Kienzheim's dødedans, Teksten

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Ung mand
Ung kvinde
Barn

Tre døde og en nar
Sendebud

Her er teksten fra dødedansen i Kienzheim. Teksten er taget fra Bruno Stehle's transskription (se link nederst), og det kan anbefales først at læse hans introduktion til den særlige dialekt, der tales i Alsace / Elsass.

Der er tre typer tekst. Tekst uden særlig baggrund er den detaljerede beskrivelse fra manuskriptet, tekst på mørkt papir er versene fra maleriet, men den brede stribe på lyst papir er de fodnoter, Stehle tilføjede nederst på hver side.

Folgt der Toden Dantz,
wie er zu Köntzen ihm
Kreutzgang stot.

O ihr Menschen kint, kummet all erbey
Vnnd lugkt, welchs der Herr vnd der knecht sey.
Denn got richt nach dem Recht,
Da ligt der Herr und auch der Knecht.

I. Einleitende Bilder.

1. Bild.

Hie goht der pfarher oder der predicant die Cantzel stëg1 hin vff, in einem v̈berück2 vnd mit der rotten sam̅atten stolen,3 vnd wil bredigen.


volgt im der dot nach die stägen vff vnd hinck4 vnd hat ein kruck5 vnder dem rechten arm, vnd ein stund glass,6 in der linken handt, treyt7 er embor im nach.

1Treppe zur Kanzel. 2Ueberrock. 3rote samtene Stola, eine lange, handbreite Binde, die bei dem Priester über beide Schultern und die Brust kreuzweise herabhängt. 4hinkt. 5Krücke. 6Stundenglas = Sanduhr. 7trägt.

Der Todt.

O Her, shrygend1 mit luttr2 stim
  Der tod kumpt vnd ist grim.
Ein yeder mensch weyst wol,
  Das er sterben můss vnd sol.
Ich verkündt vch3 zů disser frist,
  Dz4 yetzund die stundt bald vss ist.

Hie sitzen zwů altte nunnen oder bëgynen5 vnder der kantsel stëgen vnd schwatzen mit einander, hebt inen der tyffel6 die köpff zammen vnd wert7 inen die mucken8 mit einem muckenwadel.

Hie hebt der pfarher an zu predigen:

O ir lieben kind diser weit,
  Ir sollen ansënhen diss gemeld !
In gantzen trauwen9 Ich dz rat,
  Das ir betrachten sond10 den tod;
Dan eüch gesetz ist hie die stund,
  Wie, wann vnd wa, ist vch nit kundt.
Dise figur sollend schwowen:11
  Alt, iung, mann, vnd ouch frouwen,
Die müessen sterben alle gantz
  Vnd kůmen har an dissen dantz.
Dan keiner da kein vorthëyl hat,
  Der keyser mit dem buren gat,12
Der künig wyrt dem hirten gleych,
  Hinweg nympt der tod arm vnd rych.
Er schont keins adels noch gewalt,
  Kein gut hilfft noch hübschte gestalt,
Keyner kunst wyssheit acht er nit,
  Er lat13 nit ab durch yemantz byt.

Sanct Jheronimus: ist mit einem Cardinal hůt vntz14 an die brust gemolt, vnden an der spruch,

Darumb hand ruw15 vnd wirken bůss.
  Ehe lyb vnd sel sich scheyden můss !
V̈ber euwer sind habend leyd !16
  Nit setzen uwer lust nach freüd,

1schreiet. 2lauter. 3euch. 4dass. 5Nonnen oder Beghinen. 6Teufel. 7wehrt. 8Fliegen. 9in ganzer Treue, in voller Treue. 10sollt. 11schauen. 12geht. 13lässt. 14bis. 15habet, haltet Ruhe. 16Ueber euere Sünden habet Leid.

Vff1 gold, silber, gůt vnd gelt,
  Oder vff wolust diser welt !
Er spricht selber der götlich mundt:
  Wachend, ir wissend nit die stundt,
Zů wölcher der tod künpftig ist !
  Wol dem, der sich vor dar zů rist !2
Darumb sanctus Jeronymus
  Spricht vnd der heylig Bernhardus:
Ich lëss, ich schryb, in mynen orenn3
  So hör ich dz erschrockenlich hornn:4
Stond vff ir dotten für das gerycht,
  Christus dz vrtel selber sprycht;
Der wird eim yeden belonnung geben,
  Nach dem er hat gefüert sin leben.

Anno domini tusent fünff hundert vnd Sybendzehen Jar.

Sanctus Bernhardus ist mit blosem houbt,5 vnd mit einner schwartzen kutten gemolt vntz an die brust, wie ein augustiner münch.

2. Bild.

Hie heben an vil dotten vnd pfiffen den dantz an mit drumethen,6 mit scharmygen,7 mit zincken, mit hör hornn,8 mit gygen, Lutten, Hackbred, Lyren, mit Trumen vnd pfiffen, Busunen9 vnd hörtrummen;10 vnd ist einer do, der dylbt11 dz grab mit hougen,12 kerst vnd Schufflen vnd spathen, die andren tragen mit dotten boumen13 zü, vnd ist dz ir spruch,

Wol hër, ir herren vnd ouch ir knecht,
  Springnent hër bey, vom14 allem geschlecht.
Wie jung, wie alt, wie schon vnd kruss,15
  Ir müessen alle in diss dantzhuss
                Anno 1 · 5 · 1 · 7.

1Setzet euere Lust noch Freude nicht auf Gold. 2der sich zur Zeit (vor, vorher, ehe die letzte Stunde kommt) dazu rüstet. 3Ohren. 4das am jüngsten Tag erschallen wird. 5entblösstem Haupt. 6Trompeten. 7Schalmeien. 8Heerhörnern. 9Posaunen. 10Heertrommeln. 11gräbt. 12Hauen. 13Särge. 14von. 15schon vnd kruss = schön und kraus oder hässlich.

3. Bild.

Hie lüt ein todt im grab, ist vol schlangnen, krötten, würm, sagt den spruch, an einem langen zedel

Alless, dass das leben ye gwann,
Das muss den tod hann ! —

II. Eigentlicher Totentanz.

Hie vahet1 der Todt an vnd kumbt vnd sůcht einn yeden in sinem stand vnd mit sinem seyttenspyl, do mit das im2 keiner vss blipt, nach3 bapst, keyser, vnd köning, vnd fahet an dem heyligen vatter, dem Bapst, an, vnd goht ein nander nach, Alss man es harnach finden vnd hören würt.

1. Bild.

Hie kumpt der tod zů dem Bapst mit einem banner, zwein schlyssel dorin Crütz wiss, vnd ein stund glass in der rechten hand, ein harpffen in der lincken hand, vnd henken4 im die kutlen5 zu buch6 herruss vnd dryg schlangen zů dem hertzen haruss vnd zů denn sytten vnd zů den schencklen.

Tott.

Hayliger valter, ir send7 vor an,
  Billich mit mir den vor dantz han;8
Dan vch die höchste wirdigkeyt
  Vff dieser erd ist angeleygt.9
Vwer wirdi- vnd heiligkeit
  Můss sin zů dissem dantz bereit.
Hand ir uwern stand ghalten wol
  V̈wer heyligkeit das gneissen10 sol.

1fängt. 2damit dass ihm. 3noch (weder). 4 hängen. 5Gedärme. 6Bauch. 7seid. 8Billig habt ihr mit mir den Vortanz, den ersten Tanz. 9angelegt. 10geniessen.

Der Babst stoht mit alben,1 rot sammat Stolen, manipel,2 ein grüenen sammanten Leuiten rock, ein rotten sammatten manttel, mit hendschů, guldenen ring an den fingren, ein dryfeltige guldine Cron, ein stab mit einem zwyfeltigen guldinen Crütz.

1. Bapst.

Ain heilger vatter was3 ich gnant,
  In aller welt gar wol erkant,
Vmb gelt gab ich pfruond4 vnd abloss,
  Dess ist ietzund myn lyden gross.
O gott, durch din barmhertzikeit
  Min synd send5 mir von hertzen leyd.
Ich bit dich durch die güette din,
  Miner seien wellest gnedig sin.

2. Bild.

Hie kumbt der tod zů dem keyser mit einer trumeten, mit einem gëlen fenlen,6 mit dem adler am fenlen gemalt, vnd mit einem wisen sidenen binden vmb sich gewycklet, vnd ein grose krodt7 am hertzen sitzen.

Totd.

Nit verschmacht,8 keyser, myn gstalt !
  Es hat ein end vwer9 gewalt;
Apffel, Zepter, schwert vnd och kron
  Wirt ein anderen herren hon.
Lond varen uwer regimendt !
  Ir sterben hie, es ist am endt,
Lassent die welt, es ist min rat,
  Gott der her vch bereüffet10 hat.

Der keyser stot In Roten Hosen, vssgeschnitten schůhen, Greün sammat wambscht, ein langner rock, von einem guldenen stuck gemacht, mit guldenen knöpffen oder hafften, mit kostlichenn

1Albe, das unterste Amtsgewand des celebrierenden Priesters, aus weisser Leinwand bestehend. 2Ein reich ornamentierter Bandstreifen mit breiteren Enden, der bei der Messe an dem linken Arm getragen wird. 3war. 4Pfründen. 5meine Sünden sind. 6gelben Fähnlein. 7Kröte. 8verschmähe. 9euere. 10berufen.

fehen1oder marder gefiettert,2 mit einem yberschlag, mit einer guldinen ketten, einem guldenen apffel, einem guldinen zepter, ein guldin schwert, ein Schone guldenin Cron.

2. Keyser.

Witwen,3 weisen vnd land vnd och lyt4
  Hab ich in frid gehalten nyt;
Schatzung gelegt, vil krieg gemacht,
  Gemeynnen nutz selten betracht.
Des mir yetz leid ist in den tod.
  Barmhertziger, ewiger got,
Durch den bittren todt, den du leid,
  Verlich mym end barmhertzigkeid !

3. Bild.

Hie kumbt der todt zu dem Cardinal vnd schlecht5 sinen lincken arm dem cardinal vm sinen rechten arm, vnd sind im die schlangnen vm die bein vnd durch die macht6 geschloffen7 vnd by der weych hin nyn, by der brust haruser, vnd vmb den halss gewycklet, vnd krümbt dz mul, kert dz haubt von im die ougen, sitz der kopff vol kleiner krötten, treyt ein trumschyt8 swyschen den beynen oder füesen mit einer schwartzer syden binden vm den halss, der fysel bogen9 mit einem dottenbein.

Todt.

Her Cardinal mit uwerem hůt.
  Springet har nach, der dantz ist gůt.
Der bapst vor vch den reygen fyert,
  Mit im habend ir gereyertt10
In hohem stand die priesterschafft.
  Vom tod sind ir nun hie behafft,
Dan Ir von hynnen müesend kern,
  Ein andren dantz wil ich vch lern.

Der Cardinal stot in einer sammatten, rotten, langnen schuben oder rock, mit einem wisen kutzhut11 mit

1Hermelinpelz. 2gefüttert. 3Waisen. 4Leute. 5schlägt. 6genitalia. 7geschlüpft. 8trumschit = trumbelschit, monochordium, Fidel s. Lexer. 9Fidelbogen. 10geregiert. 11Hut von Fell, rauhem Pelz, s. Lexer.

kostlichem beltzwerck als die thumherren1 vnd graffen tragen, die wambst ermel von einem güldenen stück, in der mitten durch den rock gestossen, ein sylbren stab mit einen einfaltigen guldenen Creütz, ein roten cardinal hůt mit zweygen spytzen, mit einem langnen roten schnůr.

3. Cardinal.

Ich bin gesetz mit bebtstlicher wal
  Der römischen kirchen cardinal;
Den glouben christenlichem stand
  Solt ich han beschirmpt in dem land.
Do was nun myn babst yppigklich,
  Vil groser schenk2 nam er vnd ich,
Do von vnsser glouben zů goht,3
  O her, verlich vnsser selen raht !

4. Bild.

Hie kumpt der tod zů der keyserin vnd hat einen krantz vff mit rotthen grassbluommen4 vnd grifft sig mit der lincken hant an da vornan in der weichen vnd zeygt ir mit der rechten hant mit den zweygen fiertesten vingren vff zům rymen5 vnd stot mit dem rechten fůss vff einer kugel vnd hat ein lut vor in6 vnd ein hübsch wiss sydenen bing7 vier elen lang durch die bein vm die zwein arm vnd vm die schultern vnd halss.

Tod.

Gangend mir nach, frouw keyserin.
  Züchtig vnd styl,8 der dantz ist mein !
Der tod hat vch hie och beriert,9
  Der keyser vor vch den dantz fiert,
Geystlich, weltlich personen hoch,
  Die dantzen vch vor vnd ouch noch;
Vwer gold vnd ödelgestein
  Mag vch hüt10 gehelffen gar klein.

Die keyserin ist geziert mit einem wysen dammasten rock, mit IIII greüner atlassen plegen,11 die

1Domherren. 2Geschenke. 3zu Grunde geht (ging). 4Nelken. 5Mit den zwei vordersten Fingern auf zum Reim, Spruch, der über dem Bilde geschrieben steht. 6eine Laute vor sich. 7Binde. 8still. 9berührt. 10heute. 11Plege = Belag, Verbrämung.

Ermlen zerhogen1 vnd vntz an die Elenbogen mit einem guldinen stuck vnd hinder den Elenbogen einer handbreit ouch, vnd mit einem kleinen guldinen kettenring vnd ein grosse mit zwyfachen grossen guldenen ringnen, durch ein nander gegossen, guldene bengnel2 vff dem halss mentlin vnd guldinen agnus dei oder zeychen, ein grossen guldinen gürtel vnd schů mit wissen ingesetzten leplen, ein guldene gdoppeltte Cron vnd weint.

4. Kejserin.

Min mechtig guot vnd ödel zier
  Mag gar lutzel3 gehelffen mier.
O todt, wie grim ist din gestalt !
  Du nymst hinweg glich jung vnd alt.
Min ödel gstalt vnd guldin Cron
  Mag mich entledigen nit da von.
O her, verzych mir min sinde gross,
  In dz ewig leben mich loss !

5. Bild.

Hie kumbt der tod zu dem künig vnd hat ein pfiffen fuotter an vol pfiffen vnd hebt den rechten fuoss vff hindersich an den arss vnd pfyfft im vff dem zincken, Buck4 den buch fir sich vnd den kopf hinder sich, dz im die kutlen zům buch harusser gond.

Todt.

Mechtiger künig, lond5 vwer rych !
  Ir miessen sin den dotten glych;
In mynen arm sond6 ir gryffen,
  Ein neüws lied wil ich vch pfiffen.
Darumb gond7 bald an den reyen,
  Hie tantzend geistlichen vnd leyen;
Künig, trettend mir nach vff dem fuoss,
  An diesen tantz ein yeder muoss.

Der könig ist bekleidet mit wiss vnd roht geteilt hosen, vsgeschnitten schů, ein langnen greünen sammatten dammasten rock, die arm durch die Ermlen gestossen, die wambst ermel von einem

1geschlitzt. 2wohl Bänder. 3wenig. 4beugt. 5lasset 6seid. 7gehet.

guldenen stuck, ein lang breyt schwert mit einem guldenen ort band1 in der mitten alss lang dz besteckt ist alss mit gold beschlagen, Crütz, knopff vnd mittel alss mit golt, ein guldenen apffel, ein gulden zepter, ein guldin Cron, ein langs goltzs gelss,2 kruselechs hor,3 ein gross vnd ein kleine güldenen ketten mit gedoppelten breytten ringen, dz hembt mit einem güldenen kragen.

5. King.

Mit kingis gewalt vnd gantzem krafft
  Hab ich geregiert mit herschafft
Gar manig ior. Nun sich4 ich wol.
  Das ich ietzt sterben můss vnd sol.
Was hylfft nun alles, das ich hon !
  Der tod sprich,5 Ich müess mit im gohn.
Barmherziger, ewiger gott !
  Hilff mir vss disser grossen nott!

6. Bild.

Hie kumpt der todt zü dem bischoff vnd nimpt innen by einem schlempen6 am bischoffhůt mit der lincken handt vnd zycht inen zů im vnd wil im etwaß sagen; vnd mit der rechten hant by sinem rechten arm vnd spert dz mul wit vff, daz man im alle zën7 im mul sicht, vnd schlang in ein recht or mit dem kopff zů der gurgel harus, hat iren wadel vmm iren kopff gewyckelt vnd ein8 schwartz krot zü dem halss haruss vnd ein schlang zu der lincken brust mit dem kopff vmm den rechten arm gewyckelt vnd stont im die rip oder buch gar offen, von der brust vntz zů den beynen ist im ein schlang vmm beyde schencklen gewickelt, hat ein orgel zwyschen den knugen9 vnd den füessen vnd trydt10 dem byschoff vff die alb am Leuiten rock.

Nun kumendt her in vwer grab,
  Bischoff, lond ligen eüwren stab;
Den man eüch vor hat getragen!
  Neüwe mëhr11 will ich vch sagen:

1ort-band — eisernes Band an der Spitze der Schwertscheide. 2goldgelb. 3krauses Haar. 4sehe. 5spricht. 6Schlempe = metallenes Scharnierband an Zimmer- oder Kastenthür; dann die Schliessen an Büchern und Gürteln; hier metallene Schnalle am Hut 7Zähne. 8lies: ein schlang ins? 9Knieen. 10tritt. 11Neue Märe.

Vwern gwalt yetz yber geben,
  Nit lenger lass ich vch leben !
Dan vch ist gesetz yetz das zyl,
  Der Tott nit lengner beyten1 wyl.

Der byschoff stot Trurenklich2 mit geneygtem houpt gegenn dem tod mit v̈ber ein ander geschlagenen henden an sin hertz, mit schwartzen schuhen, mit wissen alb, mit greünem sammatthen leuiten rock, mit rottem sammatten Chormanttel, rottem byschoff huot, mit goldt vnd edelem gestein, ein rotthen stab, mit einem wysen nasen deychlin,3 mit einem kugelechten und radechtigen4 guldenen gelen knopf, den Chormantel mit guldenem vnd edel gestein, den schlempben5 zweyer fingner breyt, do man dovornen die hafften in tuoht.

6. Bischof.

Min bistum vnd guldin stab schon
  Wolt ich gern beydt varen6 lon,
Umb das ich leben blyb allein
  und mich von sinden machen rein.7
Mit wolust der welt mich ergetzt
  Min priester gar offt geschetzt,
Dar zů zwang mich der gytt,8
  O her, verlass mich nytt !

7. Bild.

Hie stoht der tod dyr9 vnd nacket by dem hertzog vnd kört im dem10 rucken vnd hept den lincken fůss hoch vff vntz an den arss vnd byt11 dem hertzog die hand hinder sich vnd nympt den hertzog by der rechten handt vnd hat einen grossen zincken in der lincken hand hoch über sich vnd hat einen kleinen zincken zwyschen im vnd des hertzogs füessen ligen vnd hat einen kalen kopff vnd ein wenig hor vnd kurtz, alss wer es ime vsgefallen, vnd hat dz mul offen.

Tott.

Hërtzog, von adel hoch geborn,
  Ich pffiff vch vss mynem horn

1beyten, biten, mhd. = warten. 2traurig. 3Nastüchlein, 4also kugel — radrund 5Schnalle am Chormantel. 6Fahren. 7auf dass ich allein leben bliebe und mich von Sünden rein machen könnte, 8Geiz. 9dürr. 10den. 11bietet.

Myn lyed, das ir miessen sterben.
  Wöllend ir nit ewig verderben,
So rieffend got an,1 es ist zyt,
  Lengner werden ir leben nit;
Dan ir och herendt2 in dz spil,
  Der tod mit vch dantzen wil.

Hie byd im3 der hertzog die recht handt vnd hat zwein linsch4 wisen hosen an, ob den knügen5 ein wenig zer schnetzlet, mit wisen syden gefüettredt, zwein vssgschnitten schů, ein wolckes6 wiss damasten wambst; ein lyb farwen vnd greünen langnen sammatten rock mit langnen Ermlen, ein lang schwert zwyschen den beinen, mit golt beschlagen, ortband, mittel dz besteck, Crütz, bogen, knopff, dz wambst vnd hembt, einen guldinen kragen, der rock mit drygen7 rotten sammattenen plegen oder gebrembt, ein gstrickte guldein hub,8 ein rot sammat barreyht9 mit einem guldinen langnen schnuor, ein guldene ketten vm den halss zweyger zwërch finger breygt, der rock mit schwartzen sendel10 gefietterdt.

7. Hörtzog.

Ich hab alss ein hertzog ehren wert
  Nit lang gereygert11 mit dem schwert:
Durnieren,12 stechen, beissen,13 iagen,
  Was kurtzwil hiess, wolt ich haben;
Da mit min zyt ver tryb14 ich hie.
  An sterben gedocht ich nie.
O her, din gnad von mir nit wend,
  So min leben hie hat ein endt !

8. Bild.

Der tod wil den graffen vnd rytter mit der lincken hand an gryffen; so hebt der groff im die handt vnd stosset sie ime dart ussen, vnd wert15 im, er sol inen nit angriffen; hat der tod noch ein wenig wiss hor vff dem kopff, alss ob er es lang nit gestrelt16 hatte,17 ein schwartze krot zů dem rechten

1so rufet Gott an. 2gehöret. 3bietet ihm. 4leinene (lündischce) 5Knieen. 6wolkiges 7dreien. 8Haube. 9Barett. 10Sendel, Zindel, ein indischer Seidenstoff, sowohl für sich, als auch zu Unterfutter gebraucht. 11(ge)regiert. 12Turnieren. 13beizen (= mit Falken jagen). 14vertrieb. 15wehrt. 16gestrählt, gekämmt. 17hätte.

backen harus, ein jëger hornn1 mit einer sydnen schwartzen bynden am rucken hangnen, ein schlang vm den rechten arm, alss lang er ist, ein todten bein oder schenckel, in der rechten handt, wolt den graffen mit schlagen, hencken im die derm da vornen zům buch haruser vnd got mit dem rechten knüw2 vff einer hiltzenen styltzen,3 hat den fůss hinden vs hencken, streckt sinen lincken zwischen des rytterss linken fuss.

Tott

Wolgeborner graff vnd rytter zart,
  Kumen mit mir zu disser fart !
Vwer leben hat hie ein end,
  Darum byettend mir eüwer hend
Vnd springend vff, doch nit zu hoch,
  Vwer diener kument har nach;
Vor vch synd vil hin gefaren4
  Der totd thuot niemantz sparen.

Der groff vnd Ritter stot jung, hübsch vnd strack vffrecht in gelen5 hosen vnd vssgeschnitten schůhen, einem rotten sammatthen rock, mit einem v̈berschlag, vnden mit einem Som,6 einer hand breyt, mit blouwen sammat, den rock zů gegyrtet vnd dz schwert an der lincken hand vnd sythen vnd mit golt beschlagen, ortband mitten knopff alss besteckt, Crütz vnd bogen vnd ein gel dammasten wambst vnd stost dem tod mit der rechten hand, er sol inen nit an ryerhren,7 dz hembt oder wambst mit einem guldinen kragen, ein gedoppelte krume guldene ketten mit grossen ringnen, ein kurtz Cruselechten8 falben bart, ein blüwe9 sammathen hub,10 dz har darin in gebunden, ein gels zerschnetzlet sammat bareyt vff.

8. Graff und Rytter.

Ach got, von hymmel thuon so wol,11
  Syt dan ich sterben muoss vnd sol.
Verzych12 mir, her, myn sinde gross,
  Die ich stätt13 one wyderlass14

1Jäger- oder Jagdhorn. 2Knie. 3hölzernen Stelze. 4Vor euch sind viele hingefahren. 5gelben. 6Saum. 7rühren. 8kraus. 9blaue 10Haube. 11slid so gut! 12Verzeih. 13stets. 14Unterlass.

Betryben han in mynem můtt1
  Mit hoffart vnd mit grossen gůt.
An den tot gedacht ich seltten,
  Dz loss min sel nit entgeltten.

9. Bild.

Hie stot der tod gegem dem apt vnd hept dz linck bein hoch hinder sich hinder dem rechten bein vff vnd streck den grossen zehen v̈ber andren zehen alle, vnd am rechten fůss hat er ein spilbret ligen wyss vnd schwartz, vnd man sich im alle ryp2 vnd drig schwartzen thierrer3 zům hertzen haruss vnd vmb die gurgel vnd buck sich mit kopff wit hinder sich vnd hat dz mul wyt vff vnd ein horn in beyden henden vnd blosst es v̈ber sich, vnd ein grosse greüne frosch krücht4 im zů dem rechten or haruser, der kopff da vornen kal, dohinden henck im grauw oder wiss har dran.

Der Todt.

Her abt, im geistlichen orden,
  Ir sind mir ouch zu theyl worden.
Gehorsam, armůt vnd kyscheit5
  Darumb gelobt ein harten eydt;
Hand ir ein geistlich leben gefiert
  Vnd euwer minch6 wol geregiert.
Das kumpt v̈ch am lötsten7 gar wol,
  So vwer sel sich scheyden sol.

Der abt ist ein altter, starcker, langner, feysster, dycker, grouwer man, hat ein langne schwartze kut an mit witten grosen ermlen, ein wyss wambst Ermel, hat ein rotten stab mit einem sylbren krummen kopff oben vff vnd ein wiss nasen dyechlin8 dz houbt beschoren, aber die Cron oder blat gar grauw vnd winck dem dotten mit der rechten handt oder verspricht im, er hab sinen stand nit gar wol gehaltten.

9. Der Apt.

Minen mynchen hab ich gebotten hie,
  Dz ich selbs hab gehaltten nie.

1in meinem Mut, Sinn betrieben habe. 2man sieht ihm alle Rippen. 3Tiere. 4kriecht. 5Keuschheit. 6Mönche. 7letzten. 8Nasentüchlein.

Gantz schwer was1 mir myn metten gon,2
  Singnen, lesen, betten, mess hon
Zů aller zyt was wider mich;3
  In weltlicher freüd da lebt ich;
Die regel, als sie gebotten ist,
  Hieltte ich nit, dz mir yetzund leid ist.

10. Bild.

Hie stot der todt am ruck4 vffrecht vnd hat nit dan dyrre ryp an in,5 hebt den rechten fuoss vff vnd krimbts6 vnd stelt den rechten fuoss an sin linck knůg,7 vnd hat ein hörtrummen8 davornen an in9 hencken vnd henck dz mul wyt herab, sperts wit vff vnd hat ein gross dottenbein in der hand, do mit er die trumen10 schlecht,11 hepts in der rechten hand hoch v̈ber sich vnd nympt dem kyrrysser oder stritbaren man sin hallenbarten obenan by dem spytz.12

Todt.

Ir fechter von weltlicher rytterschaft an,
  Ir miessen an dissen dantz gan !
Hand ir gehalten stritberschaft13
  Nach eren,14 recht, fůg vnd vs krafft
Oder hand ir sunst15 wyder recht
  Gethon oder uwer knecht,
Das werdend ir gar hart biessen;16
  Dan ir och mit mir hin miessen.

Der stritbar man17 oder ein kyrisser18 von houbt an vntz zů der erden, die schů, hend, fiess,19 Stot dapffer vff recht vnd thůt den helm v̈ber sich und hat die hallenbarten in der rechten hand hart am rechten fuoss vff der erden ston vnd stelt sich hart an oder gegem dem todten vnd sicht inen kecklichen vnd manlichen an, hat ein lang schwytzer20 schwert in der lincken hand mit golt beschlagen, dz ortband, dz besteckt, dz krumm schwitzer krütz hat kein byeglin, einen guldenen knopff.

1war. 2Die Mette ist die auf 3 Uhr früh fallende hora canonica. 3war mir widerlich. 4im Rücken. 5sich. 6krümmt ihn. 7Knie. 8Heertrommel. 9sich. 10Trommel. 11schlägt. 12bei (an der Spitze) 13stritberschaft halten = kämpfen. 14Ehren. 15dagegen. 16büssen. 17zum Kampf gerüstet. 18Kürassier. 19gewappnet. 20Schweizer.

10. Ein Strybar oder gantz kyrysserer mann

Ich hab myn störck vnd stritberschaft
  Nit gehaltten nach myner macht,
Mit krieg zefelt1 vnd mit rythen
  Wua ich ye was in den strytten.2
Den armen man ich alzyt3 beroubt.
  Wie wol kein recht mir das erloubt,
Sie zů beschirmen thet ich nit:
  O got, dz clag ich zů disser zit.

11. Bild.

Hie ist der todt gantz nacket vnd bloss vnd nit offen vnd rippechtig4 wie die andren todten vnd hat den pfarher by einem flügel erhëscht5 am v̈berryck oder Chorhempt vnd kert sich vm vnd hat den fligel v̈ber die beyde asslen6 geschlagen vnd wil mit ime daruon mit der rechten hant, vnd ein grose schel in der lincken handt vnd klinglet dem herren har noch, hat dz mul wit vff, man sicht ime alle zën,7 hat noch har am kopff, hebt dz linck beyn hoch vff, setz den fůss vff dz recht bein, vff die mittel ob dem knüg8 vnd dantz mit im darvon.

Todt

Ir sind geheissend9 ein pastor,
  Her kirchher, spryngend vff entbor,
Dantzend hër nach, nit kert vch umb !
  Vwer beneficium und curatum
Hilffet vch nit, das wissend schnell,
  Dan ir haben böse exempell
Vwer schefflin gewisst10 vnd gelert.
  Der kirchen guot vnnützt verzert

Dissen rymen11 sagt der tod zům moler

O moler, liebster maler myn,
  Virwar12 du must ouch myn gsell syn !
Dass malen solt du ligen lon
  Du solt ylentz13 Mit mir hyn gon

1zu Felde. 2wo ich je im Streite war. 3allzeit. 4rippig, die Rippen zeigend. 5erhascht 6Achseln. 7Zähne. 8auf die Mitte oberhalb des Knies. 9ihr seid geheissen. 10von weisen. 11Reim, Spruch. 12Fürwahr. 13eilends.

An dissen tantz, das sag ich dir,
  Nit anders dan glych werden mir.

Der pfarher sicht trurig vff gon himmel, hat schwartze schů vnd rock an, ein yberyck, ein hochs kugelechtzs1 alt pfaffen heütlin vff, ein sammatten rotten stol, ein kruselechs,2 gelb, lang hor vntz für die oren, hat ein bethbuoch mit schwartzem leder v̈ber zoghen in der lincken handt, die recht hand an der brust.

11. Pfarher.

O hörter3 tod, du grimmer man,
  Mag ich nit fristung vor dir han?
Ich hab myn schefflin gewisst4 hin
  Ein weg, den ich nit gangnen bin.
Solt ich aber lengner leben,
  Ich hofft, got würt mir gnad geben,
Das ich büesste die sinde min.
  O gott, wöllest mir gnedig sin !

12. Bild.

Hie stot der dot gantz rippig vnd dyr,5 ist nit dan bein an im,6 kört dem doctor den rucken, man sicht im alle sin zen oben, vnd ist kein lefzen7 do, kert sych mit dem halss hindersich zu dem wasser besehen,8 hat auch ein plerr vff oder ougen spiegel9 vnd hebt dem doctor dz glas hoch vff mit der lincken handt, dz der doctor sol dz wasser besehen, vnd hat er dryg schellen brydschen10 in der rechten hant vnd schlecht im zů dantz mit vff sim dotten kopff, vnd goht im ein schwartze krot zů dem rechten backen haruss vnd hat ein an der stirnen an der brydschen vnd hebt den rechten fůss vff halber knig an den lincken schenckel.

Tot.

Her doctor, mit uwer medicinum11
  Erlang12 ir hie gar klein gewinn;
Vch hilfft nit sarop, wasser sehen,
  Es ist gantz vmb vch geschehen.

1kugelähnliches 2krauses. 3hart. 4meine Schäflein hingewiesen. 5dürr. 6ist nichts als Bein (Knochen) an ihm. 7Lippen. 8um das Wasser zu besehen. 9Brille. 10ein Instrument. 11medicinum eigentl. Medizin wegen des folgenden gewinn. 12Erlangt.

Ir miest sterben, ich bin der todt,
  Der kein mensch die lengne hie lodt.
Dar vmb lond vwer glas ston,
  Zů tantzen schlag ich die schellen schon.

Der doctor hat zwein schwartze schů vnd bandofflen an, ein langnen rotten rock vntz vff die schů, ein schwartzen gyrtel, ein spiegel fůtter am gyrtel, die arm durch den rock ermel gestossen, den rock vmb sich gegyrtedt, hat zwey knebfflen, schwartz wambst ermel, davornen ein knöpfflin, am elenbogen nit zů genegt, hebt dz glass in der rechten hand vnd die linck hand vnden am glass, riert ers an mit den vordren gleychen,1 hat einen ougen spyegel vff, ein rot, hochs, kugelecht bareyt, ein lang grouw oder wiss hor, ein doctor vff 60 jor alt.

12. Doctor.

Ich hab mit mym wasser schwogen2
  Geholffen man vnd ouch frouwen
Von siechtag, kranckheit, bresten3 vil.
  So nun der todt mich holen wil,
Dan ich nit wisse einen fund,4
  Der mich frysten mocht ein stund;
Die artzeny kund ich nie finden,
  Dz ich den tod möcht überwinden.

13. Bild.

Hie kumpt der tod zů eynem barfůsser minch vnd erhescht inen mit der lincken handt by der kutten oder kappen vff der rechtten achsslen vnd hat in der rechten handt ein zitglöcklin oder wöckerlin vnd zeygt es dem herren; dz kin henck5 im herab, man sicht ime alle zën, hat den lincken fůss dem münch gar für die beyde fües vnd kutten gehept, er můss mit ime gon, oder muss im v̈ber den fůss fallen, solt er vnsenig6 werden, hat den lincken schenckel so wyt gestreck, dz ime die dërm vnd kuttlen gar harusser vallen vnd hangnen, ist ein altter mynch.

Totd.

Geystlicher vatter, kumpt an mynen tantz !
  V̈ber geben haben ir die weit gantz

1Fingerglieder. 2schauen. 3Gebresten. 4Da kenne ich keinen Fund, der mir auf eine Stunde das Leben verlängern könnte. 5Kinn hängt. 6unsinnig, thöricht (sich zu wehren).

Mit allem, das got zů gehert,
  Hand ir vch alle zit zů gekert,
Betten, wachen was vch ein freid;
  Wyllig in aller gehorsamkeid1
Ir all zyt warend, das sag ich eüch,
  Verdient handt ir das ewig reych.

Der Barfůsser her hebt die hend zamen vnd dancket got, hat die kap hindersich gethon vnd stot mit blosem houbt, beschorenen kopff, ein graug har,2 ein grauwe kut, einen seylenen gürtel3 mit knöpffenn, zer schnitten schuo, wie dan die franciscus vetter4 tragen.

13. Barffuosser Münch.

Ich danck dir, ewiger gott,
  Das ich hab gehaltten din gebott
Vnd also jung in Minen orden
  Zů tugend bin gezoghen worden.
Darumb du mir nur bist ein trost,
  Von aller pin bin ich erlost.
Ich bit ouch gott für die alle schon,
  Die mir gotzs5 hie hand gethon.

14. Bild.

Hie gryfft6 der tot den schultheyss mit der lincken hand vnder dem kin an die gulger7 vnd kert dz mul harumer zů dem schultheiss, hat vnden keinen kyffel,8 nur obenand zën, ein grose schlang vmm den halss gewyckel, hat dz mul wit offen, die zung streck sich gegen dem schultheyss, ein krot am rechten backen sitzen, der todenkopff hat noch ein wenig har da hinden hencken vnd zeygt mit zweygen finger9 mit der rechten handt im v̈bersich an den rymen,10 hat ein lyr11 mit einem schwartzen sidenen binden am halss hangnen, stot krumb mit dem lincken knüg, ryert12 dem schulteyssen den rock ann, den rechten fůss hebt hoch vff, hat innen vff dem lincken beyn obend des knüeg13 ligen.

1Gehorsam. 2graues Haar. 3Gürtel aus einem Seil oder Strick bestehend. 4Väter. 5Gutes. 6greift. 7Gurgel. 8Kiefer. 9mit zwei Fingern. 10zum Reim oder Spruch. 11Leier. 12rührt. 13Knie.

Tod.

Her, der schultheyss vnd ein amptman.
  Die gemein wurt vch har noch gan !1
Hand ir dem armen man vnd dem rich
  Gehalten recht vnd geurteylt glich.
Das kumpt nun uwer selen wol,
  So sie von hinnen scheyden sol.
Hant ir aber yemantz beschwert,
  So würt üch ouch ein vrteyl hert.2

Der schultess ist ein 60 ior man alt,3 hat ein schwartss kugelechtzs bareyt mit föhen4 beltz gefüetterd vff, einen langnen schwartze rock mit föhen gefüetterd mit einem föhen v̈berschlag, hat die arm durch die ermel gestossen; der rock got vntz vff die schů, hat zwein schwartze schuo an, zwei daffart5 wambst ermel, leyt sin recht han dem toden vff die linck asel,6 als wolt er in gern wegck stossen, mit der lincke hand hebt er im den arm, dz er im die gurgel nit erwürgeht

14. Schultheis.

Ich bin gesin schultheyss mannig jar;
  Es ist mir leid, dz sag ich für war,
Ich nam schencke,7 klein und gros,
  Mancher es am rechten gnos.8
Durch gaben kumpt mancher vir;9
  Wer nitz brocht, der bleyb vor der tyr.
Nun hat myn gwalt ein end,
  Got mir sin gnod von himel send.

Hie stot der moler gmolt vntz an die hosen.

Du bitterer todt, ich ways10 wohl,
  Dz ich sterben můss vnd auch sol;
Dann von anfang der welt din gwalt
  Hastu gefüert v̈ber jung vnd alt.
O maria hilff MIR gnad erwerben
  Vmb myne sind, so ich thůn sterben.

1die Gemeinde wird euch hernach folgen, gehen. 2so wird euch auch ein hartes Urteil zu teil. 3ist ein 60 Jahre alter Mann. 4Hermelinpelz. 5Taffet. 6Achsel. 7Geschenke. 8Mancher es an seinem Recht spüren musste. 9vorwärts. 10weiss.

15. Bild.

Hie kumpt der todt vnd klinglet dem burgermeyster1 voranen mit einem dotenbein, hat dryg ring am yssenen dryg spitzigen klinglen, kört im den rucken vnd sicht mit dem kopff hinder sich, hat ein breit wit mul, man sicht im alle zën vnden vnd oben, hat ein schwartze muss2 an der stirnen, der lip3 gantz ryppig, hept dz linck knůg an das recht knyg hoch mit dem fůss dohin auff und dantz im voranen.

Tod.4

Statmeyster vnd lieber rahther,
  Vch schlag ich vor den klyngler;5
Den6 gemeinnen nutz der staht7
  Man vch ein ampt verluhen hat;
Vnd8 allen bůrgern hylff und rat
  Mit zů teylen, wu es thůt not,
Ir der gemeyng zů sind geben.9
  Ein End hat hie euwer leben.

Hie stot der der Burgermeister in schwartzen schůhen mit einem v̈berschla dohinden, schwartz hosen, ein ziegelfarben rock mit vier falten, do vornen mit einem hafften, einem schwartzen kullen zypffel,10 ein gross hyltzen pater noster11 in beyden henden vnd zicht die ringler eins nach dem andren, vnden ein hylzen Crützlen am pater noster, ein lang gel hor vntz für die oren herab, ein schwartzen spytzen füllzhůt vff.

15. Shtetmeyster vnd rohtzher.12

Der eygen nutz so lieb mir was,
  Des gemeynnen nutz ich vergass.
Den burgern was ich nit gemein
  In rahtzs wyss gross oder klein;
Vs nyd, hass, gunst, früntschaft schlecht
  Hab ich geroten wider recht.
Doch bit ich dich, du zarter got,
  Beheüt mich vor dem ewigen dot.

1Soll heissen Statmeyster oder rahther; s. unten. 2Maus. 3Leib. 4fehlt im MS. 5das Glockenspiel. 6Zum. 7Stadt. 8Um. 9Um allen Bürgern . . . . . seid ihr der Gemeinde zugegeben, zugeteilt. 10Mantelstück, Pelerine. 11Rosenkranz aus Holz. 12Stettmeister, Bürgermeister und Ratsherr.

16. Bild.

Hie stot der tod krump mit beyden knygen vnd bygt1 sich hinder sich mit dem rucken vnd den buch für sich gegen den statschryber, dz im die kutlen vnd gderm2 vnder die bein hencken; heb dz linck bein vnd knyg hinder sich vff vntz yber dz recht knig vnd bück dz recht knig och vnd hebt einen wisen zedel3 in beyden henden, die linck oben, die recht vnden am zedel; henck ein kinds dotten kopff dran vnd hat zwey kleine todten bein Crůtzwiss yberzwerch im mul in den zennen; hat am rechten arm ein langs dotten bein zů einem schrybzüg, ist ein knüg schenckel, hat zwů fedren im schrybzyg, hat einen dotten kopff zů einem dynten hernlin,4 henck an eynem schwartzen sydenen schnůr vnd hat zwuo storcken fedren5 im hörnlin stecken; hat ein wyt mul, man sicht ime die gurgel im mul vnd alle zën; geht im ein krot zů der Nasen haruss vnd by dem rechten or loch ouch ein krot und hat noch har am kopff, aber nit vil, ist am kleinen zedel geschriben: Ich sag dir, in kurtzer frist der todt dir nach ist, du sin eygen bist,

Tod.

Stat schryber, vwer ist ouch gedacht !
  Hand ir bappir vnd dintten bracht?6
So schryben an,7 dz ir vil gelt
  Genummen hand hie in der welt
Umb klein brieff vnd verdienten lon;8
  Am firtag9 seltten zů kirchen gon.10
Die dintten, feder vnd bappir
  Verdiennen dar durch dz höllisch fiir.

Der statschryber hat ein kragen hempt11 an, dz har in einer guldene hub12 gebunden, ein gels hor, kört dz antlit13 von dem totten, hat ein rot pareyt14 vff mit schwartzen sydenen bengnel15 vm zoghen, hat einen langnen rotten

1beugt. 2Gedärme 3weissen Zettel. 4Tintenhörnlein, so genannt, weil man ein hohles Horn als Tintenfass benützte. 5Storchenfeder. 6Habt ihr Papier und Tinte gebracht? 7So schreibt an. 8Für das Schreiben kleiner Briefe und an Stelle des verdienten Lohnes habt ihr viel Geld etc. 9Feiertag. 10ginget ihr.11Hemd mit Kragen, 12Goldhaube. 13Antlitz. 14Barett. 15Bändeln.

rock an vntz an die waden, lot die ermel hencken, die arm durch gestossen, hat ein gel fuotter, ein greün atlass wambsthbt ermel; er dyttet1 dem totten vff den wisen zedel mit der rechter hant mit den findren,2 er sol schwygen;3 hat in der lincken hand ein bermendt4 zammen gwycklet vnd ein schrybzyg, hat zwein greün hosen an, zwein vssgeschnitten schuo mit rincken.5

16. Der her Stahtschryber.

Wann myner dienner vnd substitud
  Mir volschryb ein bermente hut,6
Ein grossen gwyn ich dauon nam;
  Wan mir ein schlechtzs bürlin7 kam.
Dem da was sin seckel vol,
  Der bezalt mir ouch min dintten wol.
Es ruwget8 mich vnd ist mir leydt,
  Ich begehr von got barmhertzigkeydt.

17. Bild.

Hie kumpt der todt zů einer Bürgerin, eines rychen mans frouw, hat die bein oben hart an ein nander mit gebuckten knigen,9 alss ob er tantz, grifft die burgerin mit der lincken hant an vnd nympt sig by dem lincken arm vnd wil sig mit im füeren, gonth im die kutlen zu dem nabel vnd zům buch haruser, hat zwey höltzer vm sich gebunden, dz er dz hackbred doruff leygt oder treygt,10 hat einen schwartzen yssenen klypffel vnd schlecht ir zů tantz vff dem hackbert vnd kört dz mul von der frouwen, hat dz mul wyt vff, man sicht im alle zënn vnd ein schlang zů dem lincken orloch hin nyn zům mul haruss halber, hat dz mul wit vff vnd streck ein spytzige zung haruss.

Tott.

Frouw burgerin, hebt vch vff hoch
  Vwern rock vnd dantzen mir noch!
Vweren guldinen knopff vnd goller11 schon
  Werden ir müessen ligend lon;

1deutet. 2Fingern. 3schweigen. 4Pergament. 5Ringen. 6Wenn einer meiner Diener und Vertreter mir eine Pergamenthaut vollschrieb, einen grossen Gewinn ich davon nahm. 7einfaches, schlichtes Bäuerlein. 8reuet. 9mit gebeugten Knieen. 10legt oder trägt. 11Kragen mit goldenem Knopf als Zierrat.

Wan hie hylfft weder gelt noch gůt,
  Vwer hoffart vnd stollzer můt,
Sag ich, es hylfft üch nit in warheyt,
  Ze dantzen seyend bald bereyt.

Hie stot die burgerin mit zammen geflochten henden, ein rot crallen pater noster1 mit einem sylberen bissen2 knopff an dem pater noster, an beyden henden ein schwartze schub3 vntz vff die erden, zwein schwartze schů, ein rot samatten, guldenen gyrtel, ein sammaht goller mit einer föhenen brog4 mit zweygen guldenen knöpffen oder hafften, Einen gelen schlieger5 vmb dz kyn mit einer guffen6 an der lincken sytten an gehafft, hangt ir davornen harab vntz an den gyrtel vnd sicht den dotten dapffer an.

17. Die Bürgerin.

Min hoffart vnd schönen gestalt
  Myn man gar offt im huss entgalt,
Sin ybel zyt vnd hört arbeyt
  Hat er all an mich geleyt.
Allein dz ich zů kyrchen vnd stross
  Stoltz inhar kamm, das acht ich gross.
Es ist mir leyd vnd ruwet mich serr,
  Biss mir gnedig, almechtiger herr !

18. Bild.

Hie kumpt der tod mit einem gantzen plutten7 kopff, ein langne gurgel, hat nur die iiii zën oben, man sicht im alle ryp gar woll, nimpt den waltbruder by der rechten hant mit syner lincken hand, kört sich besytz8 zů im, alss wolt er ime etwas sagen, hat ein Crucifix in der rechten hand an der schultren, hebt den rechten fůss hinder sich vff hinder dem lincken bein schier byss in die dycken9 hyn vffen, doch fart er für vnd vir, alss wolt er fürsich tantzen.

1Pater noster oder Rosenkranz aus Korallen. 2weissen (silberweiss)? 3Schaube = weites, langes Ueberkleid. 4Besatz. 5Schleier. 6Stecknadel. 7bloss, nackt. 8seitwärts. 9wohl Oberschenkel.

todt.

Brůder, kum har mit dinem stab,
  Ich will dir zeygen och din grab;
Hastu dich gehalten in gedult
  Vnd in sinden nit verhult,1
So würt dir fürbas rouw2 geben,
  Im ellend hast gefiert din leben;
Do durch du hast verdient schon
  Im hymmelrich den ewigen lon.

Der waltbrůder stot in einem langnen grouwen rock, oben ein kap dran, got buckelecht,3 gwyllig4 gegen dem Tod, gybt dem tod die recht handt, hat ein hyltzen pater noster am arm vnd mit einem hyltzenen Crützlin, hat ein langnen wisenen bart, ein grouw genëgts heütlin vff, ein wiss hor drunder vntz an die oren, ein hiltzen krygtlin,5 mit eim ysenen ring vnd stahel6 vnden beschlagen, hat er in der lincken hand vnd zwein reymlen schů7 vnd dantz oder volgt dem todt noch.

18. Waltbruoder.

Ich hab gewondt im bruoder huss8
  Als einsidler in siner cluss.9
Mitt willen betten nacht vnd tag,10
  Guotter spyss ich seltten pflag;
Dan wz durch got11 mir ward bracht,
  In mynem gebet ich ir12 gedacht.
Ich bat auch got für alle die
  Mich spyssend vnd trencktend hie.

19. Bild.

Hie kumpt der todt hinderwerck13 hart14 an den wuocheren vnd streckt sin linck bein zwyschen des wuochererss zweyen beynnen, halt dz recht knüg krub,15 alss wolt er für dantzen, vnd schlecht den lincken arm vm des wůchererss halss vnd arm, und mit sinem rechten arm nimpt er des wůchererss rechten handt vnd zerts im dart vssen, hat er erst ein handuol duck-

1verhult, wohl von verhulden, huldigen, homagiare. 2Ruhe. 3geht buckelig. 4willig 5wohl Krüglein. 6Stahl. 7Riemenschuhe. 8Bruderhaus. 9in meiner Klause 10unklar, vielleicht: Mit Willen d. i. gern betete ich Nacht und Tag, hatte dabei aber selten gute Speise 11auf Veranlassung Gottes. 12ihrer. 13hinterwärts. 14nahe. 15krumm.

katen vnd cronen im seckel genummen, hatz es wöllen zalen, verzetlet zehen Cronen oder gelen stuck, hat hor am dotten kopf, ein breydt mul, man sicht im die zën am vndren vnd obenand kyffel,1 hat ein sack pfyff2 mit fünff rörehn3 am halss mit einer schwartzen sydenen binden am rechten arm hencken, gonht die zwey grösten ror hinder sin kopff hart an des wuocherers kopff und huben an rierrend.4

Todt.

Wuocherer rych, verstand mich wol,
  Truchen5 vnd kasten hastu vol
Vnd hast doch kein beniegen6 nit,
  Das schafft alss der schandlich gyt.7
Ich wil dir ein beniegen geben
  Das du mit lengner solt leben.
Es würt werden eim8 din gůt.
  Der dirss Nymer dancken thůt.

Der wůcherer stot gar zů ruck gegen dem totten, hat zwein rotten hosen an, zwein vssgeschnitten schuo mit reimlen,9 einen greünen samatten woppen rock, die Ermel vntz an den elen bogen, ein rot sammat wambst an, eynen sylbren dolchen am rucken, ein schwartzen sydenen gyrttel, ein rotte sammatten taschen; In der lincken hand ein sack mit duckaten vnd Cronen einer spannen lang, sammatten hub10 vff, die recht hant hat er erst vol Cronen genummen vss dem sack, wolt sie zalen, nympt im der tod die recht hand so grymeklich, dz zehen stuck geltz entpfallen, Alss kört er dz antlyt von dem tod, er krympt worlich das mull hëfftig.

19. Wuocherer.

Het ich bedacht myner selen heyl,
  Der hel11 würt ich yetz nit zetheyl.
Nach wuocherey stund mir myn můt.
  Ich het myn freüd inss zyttlich gůt.
Win12 vnd korn das koufft ich inn,
  Ich freüdt mich, wan es thür wolt synn.
Des13 ist die gnad gotts auch thür,14
  Verdient hab ich dz ewig für.

1Kiefer. 2Dudelsackpfeife. 3Röhren. 4in rührender Weise. 5Truhen. 6Begnügen. 7Geiz. 8irgend einem andern. 9mit Riemen. 10Haube. 11Hölle. 12Wein. 13deshalb. 14teuer.

20. Bild.

Hie kumpt der tod zů dem handwerkssman vnd hat einen halb messigen anster1 im mul mit ein langen storcken halss,2 vnden einen zapffen eins fingerss lang, vnd pfifft ime zů dantz do mit mit beyden henden, man sicht im nur die obren zën, hat noch mehr hor am dottenkopf, hebt dz recht knüg vnd fuoss hoch vff, als er dantz, dz ime der buch vff schlitz vnd ime die kuttlen zů dem buch harussen hencken, ist nit so gar ryppig.

Tott.

Kum har, du lieber handtwerckss mann,
  Vir wor3 ich dich lang gsůcht hann !
Du můst springen an den reyen,
  Betrogen hast pfaff vnd leyen
Mit dinem handwerck vnd arbeyt,
  Do du klein Costen hast angeleyt,
Hastu geben vmb bargelt.4
  Scheiden muostu von disser welt.

Der hantwercksman stot wacker vnd dapffer vff recht, hat wiss vnd lipfarb5 hosen getheylt an, vssgeschnitten schůhen mit rincken vnd ryemen,6 hat ein liprock an mit ermelen vntz an den elenbogen, da vornen mit knöepfflen zů gethon, hat ein wiss wambst ermel an mit rothen atlass, ringss wyss vm gebrempt mit IIII plegen, dz hor in ein schwartze sydene hub gebunden, ein rot linsch bareyt,7 henck ein schnider scherlin doran, hat ein hammer in der lincken hand, hat ein fel vor im wie ein kyeffer,8 ein kiefermesser vnd scheyd, ein hand schlegel im gürtel stecken, ein huob ysen vnd ein hëmerlin, do mit man die ross ysen vff schlecht, hat ein zymer axt in der rechten hant am rechten waden vff der erden stonh, hat ein murer köll9 zwyschen den zweygen waden ligend, ein schůmacher all10 am rechten schuo an der versen stecken, [ein Schermesser] vnd ein schermesser vff dem rechten fůss by dem schů reymen.

1Gefäss (aus Messing) mit engem Hals, s. angster bei Lexer. 2Storchenhals. 3Fürwahr. 4er hatte kleine Kosten und liess sich (viel) baares Geld geben. 5leib- oder fleischfarbene. 6mit Schnallen und Riemen. 7leinenes Barett. 8Küfer. 9Maurerkelle. 10Schusterahle.

20. Der hantwerckgssman 20.

Ach lieber tod, lass mich leben,
  Ich wil dir myn gůt gar geben.
Verdienen wil ichs, wie ich kan,
  Ich bin nach ein jungner man.
Ich hab nit gedocht, das der tod
  Mich so bald beryeffen1 soltd.
O Got, myner sel verlich din gnad,
  Wann myn leben ein end hat.

21. Bild.

Hie kumpt der tod zů einem starcken rebburen2 vnd nympt im dz karst helb3 in sin recht handt vnd spert dz mul wit vff, hebtss gegen dem buren, alss wolt er ime etwass sagen, hat nur VI zën vndten vnd obend, gar ein plutten kopff, man sicht im am rucken alle ryp, hat ein flesch,4 ist plechen, in der lincken hant, hebt sig hoch über den kopff vff, krycht ein schlang vsser der fleschen vnd wil dem buren zů trincken geben, hebt den rechten fuoss hoch vff, reührt5 den buren schier an den rock mit dem rechten knüg, krycht im ein schlangen kopff zů dem affteren haruss, krycht im v̈ber den rechten schenckel, thuot dz mul wyt vff vnd pfysst yber den buren, hat dz linck bein ouch krum gekrympt, alss wolt er tantzen.

Todt.

Bur, dein arbeyt vnd v̈bel zyt6
  Würt ein end haben hüt.
Mit mir würstu dantzen schlecht !
  Hastu dinen zëhenden7 geben recht,
Geben hie von dinem gůtt.
  So magstu sin gar wol gemůtt.
Dan ein end hat din leben,
  Daruff wil ich dir zů trincken geben.

Der reb bur hat zwein growe hosen an, zwein zwilchen yber strimpff an mit schwartzen bendlen gebunden, gebunden vnder den knygen, hat vssgeschnitten schů an, ein grows röcklin mit iiii faltten, ein gyrtel daryber, ein lang hor vntz für die oren, ein schwartzen spytzen fyltzhuot vff vnd sicht den dotten këcklichen

1rufen. 2Rebbauern. 3Karststiel. 4Flasche aus Blech. 5rührt. 6üble, schwere Zeit. 7Zehnten.

an, buck1 sich nohe zů dem lod, hat ein nuwer houw2 vff der rechten asslen,3 hept dz helb4 mit der rechten handt vnden vnd den karst vff der lincken achsslen, hebt dz helb mit der lincken band, ein rëbmesser am rucken vnder dem gyrttel stecken.

21. Bur.

Grosse arbeyt, hacken, rytten5
  Hab ich gethon zů allen zytten,
Da mit ich wyb vnd kind ernert,6
  Kein vn nütz gelt ich nye vezert.
Min zehenden bezalt ich schon,
  Got zů diennen vnd zů kyrchen gon
Das liess ich durch kein nott,
  Dester lychter ist mir der todtt.

22. Bild.

Hie kumpt der tod do her tantzen geyen dem lantzknecht, hept den lincken fuoss vff vntz an den rechten knüg gnick7 vnd stosst mit dem knieg dem lantzknecht an sinen rechten schencklen vnd stot mit rechten schenckel lang, doch ein wenig geneygt; hencken im dz gëderm zů den buch haruser, hat ein degen schëyd mit einer sidenen8 vmb den buch yber die kutten gebunden an der lincken sitten, man sicht im vil ryp, hat ein lang dotenbein für einen degen vsser der scheyden gezogen vnd füert einen starcken streych mit beyden henden hinder sim kopff hër vnd hat dz mul wyt vff gespert, dz man im vndten vnd oben zën sicht, ist ein schlang zu dem rechten orloch hin nyn, zům mul harus, vm den lincken arm harus vnd streck den kopff gegen den lantzknecht vnd pfysst yber in mit einer langne spitzigen zungnen; ist der schlangnen wadel noch einer spanen lang nit drynen,9 hat gar einen kalen dottenkopff.

Todt.

Du frischer hans, beyt10 vnd stand still !
  Ich bin nit hie, dass ich fechten will;
Ich förcht nit din messer zucken,
  Du můsst dich in das grab schmucken,11

1bückt. 2Haue, Hacke. 3Achsel 4Stiel (Halm). 5reuten, ausreuten, roden. 6ernährt. 7Kniekehle. 8fehlt "Schnur". 9drinnen. 10warte. 11schmiegen.

Mit erden wirt man dich trëchen,1
  Dich hylfft kein houwen noch stechen.
Dan din leben hat hie ein end,
  Lass messer stecken vnd kumb2 behend !

Der Lantzknecht stot strack vffrecht, hat den dëgen in der rechten handt vff dem latzen3 ligen, ein hallenbarten in der lincken hant, hat ein sammat wambst an schwartz, einen knebelbart vnder der Nasen, sunst glat, keinen bart, ein rot bareyht zerschnëtzlet, mit schwartzem sammat vm leyt, ein langne wyse stracke strauss fedren druff, ein rot gesess, III molen zerhogen mit einem hogysen, eins dumens4 breyt, mit einem grüenen fuotter oder vnder zugck, zwein rothen strympff, vff dem knüg zerhogen, eins fingers lang, mit greünen sydenen hosen bengnel5 geknypfft, schwartze vssgeschnitten schuo one rincken vnd reymen,6 er sicht worlich den todt sur7 an, er wyl nit, dz er zů im gang.

22. Landtzknecht.

Wich vs,8 es ist noch nit daran !
  Du můst arbeyt mit mir han.
Ich loss mirs nicht abtrogwen,9
  Ich wolt dich ehr in stucken houwen —
Ob ich also mit dir wolt gon,
  Ich raht dir das, lass mich daruon,
Lass mich blyben in mym wesen,
  Wiltu vor mir genesen.

23. Bild.

Der tod hat hie einen jüngling mit siner lincken handt by der rechten hand erhëscht10 vnd dantz mit im daruon, hept den rechten fuss vff hinder sich vntz yber daz linck knüg, ist in der weichen vnd brust ytel11 ryp vnd ryp, hat in der rechten hant ein scharmygen12 vnd pfifft dem jünglin vff der scharmygen, kört sich mit dem halss vm gegen dem scharmeygen oder gegen dem jünglin hart an sinem bareyt, man sicht im die zën vnden vnd obenand, im dottenkopff sitz ein schwartze krot am rechten orloch vnd ein an der styrnen.13

1mhd. scharrend verdecken. 2komm. 3Latz, Hosenlatz. 4Daumen breit. 5Bändeln. 6ohne Schnallen and Riemen. 7sauer. 8Weiche aus! 9abdrohen. 10erhascht. 11eitel = nichts als. 12Schalmei. 13Stirn.

Todt.

Du stoltzer gesell vnd jůnglin gůt,
  Ein end hat hit din jungner můt,
ßiss1 wyllig vnd lass dyn druren,2
  Es dantzt hie geystlich vnd buren,
Dan ich niemantz schonen byn,
  All welt můss mir gehorsam syn,
Dan was das leben ye gewan,
  Das můss den byttren todt han.

Der jünglin stot in geteylten wiss vnd greün hosen, zwein breyt gedoppelt vssgeschnitten schů one ryncken vnd ryemen,3 ein rotten langnen rock vntz vff die waden mit einem schwartz scherteren4 fůtter gefüertert, mit einem yberschlag, ein wiss kragen hempt, ein grüen atlass wambst, der rechten arm durch den rock ermel gestossen, hebt mit der lincken hand den dëgen by dem hefft vnder dem rock, gibt dem tod die recht hant, kört aber dz antlyt5 vom tod, hat ein lang, gelss kruss hor,6 ein rot Bareyt.

23. Jünglin.

Min hertz ist leyd vnd kummers voll,
  Syt dz ich so jung sterben soll
In myner jungnen gestalt,
  O tod, du kumpst mir vil zů balt.
In wolust bin ich erzogen,
  Die falsch welt hat mich betrogen,
O Maria, hymmelische künigin,
  Wöllest min fürsprecheren sin !

24. Bild.

Hie kumpt der tod in bruner färb7 gemolt zů einer edelen junckfröuwlin, hat einen strogenen krantz8 vff, schwartz todten har vff dem kopff, hat ein wyt mul offen, man sicht im alle zën vnden vnd obent, vnd ryert9 die junckfrouw mit der gygen10 an ann die rechte brust vnd gyget ir zů tantz mit der gygen, er ist nit ryppig, aber dyr, dir,11 hencken im die kutlen zů dem12 harusser, hept den lincken

1Sei. 2Trauern. 3ohne Schnallen und Riemen. 4feine Leinwand, s. Lexer. 5Antlitz. 6gelbes, krauses Haar. 7in brauner Farbe. 8Kranz aus Stroh. 9rührt, 10Geige. 11also "sehr dürr". 12fehlt "Bauch".

fůss hinder dem rechten beyn hoch vff, als hoch er geschlytz ist, vnd krympt dz recht knüg, alss ob er wolt dantzen.

Todt.

Junckfrouw mit vwerem schenen krantz,
  Kummen har an mynen tantz !
Vff erden vwer kurtzwil vnd freüdt
  Würt uch kumen alss zů leydt.1
Vwer vff mutzen,2 dantzen, zyeren
  Der knaben gestalt vnd hoffieren
Mag nit hie gehelffen eüch,
  Ir müessen werden mir gleüch.

Die junckfrouw stot gantz traurenklichen gegen dem todten vnd sich inen an vnd weint, hat die hent oder fingner zwyschen ein ander geschlagen, die linck hant vnd arm yber den buch in der weychen3 yber den guldinen gürtell, hat ir geles har in ein guldene hub gebunden, doch goth ein wenig hor by beyden oren, henck harab alss zepfflin, ein greünen krantz mit vil rotten grassblumen,4 ein wiss halssmendlin5 mit einem schwartzen, sydenen bengnel,6 rings wyss vmmer, mit einem sidenen schwarlzen kragen, einem greünen sammathen oberrock, vss geschnitten mit sammat vmleigt vff die brystlen lang vntz vff die erden vnd schů mit ingesetzten wissen leplin, ein guldinen gürtel, der schlemppen7 henck an der lincken sitten, sind die ermel am elenbogen abgehouwen, dz hempt am elenbogen gerysspelt, der rock ermel mit einem houw ysen geschnetzlet vff der schulter vnd bym elenbougen,

24. Jungfrouw.

Vmb geben hat mich grosse nott,
  So ich vor mich sich stohn den dott.
Dass got erbarm mynes springen !
  Den knaben zů leyb8 thet ich singen
Weltliche leider9 off vnd vil,
  Das mich hie nit mer helffen wil.
O Můtter gotzs,10 vmb myne sind
  Erwyrb mir gnod vmb dyn kind !

1Euere Kurzweile und Freuden auf Erden werden euch in Leid ausschlagen. 2Putzen, schmücken, schniegeln. 3über dem Bauch in den Weichen. 4rote Grasblumen sind Nelken. 5Halsmäntelein. 6Bändel. 7Schless. Schnalle. 8zulieb. 9Lieder. 10Gottes

25. Bild.

Hie kumpt ein wyser dot vnd nympt ein kind oder knëblin mit der lincken hant by dem rechten hendlin vnd dantz mit jm daruon, ist gantz rippig, schrenck dz linck bein vber dz recht bein hat ein windloffer oder mül1 mit einem gemolten rotten stecken jnder rechten hand, vnd buck sich wit hinder sich nyder, dz er dz knëblin kan füeren, hat ein schwartz ding vnder der gurgel, bleck die zën, ist ein schwartz mönen oder krotten am rechten or loch, hat vier karten an der windt mülen.

Totd.

Du kleines jungnes kindelin,
  Es hat ein end das leben din.
Die falsch welt mecht dich betriegen,
  Du styrbscht wäger2 jn der wegen,3
Dan hie4 mit sinden beladen:
  Es brecht dyner sel schaden.
Darumb mustu dantzen mit mir
  In das ewig leben jch dich feir.5

Das knëblin sitz vff einem hyltzenen ross oder stecken, hat das rösslin ein schwartzen klein zaüm, hat ein wiss hembdlin an mit nesselen důch6 gemacht, ist vssgeschnitten, mit schwartzer sydener arbeyt gemacht, vnd an den ermelen dauornen auch vnd am lincken arm offen, ouch mit siden gemacht, den zaum hat es jm lincken hendlin, hybsch rotte Crallen am helsselin,7 ein kurtz kruselicht hor, gybt dem tod das recht hendlin oder ermlin.

25. Ein kindlin

O we, o we, wass mag das sin !
  Ein wiser man viert mich dahin.
Ich merck vs der grossen nott,
  Das es ist der bytter todt.
Er gryfft mich bye den henden an,
  Dantzen můss ich und kan nit gan.
Ich gang dester gwyllinger daran,
  So ich noch kein sind gethon han.

1Windloffer oder Mühle (Spielzeug). 2besser. 3Wiegen. 4Du stirbst besser in der Wiege, als dass du dich hier mit Sünden beladest, 5führe. 6Nesseltuch. 7Korallen am Hälslein.

III. Schlussbilder

26. Bild.

Hie stondt dryg todten by einander, der ein ist ein langner wisser, strack vff recht gar ryppig vnd hat ein rotte schwëbel pfiff1 jn beyden henden vnd pfifft zů felt vnd dantz allen dotten. Der ander tod ist gel farb, krympt die beyde knüg, hat ein hübsche rothe trumm,2 zwein schwartze klypffel vnd schlecht die trummen darzů, ist ouch rippick vnd sicht sin gesellen an vnd horch gnůg vff sin pfiffen, er hat die zën alle nohe by einander. Der dryt tod ist gelfarb, ist ouch lang vnd hat ein rot fenlin3 jn der rechten handt, einen wysen dotten kopff jn mitteln fenlin, stot hart an der Trummen, die kutlen hencken jm uff die trunz4 hat ein wit zenn . . . . .5 mul, hor noch am dottenkopf, zeygt mit der lincken hant dem narren v̈ber sich vff den Rymen6 vnd neygt sich hinder sich zů dem Narren vnd sagt jm, er sol jm vff die linck achssel griffen, er můss ouch harnoch dz köpffel jm fenlin,7 hat zwey dotten bein Crützwiss jm mul vnd zännen.8


Disser dryger: Pfiffer: Trummenschager vnd Fennerych spruch, die spruch all stont ob dem houbt gemolt.

Wolvff jr herren allgemein !
  Er sig9 gross, starck, rych, arm oder klein,
Er sig junge oder ouch alt,
  Alle syndt jr kumen ins todtes gewalt.
Doch hylfft weder guot noch gelt,
  Es hylfft nychtzs in disser welt,
Der her muoss mit dem buren gon,
  Das guot muoss er faren lon,
Den wysen10 kein reden nit helffen wirt
  Neben jm würt stonh der hirt,

1Schwebelpfiff, jedenfalls für Schwegelpfeife = Querpfeife. 2Trommel. 3Fähnlein. 4eigentlich abgebrochenes Speerstück, Splitter. 5unleserlich. 6Reim. 7fehlt ein Wort. 8Zähnen. 9sei. 10Weisen.

Das muoss er selbs verantwurten vnd bestohn,
  Wass er hie jn disser welt hat gethon,
Darumb würckendt hie buoss,
  Ein yeder hie sterben sol und muoss.

Hie stot der Narr vnd gryfft dem totden vff die linck achssel mit der rechten hant vnd1 ein roten langnen zypffel am ermel heraber hangnen, einen brunen narren rock an mit der narren kappen, hat sig vff, zwuo langne gelen oren dran genegt,2 zwuo schellen, der linck rock ermel geteylt yber zwerch vmb den arm, gël, schwartz, wider gel, wyss, blouw, gël, schwartz, ein gyrtel v̈ber den rock, ein grosse täschen dran, mit einem grossen gelen rincken, zwein brun hosen an, zwein hohe bundschů, einen kolben stecken jn der lincken hand kötscht er3 har nach.

26. Der Nar.

Ein Narr bin ich gesin mengen tag,
  Gottes gedacht ich nye, ichs sag,
Das macht die vnsteimykeit myn;4
  Lieber tod, jch wil din gesell sin.
Ich hoff zů got, er sehe das an,
  Das jch min füntf sinn nit gehebt han.

Dippel Heintz.

27. Bild.

Hie stoht der tod an einem Eck oder winckel vnd wart vntz der weybel vnd bot harumer zů jm kumpt ann dz eck, do nympt er5 mit siner rechten hant by den hor, by sinem rechten or, ein gantz handuol vnd vm die hand gewyckelt vnd zychtzs jm v̈ber sich vnd zeygt jm mit der lincken hand mit den drigen fingren yber sich zu dem rymen, jst gantz rippig, hat nach alle zën jm mul vnden vnd obendt, hat keinen verloren, hebt dz recht knüg vnd fůss hoch vff vnd stot vff dem lincken fůss, wie ein storck.6

1und hat. 2genäht. 3ketschen = ziehen, vgl Martin u. Lienhart, Wörterb. der elsäss. Mundarten; noch gebräuchlich, 4Ungestümigkeit, Leidenschaftlichkeit. 5er ihn. 6Storch.

Der Todt.

Du bist ein weybel vnd ein bott,
  Für war das bringt dich jn grosse nott,
Die gemein mit beytten,1 v̈ber nummen,
  By dem hor hab ich dich genummen.
Disser schar můsst du nacher gon,
  Ich wil dir geben darumb din lon.

Hie stot der bot vnd weybel mit dem weybelstab in der lincken hant, ein botenschilt am rock an der linken brust, hat ein rotz hor,2 er rympfft dz mul vnd bleck die zëhn, so hart rupfft jnen der dot bym har, hat ein rot bareyt vff, einen langnen rotten rock mit langnen ermlen, die arm durch die ermel gestossen, die schwartz wambst ermel, ein lang messer zů beyden henden v̈ber den rock gebunden, hat zwein gel hossen an, vssgeschnitten schů mit rincken vnd reymlen, goth jm vil volcks noch, namlich mer dan drissig, hand all die köpff v̈ber vff gon, wöllendt al mit dem botten gohn, zwuo nunnen, der einen sicht man dz antligt3 vnd jren schleyger,4 hand alle schů an, die ander Nunn hebt dem weybel vff die linck achssel mit jrer rechten handt, hat einen langnen wisse kut oder rock an, ein schwartz scheppe5 am halss do hinden vnd vornen, ein wisen sturtz oder schleyger vff, ein schwartz diechlin vff dem sturtz, ein betbiechlin jn der lincken hand jn einem leder gefasst, der ein hat einen rechen, der ander ein pflägel, hat einer ein gross glass jn der linken hand         6 kan der rechten hand         7 vnd schencket ein zu trincken, hat einen blouwen hout vff, einen langnen wisen rock, ein girtel vnd ein grosse däschen8 yber den rock gebunden, hat blouwe hosen an, zwein bundschuo.
Des weybel oder hotten vnd der andren allen antwurt. 27.

O gott in diner ewigkeyt !
  Ein hörter weg ist vns bereyt,
Den můssen wir alle hin gohn
  Vnsser sind wöllest vns ablohn.9

1mit Gewalt anthun. 2rotes Haar. 3Antlitz. 4Schleier. 5Scapulier. 6 7unleserlich, M. S. beschädigt, vielleicht: und eine Kanne in. 8Tasche. 9Unsere Sünden ablassen.

Wir habend gethon wyder den willen din
  Du wöllest vns armen gnedig sin.
O Maria, jn dem höchsten thron
  An vnserem end wöllest vns by sthon,1
So sich sel ynd lib scheyden thůt,
  Maria, hab vns jn diner hůt,
Verbirg vns vnder dem mantel din,
  Das vnser sel nit kum jn pin,
Vnd das wir mit dir gehn jn das ewig leben
  Das wöll vns got allen geben.

1beistehen.

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