La Danse des Morts, 1830, The text

The ossuary
Hess, Ossuary
The pope
Hess, Emperor

Here is the text from Hieronymus Hess's book La Danse des Morts à Basle de Jn. Holbein / Basler Todtentanz von Hans Holbein from 1830.

O Mensch betracht, Und nicht veracht,
Hie die Figur, All Creatur.
Die nimmt der Tod Früh und spot,
Gleich wie die Blum Im Feld zergoht.

Der Tod zum Pabst.
Komm, heiliger Vatter, werther Mann!
Ein Vortanz müsst ihr mit mir han:
Der Ablass euch nicht hilfft davon,
Das zweyfach Creutz und dreyfach Cron.

Antwort des Pabsts.
Heilig war ich auf Erd genannt,
Ohn Gott der Höchst führt' ich mein Stand:
Der Ablass that mir gar wohl lohnen.
Nun will der Tod mein nicht verschonen.

Der Tod zum Kayser.
Herr Kayser mit dem grauen Bart,
Eur Reu habt ihr zu lang gespart,
Drum sperrt euch nicht, ihr müsst darvon,
Und tanz'n nach meiner Pfeiffen Thon.

Antwort des Kaisers.
Ich kunnte das Reich gar wohl mehren
Mit Streiten, Fechten, Unrecht wehren;
Nun hat der Tod überwunden mich,
Dass ich bin keinem Kayser gleich.

Der Tod zur Kayserin
Ich tanz euch vor, Frau Kayserin!
Springet hernach, der Tanz ist mein:
Eur' Hofleut sind von euch gewichen,
Der Tod hat euch hie auch erschlichen.

Antwort der Kayserin.
Viel Wollüst hatt' mein stolzer Leib:
Ich lebt' als eines Kayseres Weib;
Nun muss ich an diesen Tanz kommen,
Mir ist all Muth und Freud genommen.

Der Tod zum König.
Herr König! eu'r G'walt hat ein End,
Ich führ euch hie bey meiner Händ:
An diesen dürren Brüder-Tanz,
Da giebt man euch des Todes Kranz.

Antwort des Königs.
Ich hab gewaltiglich gelebt,
Und in hohen Ehren geschwebt:
Nun bin ich in des Todes Banden,
Verstricket sehr in seinen Handen.

Der Tod zur Königin.
Frau Königin! euer Freud ist aus,
Springet mit mir ins Todten-Haus,
Euch hilfft kein Schöne, Gold noch Geld,
Ich spring mit euch in jene Welt.

Antwort der Königin.
O Weh und Ach, o weh und immer!
Wo bleibt jetzund mein Frauenzimmer?
Mit denen ich hatt' Freuden viel:
O Tod thu g'mach, mit mir nicht eil.

Der Tod zum Cardinal.
Springet auf mit dem rothen Hut,
Herr Cardinal, der Tanz ist gut:
Wohl gesegnet habt ihr die Layen,
Ihr müsst jetzund auch an den Reihen.

Antwort des Cardinals.
Ich war mit Päbstlicher Wahl
Der heiligen Kirchen Cardinal:
Die Welt hielt mich in grossen Ehren,
Noch mag ich mich s' Tods nicht erwehren.

Der Tod zum Bischoff.
Euer Würde hat sich verkehrt.
Herr Bischoff weis und wohlgelehrt!
Ich will euch in den Reihen ziehen,
Ihr mögen dem Tod nicht entfliehen.

Antwort des Bischoffs.
Ich bin gar hoch geachtet worden.
Dieweil ich lebt im Bischoffs-Orden;
Nun ziehen mich die Ungeschaffnen
An ihren Tanz, als einen Affen.

Der Tod zum Herzog.
Habt ihr mit Frauen hoch gesprungen,
Stolzer Herzog! ist's euch wohl g'lungen:
Das müst ihr an dem Reihen büssen;
Wohl her g'lust euch die Todt'n zu grüssen.

Antwort des Herzogs.
O Mord! muss ich so flux darvon,
Land, Leut, Weib, Kind, dahinten lon:
So erbarm sich Gott in seim Reich,
Jetzund werd ich meim Tänzer gleich.

Der Tod zur Herzogin.
Frau Herzogin, sind wohlgemuth!
Ob ihr schon sind vom edlen Blut,
Hochgeachtet auf dieser Erd,
Hab ich euch dennoch lieb und werth.

Antwort der Herzogin.
Ach Gott, der armen Lauten Thon!
Muss ich mit dem Greuling darvon:
Heut Herzogin, und nimmermeh,
Ach Angst und Noth! O weh, o weh!

Der Tod zum Grafen.
Herr Graf, gebt mir das Botten-Brod!
Es zeucht euch hin der bitter Tod:
Lasst euch nicht reuen Weib und Kind;
Ihr müsst tanzen mit diesem G'sind.

Antwort des Grafen.
In dieser Welt war ich bekannt,
Darzu ein edler Graf genannt:
Nun bin ich von dem Tod gefällt,
Und her an diesen Tanz gestellt.

Der Tod zum Abt.
Herr Abt! ich zieh euch die Yfflen ab,
Desshalb nutzt euch nicht mehr der Stab:
Sind ihr g'wesen ein guter Hirt
Hie eurer Schaaf, die Ehr euch wird.

Antwort des Abts.
Ich hab mich als ein Abt erhebt,
Und in hohen Ehren g'lebt:
Auch setzt' sich niemand wider mich,
Dannoch bin ich dem Tod geleich.

Der Tod zum Ritter.
Herr Ritter! ihr sind angeschrieben,
Ritterschafft die müssen ihr treiben
Mit dem Tode und seinen Knechten;
Es hilfft weder Streiten noch Fechten.

Antwort des Ritters.
Ich, als ein strenger Ritter gut,
Hab der Welt dient mit hohem Muth;
Nun bin ich, wider Ritters-Orden,
An diesen Tanz gezwungen worden.

Der Tod zum Juristen.
Es hilfft da kein Fund noch Hofieren,
Kein Aufzug oder Appellieren:
Der Tod zwinget alle Geschlecht,
Darzu geistlich und weltlich Recht.

Antwort des Juristen.
Von Gott all' Recht gegeben sind,
Wie man die in den Büchern find't:
Kein Jurist soll dieselbig biegen,
Die Lug hassen, die Wahrheit lieben.

Der Tod zum Rathsherrn.
Sind ihr ein Herr g'wesen der Stadt,
Den man im Rath gebrauchet hatt':
Habt ihrs wohl g'rathen, ists euch gut,
Wird euch auch abziehen den Hut.

Antwort des Rathsherrn.
Ich hab mich g'flissen Tag und Nacht,
Dass der Gemein Nutz werd betracht:
Sucht Reich- und Armer Nutz und Ehr;
Was mich gut dunkt', macht' ich das Mehr.

Der Tod zum Chorherrn.
Herr Chorpfaff! Habt ihr g'sungen vor
Viel süss Gesang in eurem Chor:
So merket auf! Der Pfeiffen Schall
Verkündigt euch des Todes Fall.

Antwort des Chorherrn.
Ich sange als ein Chorherr frey,
Von Stimmen manche Melodey;
Des Todes Pfeiff thönt dem unglich,
Sie hat so sehr erschrecket mich.

Der Tod zum Doctor.
Herr Doctor, b'schaut die Anatomey
An mir, ob sie recht g'machet sey?
Dann du hast manchen auch hing'richt,
Der eben gleich, wie ich, jetzt sicht.

Antwort des Doctors.
Ich hab mit meinem Wasserb'schauen
Geholffen beyde, Mann und Frauen:
Wer b'schaut mir nun das Wasser myn?
Ich muss jetzt mit dem Tod dahin.

Der Tod zum Edelmann.
Nun kommet her, ihr edler Degen!
Ihr müsset hier der Mannheit pflegen
Mit dem Tod, der niemand verschont.
Gesegnet euch, so wird euch g'lohnt.

Antwort des Edelmanns.
Ich hab gar manchen Mann erschreckt,
Der mit dem Harnisch war bedeckt:
Nun ficht mit mir der grimme Tod,
Und bringt mich gar in grosse Noth.

Der Tod zur Edelfrau.
Vom Adel Frau lasst euer Pflanzen,
Ihr müsset jetzt hie mit mir tanzen:
Ich schon nicht euers geelen Haar,
Was seht ihr in den Spiegel klar?

Antwort der Edelfrau.
O Angst und Noth! wie ist mir b'schehen?
Den Tod hab ich im Spiegel g'sehen;
Mich hat erschreckt sein greulich G'stalt,
Dass mir das Herz im Leib ist kalt.

Der Tod zum Kauffmann.
Herr Kauffmann, lasset euer Werben,
Die Zeit ist hie, ihr müsset sterben:
Der Tod nimmt weder Geld noch Gut,
Nun tanzet her mit freyem Muth.

Antwort des Kauffmanns.
Ich hatt' mich zu leben versorget wohl,
Kisten und Kästen waren voll:
Der Tod hat meine Gaab verschmacht,
Und mich um Leib und Leben bracht.

Der Tod zur Aebtissin.
Gnädige Frau Aebtissin rein!
Wie habt ihr so ein Bäuchlein klein?
Doch will ich euch das nicht verweisen,
Ich wollt mich eh in Finger beissen.

Antwort der Aebtissin.
Ich hab gelesen aus dem Psalter
In dem Chore vor dem Fronalter:
Nun will mich helffen hie kein Betten,
Ich muss dem Tod hie auch nachtretten.

Der Tod zum Krüppel.
Hinke auch her mit deiner Krucken;
Der Tod will dich jetzund hinzucken:
Du bist der Welt ganz unwerth sehr,
Komm auch an meinen Tanz hieher.

Antwort des Krüppels.
Ein armer Krüppel hie auf Erd,
Zu einem Freund ist niemand werth:
Der Tod aber will sein Freund syn,
Er nimmt ihn mit dem Reichen hin.

Der Tod zum Waldbruder.
Bruder! komm du aus deiner Klaus,
Halt still, das Licht lösch ich dir aus;
Drum mach dich mit mir auf die Fahrt,
Mit deinem weissen langen Bart.

Antwort des Waldbruders.
Ich hab getragen lange Zeit
Ein härin Kleid, hilfft mich jetzt nit:
Bin nicht sicher in meiner Klaus,
Die Stund ist hie, mein G’bett ist aus.

Der Tod zum Jüngling.
Jüngling! wo willt du hin spaziren?
Ein andern Weg will ich dich führen;
Allda wirst du dein Buhlschaft finden,
Das thu ich dir jetzund verkünden.

Antwort des Jünglings.
Mit Schlemmen, Demmen und mit Prassen,
Des Nachts Hofiren auf der Gassen,
Darinn hatt' ich mein Muth und Freud,
Gedacht wenig an den Abscheid.

Der Tod zum Wucherer.
Dein Gold und Geld sieh ich nicht an,
Du Wucherer und gottlos Mann!
Christus hat dich das nicht gelehrt.
Ein schwarzer Tod ist dein Gefehrt.

Antwort des Wucherers.
Ich fragt' nicht viel nach Christi Lehr;
Mein Wucher der trug mir viel mehr:
Jetzt bleibt der, leider! all dahinten:
Was hilft mein Schaben und mein Schinden.

Der Tod zur Jungfrau.
Ach Jungfrau! euer rother Mund
Wird bleich jetzund zu dieser Stund:
Ihr sprunget gern mit jungen Knaben
Mit mir müsst ihr ein Vortanz haben.

Antwort der Jungfrau.
O weh, wie greulich hast mich g'fangen!
Mir ist all Muth und Freud, vergangen:
Zu tanzen g'lust mich nimmermeh;
Ich fahr dahin, ade, ade.

Der Tod zum Kirbepfeiffer.
Was wollen wir für ein Tänzle haben:
Den Bettler oder schwarzen Knaben?
Mein Kirbe-Haus, s'Spiel wär nicht ganz,
Wärst du nicht auch an diesem Tanz.

Antwort des Kirbepfeiffers.
Kein Kirb war mir wegshalb zu weit,
Davon ich nicht hab bracht mein Beut,
Nun ists aus, weg muss ich mit Noth,
Die Pfeiff ist g'fallen mir in Koth.

Der Tod zum Herold.
Herold, in deiner rothen Kappen!
Jetztmals muss ich dich auch ertappen:
Bey Fürsten warst du lieb und werth,
Dein Stab wirf von dir auf die Erd.

Antwort des Herolds.
Dem Kayser war ich lieb und werth,
Von ihm hatt' ich Geschenk und Pferdt:
Mein Reden hat manchen erschreckt;
Nun hat der Tod mein Schwätzen g'legt.

Der Tod zum Schultheiss.
Herr Schultheiss, auf! denn es ist Zeit,
Dass Leib und Seel mit einander streit:
Das thu ich auf der Leyren singen,
Dem Liedlein möget ihr nachspringen.

Antwort des Schultheissen.
Mein Amt hab ich mit Fleiss versehen:
Hoff, es sey niemand Unrecht g'schehen;
Am Gricht dem Reichen wie dem Armen.
O Gott! du wöllst dich mein erbarmen.

Der Tod zum Scharfrichter.
Auf, Blutmensch mit dem scharfen Schwerdt!
(Obschon von Fach mir lieb und werth): -
Ich sah Verbrecher samt den Guten,
Von deinen Henkerstreichen bluten.

Antwort des Scharfrichters.
Geköpft, gerädert, strangulirt,
Hab ich, und sonst noch maltraitirt;
Ich war nur Werkzeug meiner Herren,
Sie solltest du zum Tanz begehren.

Der Tod zum Narren.
Wohlauf Heyne! du must jetzt springen;
Schürze dich auf, und lass dir lingen:
Dein Kolben magst jetzt wohl lan bleiben,
Mein Tantz wird dir den Schweiss austreiben.

Antwort des Narren.
O weh! ich wollt' gern Holz auftragen,
Und all' Tag viermal werden g’schlagen
Von meinem Herrn und seinen Knechten,
So muss ich mit dem Dürrling fechten.

Der Tod zum Krämer.
Wohl her, Krämer, du Groscheneyer,
Du Leutb'scheisser und Gassenschreyer!
Du must jetztmals mit mir davon,
Dein Humpelkram eim andern lon.

Antwort des Krämers.
Ich bin gezogen durch die Welt,
Und hab gelöst allerley Geld:
Viel Thaler, Münz, Kronen und Gulden.
O Mord! wer zahlt mir jetzt die Schulden?

Der Tod zum Blinden.
Dein Wegzeiger schneid ich dir ab,
Tritt sittlich, fällst mir sonst ins Grab:
Du armer blinder alter Stock,
In deinem bösen pletzten Rock.

Antwort des Blinden.
Ein blinder Mann ein armer Mann,
Sein Mus und Brod nicht g'winnen kann:
Könnt' nicht ein Tritt gehn ohn' mein Hund,
Gott sei g'lobt, dass hie ist die Stund.

Der Tod zum Juden.
Hujum, Jud! mach dich auf die Fahrt;
Dein's Messiä hast zu lang g'wart:
Christum, welchen ihr habt ermördt,
War der recht, ihr habt lang geirrt.

Antwort des Juden.
Ein Rabbi war ich der Geschrift,
Zog aus der Bibel nur das Gift:
Gar wenig nach Messiam tracht,
Hatt' mehr auf Schätz und Wucher acht.
[ ]

Der Tod zum Chinesen.
Komm her, du complimentennarr!
Civilisirter Halbbarbar!
Von deinen Götzen, deinen Frauen,
Mit deinen langen Adels-Klauen.

Antwort des Chinesen.
O himmlisch Reich mit seinem Thee!
Hilf grosser, weiser Confuze!
Mein Opium und sein Begeistern,
Bringt mir den Tod, mich zu bemeistern.

Der Tod zum Koch.
Komm her, Hans Koch! du must darvon,
Wie bist so feisst, du kanst kaum gohn:
Hast du schon kocht viel süsser Schleck,
Wird dir jetzt saur, du must hinweg.

Antwort des Kochs.
Ich hab kocht Hüner, Gäns und Fisch
Meim Herren vielmal über Tisch,
Wildbrät, Pasteten, Marcipan.
O weh meins Bauchs! ich muss darvon.

Der Tod zum Bauer.
Du hast g'habt dein Tag Arbeit gross,
Früh und spath, ohne Unterloss,
Dein Bürde will ich dir abheben,
Korb, Flegel, Degen thu mir geben.

Antwort des Bauers.
O grimmer Tod, gieb mir mein Hut,
Mein' Arbeit mir nicht mehr weh thut,
Die ich mein Tag je hab gethan;
Was zeuchst mich armen alten Mann?

Der Tod zum Maler.
Hieronymus Hess lass s'Malen steh'n
Der Weg ist dunkel, den wir geh'n,
Ob auch dein Herz im Tode bricht,
Dir winkt der ewigen Heimath Licht.

Antwort des Malers.
Freund! tritt hervor, du schreckst mich nicht,
Mich freut dein blasses Angesicht;
Nach manchem bittern Erdenschmerz,
Führt deine Hand mich himmelwärts.

Der Tod zum Wirth.
Komm Doppelg'sicht und falscher Wirth,
Den Reichen hast genug hofirt,
Die Armen hast genug veracht',
Dein' Rechnung hab' ich längst gemacht.

Antwort des Wirthes.
Krieg, Theurung, Intervention,
Die brachten mir gar schönen Lohn;
Gerupft ging mancher Gast von mir,
Und grinsend schloss ich ihm die Thür.

Der Tod zum Schuster.
Komm her, du alter Sawatier!
Sprich kurz, thut dir mein Knieriem' weh? -
Vorbey ist's nun mit Fleck und Sohlen,
Ich thu dich auf die Zunft abholen.

Antwort des Schusters.
Halt! ich bin nicht von Eisenblech,
Dass du mich also führst in's Pech;
Ich war genug geplagt im Leben,
Was willst du mir noch Schläge geben?

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