Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck

Hyr an schoelen alle de gennen merken,
De alle tyt gaen klaffen yn der kerken.
Warnung für der Plauderey in der Kirchen

Dette er side tre (dvs. første side) af Wilhelm Mantels' bog, Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck, fra 1866. Bogen er i bredformat med tre spalter per side, men her bringes de tre spalter i forlængelse af hinanden.

Mantels starter med en generel gennemgang af Mariakirken og kapellet, hvor han bl.a. nævner billedet af de tre sladrende mænd (til højre).

3 A

Die Kapelle, in welcher der Todtentanz abgebildet ist, liegt an der Nordseite der Hauptkirche Lübecks, der Marienkirche. Man hat auch anderswo die Bemerkung gemacht, dass Todtentänze nach Norden als der dem Licht und Leben abgewandten Himmelsgegend angebracht sind. Dies ist der Fall in der Marienkirche zu Berlin, in der Klosterkirche Chaisedieu (Auvergne), in der Dominikanerkirche zu Strassburg; auch die ehemaligen Todtentänze des Kreuzganges von S. Paul in London und der Kirche von Cherbourg lagen gegen Norden.1)

Die Todtentanz-Kapelle gehört nicht in die ursprüngliche Anlage der Kirche. Denn diese umfasste nach der einfachen alten Kreuzform, wie sie sich auch in andern unserer Kirchen, z. B. dem Dom in seiner ersten Gestalt, nachweisen lässt, mit dem nördlichen Kreuzarm nur die Gallinenkapelle (die heutige neueste Sakristei) und die älteste Sakristei oder Gerwekammer, d. i. Gewand-Kammer, in welcher heute die Grablegung von Overbeck aufgestellt ist,2) samt den darüber befindlichen Räumen, in denen die Kirchenbibliothek, später auch die kleine Orgel Platz fand. Der entsprechende südliche Kreuzarm enthielt die Bürgermeisterkapelle und die Räumlichkeiten der Trese (der Rathsschatzkammer und des Rathsarchives). In beiden Armen führen an gleicher Stelle noch jetzt Wendeltreppen zu den obern Räumen, dort von aussen, hier im Innern der Kirche.

Dass die Kreuzarme ursprünglich keine grössere Breite hatten, lässt sich noch jetzt erkennen, wenn man die Pfeiler, welche die westliche Fortsetzung gegen die Kirche abgrenzen, mit den weiter ostwärts gelegenen vergleicht. Die Letzteren, auf den Stand innerhalb des Gebäudes berechnet, sind schmäler, jene, der äussern Kirchenmauer anfangs angehörend, dicker und mit Auslagen versehen. Man sieht noch an dem einen dieser Pfeiler in der Todtentanz-Kapelle theilweise die sog. Abdeckung, welche den Regen vom Mauerwerk ableiten sollte; derselbe Pfeiler hat oberwärts den jetzt völlig unter Dach befindlichen Ausguss des alten Kirchendaches. Desgleichen ist in der


1) Lübke. Der Todtentanz in der Marienkirche zu Berlin. Berl. 1861. S. 9.
2) Deecke. Die Freie und Hanse-Stadt Lübeck. 3. A. S. 11 verwechselt beide Kapellen. Es beweist aber, ausser dem bestimmten Zeugnisse v. Melle's u. A., das Wappen der Gallin am Schlussstein des obern Gewölbes über der neuesten Sakristei, dass hier die Gallinenkapelle gelegen habe. Vor dem Ausbau der Sakristei war sie auch im untern Raum durch die erhöhete Gruft noch kenntlich.


3 B

Westwand des nördlichen Kreuzarmes, der Ostwand der Todtentanz-Kapelle, vor Alters ein Aussenfenster gewesen, das neben der in dieses hineingebauten kleinen Orgel noch erkennbar ist.

Die Todtentanz-Kapelle bildet demnach die westliche Fortsetzung des nördlichen Kreuzarms, und durch sie führt heute der mittlere nördliche Eingang in die Kirche, welcher den Wohnungen der Geistlichkeit (der sog. Wehde oder Wedeme) gegenüber liegt. Der südliche Kreuzarm ist entsprechend verbreitert, und sein jetziger Eingang liegt mit dem entgegengesetzten nördlichen in einer Linie, bis zu welcher der Singechor sich ausdehnt.

Ursprünglich werden beide Eingänge weiter nach Osten in den alten Kreuzarmen gewesen sein, auch wird sich der Chor nicht so weit in die Kirche hinein erstreckt haben, ingleichen war die Absis hinter dem Hauptaltare kleiner.

Die umfangreiche Vergrösserung des Kirchengebäudes weist also auf einen zusammenhangenden Ausbau am Ende des 14. und in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hin.

Ueber denselben liesse sich durch nähere Erkundigung der Oertlichkeit und Zusammenstellung von Einzelheiten gewiss ein bestimmteres Resultat gewinnen: hier mag es genügen darauf hinzuweisen, dass mehrere grössere Stiftungen und Ausschmückungen der Kirche bald nach der Mitte des 15. Jahrhunderts zusammenfallen. So die Anlage der Sängerkapelle in der vergrösserten Absis 1462,3) des Todtentanzes 1463, der zur Sängerkapelle gehörigen kleinen Orgel 1482, Manches am Sängerchor u. s. f.

Für die Entstehung des Todtentanzes ist die genauere Zeitbestimmung der Erbauung der Todtenkapelle nur von untergeordneter Bedeutung. Jedenfalls fanden die Gründer des Bildes die Kapelle schon fertig vor, die, nach ihrer beträchtlichen Höhe von dem Gemälde nur im untern Raum ausgefüllt, gewiss nicht ausschliesslich für dasselbe hergerichtet ward.

Privatkapelle scheint sie nur in ihrem unmittelbar an die Kirche stossenden Theile gewesen zu sein, der vielleicht als niederer Kapellenausbau schon eher bestand und später als eine bis in die jüngste Zeit gebrauchte Sakristei abgesondert war. In demselben liegen zwei Grabsteine des Gerhard Oldesloe


3) Wehrmann. Die ehemalige Sängerkapelle, in der Zeitschr. des Vereine f. Lüb. Gesch. I. S. 366 372 fg.


3 C

und seiner Frau von 1405 und 1425. Uebrigens mag die Todtenkapelle zu gottesdienstlichen Zwecken verwandt sein. Die kleine Orgel, welche jetzt über der Gerwekammer mit der Fronte in die Todtenkapelle hineinsieht, hat diese Stellung erst 1547 erhalten, indem sie vorher, für den Privatgottesdienst der Sängerkapelle bestimmt, gegen diese nach Süden hin gewandt war. Es lässt sich aber kaum annehmen, dass man die Orgel der Kapelle des Todtentanzes zukehrte, ohne sie für diese zunächst benutzen zu wollen, zumal, wie noch heute ersichtlich, die Orgel nur in einem Theile die alte blieb, ein andrer sehr verbessert und erneut ward.4) Hätte man, wie es gewöhnlich heisst, sie, als in protestantischer Zeit, dem blossen Messaltardienst entnehmen und für den Kirchengesang der Gemeinde nutzbar machen wollen, so würde man ihr einen für den Schall passenderen Platz gegeben haben; ja die alte Lage an derselben Stelle wäre dazu tauglicher gewesen. Nun heisst es aber in den Kirchenbüchern, die Orgel sei damals "gegen dat Bichthus" gekehrt. Also diente die Kapelle als Beichtkapelle, wozu später die frühere Sängerkapelle genommen ward. Es stehen noch heute unter dem Todtentanz alte lange Bänke mit vereinzelten von höherer Lehne eingefassten Sitzen, die Beichtstühlen katholischer Kirchen nicht ungleich sehen. Die Lage der Kapelle bei der Sakristei und in der Nähe der Wehde machte sie besonders geeignet zu gottesdienstlichem Brauch. Noch jetzt versammeln sich hier die Confirmanden, um gemeinsam an den Altar geführt zu werden; früher wurden die Kinder vor der Taufe hier eingesegnet. Deshalb wird sie auch wohl Kinderkapelle genannt. Ein anderer Name, Plauderkapelle, von den räsonnirenden Beschreibern des vorigen Jahrhunderts mit Behagen angeführt, soll von der zum Schwatzen bequemen Lage der Kapelle, die früher förmlich ein öffentlicher Durchgang war, herstammen oder wird auf das noch heute dort befindliche Bild zurückgeführt, dessen wiederhergestellte niedersächsische Verse lauten:

Hyr an schoelen alle de gennen merken,
De alle tyt gaen klaffen yn der kerken.

Weitere Aufklärung über ihre Entstehungszeit und frühere Benutzung bietet die Kapelle selber nicht. Das Messinggitter, welches sie gegen die


4) Die Annahme, dass die jetzige Orgel ganz so aus der Katharinenkirche herübergekommen, welche sich auch bei Deecke a. a. O. findet, bezweifelt schon von Melle.

Kilde

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