Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck

Den såkaldte "Amtmann" i Lübeck er i virkeligheden en købmand med kappe og sporer.
Købmanden med sporer

Dette er side otte af Wilhelm Mantels' bog, Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck, fra 1866. Bogen er i bredformat med tre spalter per side, men her bringes de tre spalter i forlængelse af hinanden.

Mantels gengiver den gamle plattyske tekst. Den blev skrevet ned fragmentarisk af Jakob von Melle, men teksten er en rodebutik, og Mantels bringer derfor versene i en anden (og rigtig) orden.

Han forsøger derefter at forklare, hvorfor teksten er så rodet. En del af forklaringen er, at "Amtman" på plattysk betyder "håndværker" på samme måde, som at håndværkeren i Berlin også hedder "Amptman". Desuden har "amtmanden" i Lübeck sporer på, så billedet forestiller i virkeligheden en købmand. I Berlin har købmanden også sporer på, for Døden siger til købmanden: »legget aff dy Sparen« — "tag dine sporer af".

Mantels konkluderer derfor — korrekt — at der er byttet om på købmand og håndværker. Desværre fremlægger han derefter sin ulyksalige teori om, at det oprindelige maleri have været på træplader, og man man havde byttet om på pladerne, da man kopierede maleriet til lærred. Se siden om Wilhelm Mantels for, hvorfor denne teori er forkert.


8 A

Mit menniger Temptacie swar.
Vorbarme di, Her, openbar,
Ik di bekenne mine Sund,
Wes mi gnedich tor lesten Stund.

21. Tod (antwortet):
(M. 21.) Du machst wol danssen blidelik,
Di hort dat hemmelske Rik.
Dat Arbeit, dat du hefst ghedan,
Sal diner Selen lustende stan.
Deden se alle so, it scholde en vromen,
Er scholde nicht vele ovel komen,
Men it wirde mengen sur.
    (zum Bauern:)
Kum to min Reigen, Veltgebur.

22. Bauer (antwortet):
(M. 22.) Des Dansses neme ik wol Respit,
Noch hebbe ik mine Tyt
Mit Arbeide hen ghebracht,
Unde ghedacht Dach vnde Nacht,
Wo ik min Lant mochte begaden,
Dat it mit Vrucht wirde geladen,
To betalen mine Pacht.
Den Dot hebbe ik nicht geacht.

23. Tod (antwortet):
(M. 23.) Grot Arbeit hefstu ghedan,
God wil di nicht vorsman
Mit dinem Arbeide unde Not.
It is recht, ik segge di blot,
God wilt di betalen
In sien oversten Salen.
Vruchte nicht en Twink.
    (zum Jüngling:)
Tret her, Jungelink.

24. Jüngling (antwortet):
(M. 24.) Der Werlde Lust mi nu smaket,
Du hefst de Tyt ovel raket,
Du kumpat slikende her geghan
Unde wult mi in din Nette beslan.
De Werlde mi lavet Heil,
Bedrucht se mi, so is se feil.
Wike wech, late mi ruseleren,
Int Older wil ik mi bekeren.

25. Tod (antwortet):
(M. 25.) In der Nacht der Deve Gank
Slikende is min Ummewank.
En junk Man sik bi Tiden ker
To Gade, sin Luste dregen ser.31)
Hir is nene blivende Stat.
Haddestu west der Werlde hat,
Were di beter, unde er minne.
    (zur Jungfrau:)
Junkvrow, mit di ik danssen beghinne.


31) v. Melle: her.


8 B

26. Jungfrau (antwortet):
(M. 26.) Des Reigts were ik onich32) gherne,
Ik junghe schone Derne,
Ik merke der Werlde Lust,
Van diner Kumpst nicht gewust.
Nu kumpstu snel unde mi vorverst,
Ik wuste nicht, hir werst.33)
Were ik ene Klostervrowe worden,
So trede ich vro in dinen Orden.

So weit von Melle, welcher seine Abschrift mit dem oben schon angeführten Datum: "Anno Domini MCCCCLXIII, in vigilia Assumcionis Marie" beschliesst.

Es bedarf wohl keiner längern Ausführung, dass so allein eine richtige Rede- und Widerrede herauskommt, eine wirkliche "Zusammen-Sprache", wie von Melle sich aussert. Ich will also nur auf den Einen Amtmann, als einen Haupturheber der Verwirrung, hinweisen. Der Amtmann ist der Handwerker, kein moderner Amtmann. Aeltere Sprache und ältere Sitte, die Berliner, Dresdener und Baseler Todtentänze,34) die Lübecker Todtentanz-Drucke von 1496 und 1520 beweisen das, und endlich spricht er ja selbst (Str. 18.) von seinem "Hantwerk". Auch das Bild liefert den Beleg dazu, denn auf ihm ist noch jetzt der als Amtmann Bezeichnete der Kaufmann, der Kaufmann aber der Handwerker. Das verlangt die mittelalterliche Rangordnung, welche das Gemälde strenge einhält, und zugleich wird es aus der reicheren Kleidung der Figur des (wirklichen) Kaufmanns und seinen Sporen klar. Darum heisst es im Text des Berliner Todtentanzes, welcher gerade hier in Bild und Wort eine nahe Verwandtschaft mit dem unsrigen hat, von dem zu Pferde reisenden Kaufmanne:

Tod. O Kopman, wat gy ghummen35) nu hastych synt!
Gy sparet noch Reghen, Weder edder Wynt.
De Market is doch seker hier affgedan.
Gy muthen enquantzwys met my danzen gan.
Vorveret juw nicht, legget aff dy Sparen,
Wente sterven is juw ok anghebaren.

Kaufmann. Och, gode Doet, wu kome gy my dus hastych an!
Wol dat ik byn ghewest eyn thur Kopman,
Doch is myne Rekenschop noch gar unclar.
Dat klaghe ik dy, Christe, al apenbar.
Wult se nu clar maken, des hefft du Macht,
Ik hebbe seker nicht vele up dy dacht.

Weniger überzeugend ist die Richtigkeit der von mir versuchten Verbesserung an der zweiten Stelle, wo der Text nicht genug Anhaltspunkte gewährt, schon weil er lückenhaft ist. Dass aber auch die vier ersten


32) onich oder anich (von ohne), ledig (noch jetzt im Gebrauch).
33) Der Sinn ist klar, wiewohl der Text dieser Strophe nicht ganz in Ordnung zu sein scheint.
34) Schon von Lübke, S. 17 Anm 1. nachgewiesen. Vgl. Anm. 30.
35) ghummen, vielleicht ghummer, ist = yummer, immer. Vgl. S. 10 Anm. 54.


8 C

Strophen von Melle's nicht in Ordnung sind, geht daraus hervor, dass nach seiner Reihefolge der Tod zum Edelmann sagen müsste, Gott wolle ihn für seine Arbeit belohnen, was doch zu den Worten des Edelmanns nicht passt. Ich habe daher als das Einfachste angenommen, dass an beiden Stellen die Versetzung auf die gleiche Ursache zurückzuführen sei, dass nämlich von je 6 Strophen die beiden vordern und die beiden hintern vertauscht, die mittlern geblieben seien, während zwischen beiden Stellen 6 andere Strophen im richtigen Textverhältniss stehen. So erhalten wir folgende Umkehrung:

                  (fehlen.)
v. Melle:         St. 1. 2. 3. 4. 5. 6.   |   7. 8. 9. 10. 11. 12.   |   13. 14. 15. 16 17. 18.
Ursprünglich: St. 5. 6. 3. 4. 1. 2.   |   7. 8. 9. 10. 11. 12.   |   17. 18. 15. 16. 13. 14.
                                    (fehlen)

Die Verschiebung könnte von der Verwechselung der alten Holzplatten des Bildes herrühren, von denen jede zwei Figuren umfasst haben mag. Unerklärt bleibt freilich dabei, wie an der letztern Stelle nur der Text verschoben ist, an der erstern Text und Bild. Denn hier werden die Figuren des Bürgermeisters und des Edelmannes zu sehr durch die Tracht gekennzeichnet, um in ähnlicher Weise, wie beim Kaufmann und Handwerker, ein blosses irrthümliches Bezeichnen der Personen anzunehmen. Doch spricht auch hier die genaue mittelalterliche Rangordnung dafür, dem Bürgermeister seinen Platz nach dem Domherrn anzuweisen, wie es durch die vorgeschlagene Umstellung geschieht. Da aber andererseits der Edelmann (oder Junker) richtiger nicht vor, sondern nach dem (reichsstädtischen) Bürgermeister eingereiht sein müsste, so greift vielleicht die Personenverwechselung noch weiter, und zieht man den Karthäuser mit hinein, so kommt auch dieser (der Mönch) passender hinter den Domherrn, was dann die tadellose Reihefolge ergäbe: Domherr Bürgermeister, Karthäuser Edelmann, Arzt Wucherer u. s. w., welche auch das Berliner Gemälde einhält.36)

Die Entstehung des Letztern wird von Lübke zwischen 1470-90 angesetzt, die gedruckten Lübecker Todtentänze von 149637) und 152038) weisen aber, bei einzelnen Abweichungen an dieser Stelle, im Ganzen die Reihefolge des jetzigen Bildes nach. Es bleibt also, wenn man fragt, wann etwa die Anordnung des Bildes durch einen Restaurator gestört sei, die Wahl zwischen der Annahme einer Aenderung in der allerneusten Zeit und einer vor oder in dem Jahre 1588, was Beides seine Schwierigkeiten hat. Zwischen 1588 und 1701 fand keine Restauration Statt, und 1701 können Kaufmann und Handwerker freilich sehr gut verwechselt sein, die andern Figuren aber nicht.


36) Vgl. S. 9.
37) Befindet sich in der Wolfenbütteler Bibliothek und ist grossentheils abgedruckt in Bruns' Beiträgen Stück III. Braunschw. 1803.
38) Das einzige, wie es scheint, noch vorhandene Exemplar ist 1849 durch Kauf nach England in die Bodleyanische Bibliothek gekommen. Ein dänischer Druck, theilweise Uebersetzung des Lübecker von 1520, ist auf der Kopenhagener Bibliothek. Vgl. Massmann im Serapeum 1849 No. 20., und Lübke a. a. O. S. 35.

Yderligere oplysninger


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