
Lest meine Denkschrift jetzt: Ihr müsset einmal sterben,
Sorgt vor dies Waisenhaus, ihr sollt den Himmel erben.

The orphanage inspectors

    Die Inspectoren:
Uns hat dein bleiches Bild und jene letzte Nacht
Noch nie in Furcht gesetzt, auch niemals Angst gemacht,
Der Schluss ist uns bekannt: wir müssen einmal scheiden!
Und hierzu wollen wir uns stündlich wohl bereiten.
Wir sehen deinen Tanz oft mit Bewegung an,
Und thun bei unserm Amt, was man nur leisten kann,
Ein Jeder, der von uns hier redlich hausgehalten,
Wird als ein treuer Knecht was grössres einst erhalten.