Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck

Dette er side ti af Wilhelm Mantels' bog, Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck, fra 1866. Bogen er i bredformat med tre spalter per side, men her bringes de tre spalter i forlængelse af hinanden.

Mantels citerer en del vers fra Berlins dødedans, der var blevet opdaget for seks år siden i 1860, nemlig læge, prædikant, kordegn, ågerkarl, håndværker og bonde.

De sidste sider i Mantels' bog bruges til teksten fra Dodendantz fra 1520. Denne bog var stort set ukendt i Tyskland, fordi det eneste eksisterende eksemplar var blevet solgt til Bodleian Library i Oxford i 1849. Mantels har teksten fra Lübke, der udgav en bog om Berlins Dødedans fem år forinden i 1861, mens Lübke på sin side benyttede sig af en afskrift af gehejmeråd Johann Daniel Ferdinand Sotzmann.


10 A

ab. Jedoch scheinen sie, wenn auch nicht als Zweizeilen, doch als Anfang einer Strophe wirklich existirt und sich mündlich oder schriftlich erhalten zu haben, denn auch die ganz verstümmelte Berliner Strophe fängt an:

Och, wat schal ik . . .
Wente thu . . . .

welche Worte, der Mutter in den Mund gelegt, gelautet haben können: Och, wat schal ik dit Kint vorlaen, Wente thu danzen en mach ed nicht vorstaen — oder ähnlich.

Schon Lübke44) hat die verschiedenen Texte mit einander verglichen und viele Anklänge unter ihnen nachgewiesen. Dabei bleibt aber unserm Texte, trotz mancher Spuren der Zerstörung, so viel Originales und Alterthümliches, dass man ihn kaum für eine spätere Ueberarbeitung halten kann. Eine solche würde, wie das im Drucke von 1496 der Fall ist, ganze Strophen und Zeilen eines frühern Textes aufnehmen, willkürlich andern Personen zutheilen u. s. w. Ist also der erhaltene Text neuer, als 1463, so kann er in seinem Kern nur wenig jünger sein, von 1588 gewiss nicht.45)

Jedenfalls geben diese nach Form und Behandlung verschiedenen Texte über ein Thema, welche alle in den Zeitraum eines halben Jahrhunderts fallen, einen reichen Beitrag zur damaligen niedersächsischen didaktischen Literatur und bezeugen die Fülle und Unerschöpflichkeit derselben. Der Berliner Text, wie das Gemälde, ernst und feierlich, und doch im Versmass lebhaft, in den Anspielungen originell; der Lübecker von 1463 trockener, aber mit charakteristischen poetischen Einzelheiten; der von 149646) lehrhaft breit, fast prosaisch; der von 1520 wieder aufs lebendigste individualisirend, so dass man zugleich an Reineke Vos und an den kecken Ton des Reformationszeitalters gemahnt wird.

Da dieser Druck von 1520 in Lübeck so gut wie unbekannt ist, glaube ich die Besprechung unsers Todtentanzes nicht passender beschliessen zu können, als durch den Wiederabdruck der von Lübke veröffentlichten Copie desselben. Einige voraufgesandte Strophen des Berliner Textes mögen noch zur Vergleichung beider Todtentanz-Gemälde dienen.


44) a. a. O. S. 36 fg.
45) Vgl. das oben S. 8 fg. über die veränderte Anordnung des Gemäldes Gesagte. — Für das Modernste an unserm Texte möchte man seine Vertheilung als Wechselgespräch halten, wodurch er von andern gänzlich abweicht. Aber gerade hier sind unsere Strophen so fest und sicher gefügt, dass keine Spur von Willkür sichtbar wird. Und dass auch diese Anordnung alt sei, beweisen die beiden Lübecker Drucke durch eine Art von Uebereinstimmung. Der von 1496 lässt nämlich ebenfalls die Sterbenden zuerst reden, und der von 1520 schliesst sich zwar dem Inhalte nach der herkömmlichen umgekehrten Reihefolge an, im Druck stehen aber (nach Massmann's Beschreibung) meistens die Reden des Todes nach denen der Aufgeforderten. Ja, der Druck von 1496 stimmt im Anfang sogar ganz mit unserm Text, denn der Papst, aber nur dieser, wird zuerst aufgefordert, antwortet, und dann entgegnet der Tod.
46) Nach gefälliger Mittheilung des Herrn T. O. Weigel besitzt derselbe in seiner Privatsammlung auch einen Lübecker Druck des Todtentanzes von 1489.


10 B

   Berliner Todtentanz
           1470 — 90.

        Arzt.
(H)er Doctor, meyster in der Arstzedye,
Ik hebbe juw rede gheeschet wol dryge:
Noch meyne gy leyder lenger to leven
Unde wulen juw nicht thu Gade geven.
Legget wech dat Glas unde scheydet dar van
Unde seet, wu wol ich juw vordanzen kan.
Och, almechtige God, gev du my nu rath,
Wente dat Water is uter Maten quat.
Ik solde wol up di Abbeteken ghan,
Wente (ik) sie den Dot harde vor my stan.
(Helpt ke(in) Wasser, kein Krut in den Garten,
(Herre) Jesu, woldestu myner warten.

    Prediger.
Herr Predeker, gy schult juw nicht vorveren
Unde nicht alto sere geghen my weren.
Ik byn dy Doet, juwe alder hogheste Raet,
Danzet nu met my unde west nicht quat.
Vele Scarmone hebbe gy van my ghedan,
Gy muthen ok mit my an den Danz ghan.
Och, gude Doet, gev my doch noch lengher Frist,
Wen du myn alder leveste Kumpan bist.
Och, my dunket, ik kan met di nicht wynnen.
Och, wat sal ik arme Man nu begynnen?
Snelliken sterven is eyn grot Vngheval.
Help my, Jesu, unde den Geistliken al.

    Küster.
Her Koster van der Kerken, kamet h(er),
Gy synt hyr gewesen alze eyn . . . der.
Ik wyl vor an den Danz met iuw spring(en),
Dat juw de Slotelle alle schulen klynghen.
Legget dat Tydebuk snel uth juwer hant,
Ik byn dy Dot, ik neme neyn Gades Pant.
Och, gude Dot, friste my doch noch eyn jar,
Wente myn Levent ys noch ghar unklar.
Hadde ik wol tidig vel gudes ghedan,
So muchte ik nu vroliken met dy gaen.
Och we, sal ik nu nicht (meyr) beyden?
Dat Lydent des Hern Jesu muchte my scheyden.

    Wucherer.
(H)ere Wukerer med juwen blawen47) Sacke,
Vor Gelt were gy van gudeme Smacke,
Gy deden den Armen eyn Schock vor twe,
Dor umme muthe ghy nu lyden grot We.
Legget van juwer Syden den Swedeler,48)
Gy muthen al mede in dat olde Her.


47) Farbe der Diebe. Vgl. Ztschr. f. Lüb. Gesch. I. S 118: De van dem Sunde voren dat blawe Laken. Im Berl. Todtentanz wird auch dem Mönche ein blauer Beutel und dem Betrüger ein blaues Barett beigelegt
48) Schnappsack.


10 C

Och, war schal ik arme Man nu bliven,
Sint ik Wuker nick meyr ma(ch dri)ven.
Myne Kindere scholen dat wed(der) geven,
So mogen sie med Gade ewig leven.
Des helpe my ok, Jesus, du ewige Got,
Wente van Erden to scheydin is neyn Spot.

    Amtmann.
(H)er Amptman, gut van (Banste),49) wol ghebaren,
Gy synt wesen ein welich man wol vorvaren,
Dar kunde gy voregan med, behendes lyden,50)
Gy muthen bet an den Dodendanz glyden.
Sprynghet up, ik wyl juw voresynghen.
Synt gy wesen ghut, so mach ed juw ghelynghen
(O)ch, mechtyghe Got, wat is myne Kunst,
Synt ik hebbe ghekreghen Gades Ungunst.
Den hilghen Dach hebbe ik nicht ghevyret,
Sunder in deme Kroghe ruseleret.51)
Och, Christe, woldestu my dat vorgheven,
So muche ik myt dy nu ewich leven.

    Bauer.
(H)ere Vedder Bure, du must al mede
Unde danzen na dyner olden Sede.
Dynes Ackers Arbeyt is al vorlaren,
Den du baven Gott (haddest) uterkaren.
Legghe dal dat Pluchschar, vule Prekel,52)
Du must seker mede yn den Partekel.53)
(O)ch, ghude Doet, ik sumede Godes Doget,
Spare bannen noch myner junghen Joghet
Unde ghyf my ghumen dut erste tho,54)
Ik gheve dy vorwar ene vette Ko.
Doch ik se wol, du wult dar nicht na vraghen.
Och, help, Criste, ed ghelt my hir den Kraghen.

Todtentanz. Lübeck. 1520. 8.1)

    Dodendantz.

God vorboth Adam in deme paradyse:
Eth nicht van desser frucht, de ick dy wyse,
Deystu hir entyegen, so mostu sterven,
Nicht du alleyne, men ock al dyne erven
Adam brack dat gheboth ane noth.
Alsus quam an uns de naturlike doth.


49) mit gutem Panst, Wanst, wohlgenährt
50) Ihr seid fürwahr ein lustiger Mann gewesen: da konntet ihr mit flinken Gliedern vorangehn.
51) Lüb. 1463 Str. 24.
52) fauler Stock.
53) Lüb. 1463 Str. 17.
54) Vgl. Anm. 35. — bannen, Adverb zu dem noch gebräuchlichen bannig, sehr?

1) Im Folgenden ist der Lübke'sche Text (mit Benutzung von Massmann's Abweichungen) genau wiedergegeben, doch sind u und v wie heute gebraucht, die Abbreviaturen aufgelöst, Interpunction beigefügt, Initialen gesetzt, und was dergl. zum Verstandniss dient.

Yderligere oplysninger


Op til Wilhelm Mantels