Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck

Dette er side seks af Wilhelm Mantels' bog, Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck, fra 1866. Bogen er i bredformat med tre spalter per side, men her bringes de tre spalter i forlængelse af hinanden.

Mantels pointerer, hvordan maleriet fra 1701 er en nøje kopi af det oprindelige fra 1463. Det kan man især se, fordi danserne er iklædt dragter, der allerede var gammeldags i 1463, men også landskabet i baggrunden viser det gamle Lübeck.

Derefter kommer Mantels til den gamle plattyske tekst. Den blev skrevet ned fragmentarisk af Jakob von Melle (og var tidligere blevet udgivet af Ludewig Suhl), men teksten er en rodebutik, og Mantels bringer derfor versene i en anden orden med Melles versnumre i parantes.

Der er i dag udbredt enighed om, at Mantels havde ret. Se siden om Jakob von Melle for detaljer.


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ihn uns Suhl's Abbildung zeigt, lässt sich behaupten, dass ihn kein Maler des 16. Jahrhunderts so alterthümlich dargestellt haben würde. Der Ritter trägt zwar nicht mehr den blossen Kettenpanzer und ist in volles Eisen gekleidet, aber er hat eine gegen das folgende Jahrhundert sehr einfache Rüstung mit wenig vorspringenden Buckeln, einen schlicht verzierten Eisenhut statt des spätern Visirhelms mit dem Helmschmuck u. dgl. m. Entschieden älteres Costüm aber weisen auf der Edelmann, der Jüngling, die Jungfrau. Dahin sind zu rechnen die Schnabelschuhe des Edelmannes, sein längerer, gefalteter Rock, die Brustbehänge, die tuchartige Kopfbedeckung mit dem lang herabgehenden Zeugstreifen, welche sich auch beim Bürgermeister findet. Edelmann und Jüngling tragen eng anliegende Beinkleider, die gegen Ende des 15. Jahrhunderts in Abnahme kamen. Der Wams des Jünglings ist weder zur Jacke eingeschrumpft, noch hat er Puffen irgend welcher Art — Beides schon Tracht des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Der Jüngling hat keinen Hut, sondern eine mit einfacher Feder versehene Kappe. Die Jungfrau trägt noch die lange Taille, ihr Ueberkleid geht ganz am Halse herauf und zeigt nichts von dem Ausschnitt, wie er gegen Ende des 15. Jahrhunderts sogar für Männer überall Mode ward. Sie trägt lange, bis zur Erde herabfliessende Hängeärmel, in deren einen der Tod fasst — auch ein älteres Motiv. Ihr Haupt ist mit dem hohen Kopfschmuck der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts versehen. Der Mantel des Kaufmanns und Amtmanns (Handwerkers) ist auf der einen Seite offen, so dass die Hand herausgesteckt werden kann: das ist auch Kleidung des 15. Jahrhunderts.16) Endlich haben die verschiedenartigen Taschen, welche mehrere geistliche und weltliche Personen tragen, noch einen ganz mittelalterlichen Schnitt.17)

Unter den genannten Kleidungsstücken ist manches, welches an den Hauptplätzen damaliger Mode, in den Niederlanden, in Frankreich, am Rhein, um 1463 schon verschwunden war. Wenn wir darauf ein Gewicht legen wollen, so würde uns das zu dem Schluss führen, dass der Maler des Bildes nicht, wie Andre meinen, ein Ausländer, sondern ein Hiesiger gewesen, da er Trachten vorbringt, wie sie sich in hiesiger Gegend noch länger erhalten hatten, anderswo schon unmodisch geworden waren. Dergleichen Beweise bleiben jedoch immer problematisch.

Auch aus dem landschaftlichen Hintergrunde lässt sich für das Alter des Todtentanzes nichts folgern, da die Ansichten gar zu allgemein gehalten, und keine Abbildungen von Lübeck vorhanden sind, welche über den, neuerdings von Geffcken wieder vervielfältigten, grossen Holzschnitt des 16. Jahr-


16) Vgl. die drei Holzfiguren, welche als Tragbalkenverzierung gedient haben, in der culturhistor. Sammlung unserer Ges. zur Beförd. gemeinnütz. Thät. No 128 des Verz.
17) Noch manches Andere wird eine Vergleichung ergeben mit Jac. Falke. Die deutche Trachten- u. Modewelt. Lpz. 1858, und mit den Kupferwerken von J. v. Hefner (Trachten des christl. M.-Alters) u. A. Kretschmer u. C. Rohrbach (Trachten der Völker).


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hunderts18) hinausreichen. Mit diesem stimmt das Stadtbild des Todtentanzes im Wesentlichen überein. Bei den übrigen Theilen des Hintergrundes waltet offenbar viel freie Phantasie vor. Doch ist unsere Darstellung darin sogar correcter, als der gedachte Holzschnitt, dass an das Nordende der Stadt beim Burgthor sich der Ausfluss der Trave und die See nicht unmittelbar anschliessen, sondern durch eine dazwischen gelegte Höhe getrennt sind. Die Burg hinter dem Jüngling bezeichnet mündliche Ueberlieferung als die Olavsburg, den schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts19) genannten geselligen Vereinigungsort der Patrizier. Sie soll auf einer Insel der Wakenitz (dem Kaninchenberge) gelegen haben. Falls dieses richtig wäre, hätten wir uns unter dem Wasser am Schlusse des Bildes die Wakenitz, und in der Ferne abermals Lübeck zu denken.

Die Copie von 1701 entschädigt einigermassen für den Verlust des Originals: die neuen hochdeutschen Unterschriften aber, mit denen sich der nach von Melle "nicht unebene Poet", der Präceptor am S. Annenkloster, Nathanael Schlott aus Danzig, und die ganze Zeit nicht wenig brüstete,20) werden einem heutigen Leser nur Widerwillen erregen. Es lässt sich der Contrast zwischen Bild und Wort nicht schroffer denken. Deshalb würde Mancher vielleicht gewünscht haben, dass unter den darstellenden Tafeln diese Verse fortgeblieben wären. Abgesehen aber davon, dass der Todtentanz in seiner heutigen Erscheinung abgebildet werden sollte, war es wünschenswerth, die Tafeln selber nicht ganz ohne die natürliche Erklärung des Textes zu lassen. Eine solche hätten nun die alten niedersächsischen Bruchstücke nur für einzelne Figuren geliefert, und wären, wie das Folgende ergeben wird, auch aus anderm Grunde nicht wohl zur Unterschrift geeignet gewesen.

Sie sind uns nämlich nicht bloss fragmentarisch, sondern offenbar in einer gestörten Reihefolge überliefert, und auch hier bleibt wieder unerklärlich, wie weder von Melle, noch die, welche später die Verse aus ihm abgedruckt haben, den Irrthum gewahr wurden.

In seiner "Ausführlichen Beschreibung" erzählt von Melle: "Es stunden ehmals alte Nieder-Sächsische Reimen darunter, welche theils ziemlich verloschen, theils auch, wegen der offtmaligen renovation, sehr zustümmelt waren. Folgende wenige, so man noch davon hat lesen können, wollen wir, zum Gedächtnis, und dem Alterthum zu Ehren, hieher setzen."

"Der Tod sagt in der Vorrede:

To diesem dansse rope ik alghemene
Pawest, Keiser unde alle Creaturen,


18) Lübeck in der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts. Sieben Blätter. Lpz. 1855.
19) Lüb. Urkundenb. II. p. 1056.
10) Das beweist auch das Vorsteher-Protokoll, laut welchem der Verf. für sein schlechtes Machwerk einen Portugalöser in Gold erhielt, gerade die Hälfte der dem Maler — und vielleicht nicht allein für den Todtentanz — gezahlten Summe.


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Arme, Rike, grote unde klene:
Tredet vort, wente nu en helpet neu truren."

"Hier zwischen fehlet ein grosses Stück und fast die Helffte der Zusammen-Sprache, darauf sagt der Tod zu dem Thumherrn; der Thumherr antwortet; der Tod zum Edelmann; der Edelmann antwortet." u. s. w.

Mit solchen Ueberschriften versieht nun von Melle die weiteren, in der Reihefolge des jetzigen Bildes und nach dem Verhältniss der hochdeutschen Anrede und Antwort durch ihn aufgezeichneten, niedersächsischen Verse. Nach dem Inhalt dieser Verse ist aber im Anfang die Reihefolge eine andere, und in jedem Verse spricht der Tod nicht zu einer Person, sondern nach zwei Seiten hin. Ich theile daher den niedersächsischen Text hier in der berichtigten Ordnung mit und setze von Melle's strophen-zahl zur Seite, damit Jeder selbst vergleichen kann, wie Sinn und Zusammenhang eine Umstellung nöthig machen.

1. Tod (antwortet dem Karthäuser.)
(M. 5.) Nu tret vort, di helpet nen klagen,
Du most din Part sulven dragen,
It sal di wesen swar,
Di mach nicht volghen nar,
Wen dine Werke gut ofte quat,
Din Lon is na diner Dat,
Nemant mach di des vorbringen.
      (zum Edelmann:)
Men, kum an, ik wil di singhen.

    2. Edelmann (antwortet):
(M. 6.) Dot, ik bidde di umme Respijt,
Late mi vorhalen mine Tijt,
Ik hebbe ovel overbracht
Sterven hadde ik klene geacht,
Mine Gedanken weren to vullenbringen
De21) Lust in idelen Dingen,
Minen Underaaten was ik swar.
Nu mot ik reisen unde wet nich, war.

    3. Tod (antwortet):
(M. 3.) Haddestu gedelt van dinem Gode
Den Armen, so were di wol to Mode,
De klegeliken klagen er Gebreken,
Nuwerle mochtestu se horen spreken.
Dines Pachtes werstu gewert,
Na mi haddestu ninen Begert,
Dat ik ens ummekame to Hants.
      (zum Domherrn:)
Kanonik, tret her an den Dans.

    4. Domherr (antwortet):
(M. 4.) Mi dunkt, it is mi noch to vroch,
Van minen Prunden hadde ik genoch


21) v. Melle: To.

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