Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck

Dette er side fire af Wilhelm Mantels' bog, Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck, fra 1866. Bogen er i bredformat med tre spalter per side, men her bringes de tre spalter i forlængelse af hinanden.

Ifølge en afskrift af von Melle var det oprindelige maleri fremstillet år 1463 aftenen før Marias Himmelfart. Mantels tilføjer, at 1463 og 1464 var pest-år, og at datoen, 14. august, var netop dér, hvor sygdommen var på sit højeste. Det rejser selvfølgelig spørgsmålet om, hvorvidt 1463 er året, hvor maleriet blev bestilt eller hvor det stod færdigt.

Mantels gennemgår de gamle kirkebøger for at se, hvornår maleriet er blevet renoveret. En af konklusionerne er, at indtil 1701 var der kun tale om småreparationer.


4 A

Kirche abschliesst, trägt die Aufschrift: Na der Bort unses leven Heren Jesu Christi MCCCCC unne VI.5)

Ebenso wenig, wie über den Ausbau der Kapelle, giebt es Nachrichten über die erste Anfertigung des Todtentanzes.

Dass das jetzige Gemälde eine spätere Restauration sei, ist bekannt genug: dass aber am Bilde nichts, auch die Leinwand nicht, über das Jahr 1701 hinausreiche, ist bisher nirgends so entschieden betont worden. Trotzdem lässt sich mit ziemlicher Gewissheit behaupten, dass sowohl die Oertlichkeit wie die Darstellung des Bildes die alte ist.

Da gleichzeitige chronikalische Nachrichten völlig fehlen,6) und in den sog. Beschreibungen von Lübeck vor von Melle, der die Restauration von 1701 erlebte, des Todtentanzes nur ganz obenhin Erwähnung geschieht,7) so sind wir für authentische Notizen über das frühere Gemälde auf von Melle8) und dessen nachweislich alleinige Quelle, die Kirchenbücher, angewiesen.

Gestiftet wird der Todtentanz vom Rath selber oder von einer Anzahl Patrizier sein. Auf jenes deutet eine spätere Sage, dass E. E. Rath den Tod von Lübeck in der Todtenkapelle zu S. Marien in Folge des schwarzen Todes 1350 fein säuberlich und kunstreich habe abmalen lassen.9) Für eine Stiftung durch Patrizier könnte man die fast gleichzeitige Anlage der Sängerkapelle v. J. 1462 anführen.

Dabei wäre freilich vorausgesetzt, dass der Todtentanz wirklich im Jahre 1463 gemalt worden sei. Offenbar beruht aber diese Angabe nur auf der Unterschrift des ältern Gemäldes, welche von Melle am Schlusse der niedersächsischen Textesverse anführt: Anno Domini MCCCCLXIII, in vigilia Assumpcionis Marie. Da nun die Jahre 1463 und 1464 Pestjahre waren, und das genannte Datum, Mariä Himmelfahrt Abend (14. August), von Detmar10) gerade als ein Höhepunkt der Seuche bezeichnet wird, so haben


5) Nicht 1406, wie nach von Melle alle Späteren angeben.
6) In der 1839 erschienenen Zusammenstellung: Lübeck und Travemünde ist von Chronisten die Rede, welche d. J. 1463 als das der Anfertigung des Todtentanzes angäben; es dürften aber wohl nur uneigentliche Chronisten gemeint sein.
7) Zuerst in K. von Hövelen. Der K. Fr. R. St. Lübek Glaub- und Besähewürdige Herrligkeit. Lübek 1666.
8) v. Melle. Gründl. Nachricht. 1. A. 1713. Es ist aber im Folgenden desselben handschriftliche "Ausführliche Beschreibung von Lübeck" benutzt.
9) Deecke Lüb. Sagen. S. 118. Vgl. 5. 272.
10) Grautoff. Lüb. Chron. II., 278 : Item in dusseme iare (1364) unde in deme iare hyr bevoren was en grot unde en gemeyne pestilencie - - alzo dat in deme iare, alse men scref LXIII, se was boven uppe dem Ryne - - ; mer in deme LXIIII by Pinxsten quam se by de see, also to Luneborch, Hamborch, Lubeke - -; unde darna by Assumpcionis Marie quam se in Dennemarken u. s. w. Mit Detmar setzen Reckeman und R. Kock das Auftreten der Pest zu Lübeck in d. J. 1464. Schon Thom. Rehbein aber, ein Hauptvertreter der Sage in den Chroniken, gedenkt ihrer nur beim Jahre 1463.


4 B

wir das Jahr 1463 nicht als das der Anfertigung, geschweige den 14. August als Tag der Vollendung des Todtentanzes, anzusehen, sondern besitzen hierin nur eine sagenhafte Zeitbestimmung, an welcher das geschichtlich sein mag, dass die Pest von 1463 Veranlassung zur Stiftung des Todtentanzes ward.11)

Dass das Bild nicht viel später entworfen sein kann, beweist das Costüm, beweisen die noch im 15. Jahrhundert zu Lübeck gedruckten Todtentänze und endlich die Entstehung der meisten andern derartigen Darstellungen um dieselbe Zeit. Die geheimnissvolle Ausbreitung grosser pestartiger Epidemien nährte besonders lebendig das Bewusstsein allgemeiner Sterblichkeit, der Hinfälligkeit jedes Standes, Geschlechts und Alters, und eben dies Gefühl fand seinen Ausdruck in den Todtenreigen. Gerade das 15. Jahrhundert mit seinem stark ausgeprägten sinnlichen Leben rief zahlreiche derartige Schöpfungen hervor. Von 36 bekannten gemalten oder sonst künstlerisch dargestellten Todtentänzen gehört ein Drittheil dem 15. oder beginnenden 16. Jahrhundert an, während 4 aus dein 14. Jahrhundert stammen, die übrigen, meist in katholischen Ländern, späteren Ursprungs sind.12)

So dürfen wir denn also gelten lassen, dass auch der Lübecker Todtentanz nicht lange nach 1463 gemalt sei. Ueber die Person des Malers lässt sich natürlich noch weniger sagen, als über das Jahr: für einen Niederländer kann man ihn höchstens wegen des Costüms der Figuren halten, doch giebt dieses nur die allgemeine burgundische Zeittracht wieder.13)

Eine fernere Erwägung ist, ob das ursprüngliche Gemälde auf die Wand oder auf Holz gemalt gewesen sei. Alle Umstände lassen auf das Letztere schliessen. Zwar sind kirchliche Wandmalereien gerade um die Mitte des 15. Jahrhunderts bei uns vielfältig angefertigt worden, wie z. B. die Kirche des Franziskanerklosters zu S. Katharinen auf Schritt und Tritt beweist. Auch sind verwandte Todtentänze dieser Zeit, so der mehrfach erwähnte in der Marienkirche zu Berlin und der im Pfarrhause zu S. Marien in Wismar, auf die Wand gemalt. Bei unserm Todtentanz aber spricht die ganze Anlage der Kapelle, so wie die Beschaffenheit der Mauern, gegen eine Wandmalerei. Auch müsste ein ursprüngliches Wandgemälde sehr bald nach der ersten Anfertigung des Todtentanzes auf Holz übertragen sein, denn schon die Restauration vom Jahre 1588, also ungefähr 125 Jahre nach der Stiftung, ist entschieden auf ein Tafelbild zu beziehen.


11) Damit stimmt denn auch, dass spätere Tradition den Todtentanz an das bekanntere Pestjahr 1350 anknüpfte. Vgl. A. 9.
12) Lübke a. a. O. S. 5. Zu den dort genannten Todtentänzen kommt noch ein Wandgemälde im Pfarrhause zu S. Marien in Wismar.
13) Deecke. Freie u. H.-St. Lübeck. S. 10 Dass Holbein früher für den Maler ausgegeben ward, erklärt sich aus dem Gegenstande. Das jetzt ausgelöschte Pi(nxit) Ho(lbein) ist ohne Frage erst durch die Restauration des vorigen Jahrhunderts auf das Bild gekommen, wahrscheinlich später, als 1701. v. Melle erwähnt es nicht, auch kein Abdruck der hochdeutschen Verse vor 1783.


4 C

Diese Restauration ist das älteste. authentische Zeugniss, welches wir über den Todtentanz besitzen. Von ihr heisst es in den Wochenbüchern des Werkmeisters zu S. Marien,

1588, in der 10. Woche nach Michaelis:
Item erstlich up 1. Sondach gekofft 1½ hundert fyn geslagen golt tho behoff des Doden dantz, baven in 1 blawen velde myt sternen tho bemaken. Dar vor gegeven . . . . 3 Mark 12 Schilling
Noch na halen laten ½ hundert golt tho behoff der sternen tho den Doden dantz, is . . . . 1 Mark 4 Schilling.

1589, in der Neujahrswoche:
Noch hebben dyt mal Johann Bremer, Jürgen van Stiten gerekent myt Silvester, dem Maler, van wegen des, so he by der Karckenwanynge dat 88. Jar hefft gemaket, hyr myt in gerekent den dodendantz, so he up dat Nye dyt Jar up geluchtet, befynt syck in syner Rekenynge an Gelde . . . . . 93 Mark 4 Schilling
Dar up ehme myne heren aff gedynget, dat ehme noch tho quam, so ick betalet . . . . 69 Mark — Schilling.

Zweierlei geht aus diesen Notizen hervor:

1. Dass von keiner gründlichen Veränderung des Bildes, wie es eine Uebertragung desselben von der Wand auf Holz gewesen wäre, die Rede ist, sondern nur von einer Auffrischuung und Ausbesserung.

2. Dass diese Auffrischung ein auf Holztafeln längs der Wand gemaltes Bild betrifft, welches sich ausserdem durch seine Ausschmückung von dem jetzigen merklich unterschied. Denn das "oben im blauen Felde mit goldenen Sternen bemachen" kann doch kaum anders, als so erklärt werden, dass die einzelnen Holztafeln oberwärts eine baldachinartige Krönung trugen, wie man sie noch an den Bildern und Einzelfiguren der Altarschränke sieht. Denkt man sich nun unter dem Bilde hohe Sitze nach Art der Chorstühle in S. Katharinen, wie etwa heute noch die Bänke längs den Wänden unter dem Todtentanz fortlaufen, so erhält man nach oben und unten einen trefflichen Abschluss für das Bild, welcher ihm in der heutigen Fassung fehlt.

Dieses Holzbild ist 1642 abermals gebessert worden, denn es heisst in den Wochenbüchern dieses Jahrs, in der 13. Woche nach Neujahr:

Donnerstag Hans Gretken, unserm Kirchenmahler, wegen der Todten Capelle das gemalte wider aufzuleuchten, dafür ihm bezalt . . . . 20 Mark — Schilling

1657, in der 7. Woche nach Ostern, findet sich die Notiz:

Noch für eine Bürste und einen Schwamm zum Todtentantz und das Bild in der Brief-Capellen (Schiffbruch des Hans Ben) rein zu machen, geben 6 Schilling.

Neun Jahre später, 1666, beschreibt Kunrat von Hövelen den Todtentanz, als unter der kleinen Orgel befindlich, "gar alt, aber wol gethan, darin ofter Lübek mit allerhand Gegenden wol währt zu sähen." Und in der "Beglückten und Geschmückten Stadt Lübeck," 1697, wird er als "rund

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